Jan Kurzer geht nach Stade Buxtehudes Polizeichef wechselt in die Polizeiinspektion

tk. Buxtehude. Nach elfeinhalb Jahren ist in Buxtehude Schluss: Polizeioberrat Jan Kurzer wechselt vom Polizeikommissariat Buxtehude in die Polizeiinspektion (PI) Stade. Dort wird er Leiter des Zentralen Kriminaldienstes (ZKD) und stellvertretender Chef der gesamten PI. Das WOCHENBLATT hat mit Jan Kurzer über seine Zeit in Buxtehude und neue Aufgaben gesprochen. „Das Polizeikommissariat war mein zweites Zuhause“, sagt Kurzer. Er freue sich auf neue Herausforderungen, die als stellvertretender PI-Leiter auf der Karriereleiter auch ein Schritt nach oben sind – der Abschied von Buxtehude falle ihm trotzdem schwer. „Das ist hier meine Wahlheimat.“

„Jeder kann hier nachts durch den Stadtpark gehen“

Beim Rückblick auf die Zeit in der Estestadt tritt Jan Kurzer allen Versuchen energisch entgegen, Buxtehude zu einem gefährlichen Pflaster  – besonders im öffentlichen Raum – machen zu wollen. „Jeder kann hier nachts zum Bahnhof oder durch den Stadtpark gehen“, sagt er. Die Zahl der Raubüberfälle könne er während seiner gesamten Buxtehuder Dienstzeit an einer Hand abzählen. Natürlich gebe es auch in der Hansestadt „alle Formen der Alltagskriminalität, aber keinen Brennpunkt“, so Kurzer. Und wenn, der scheidende Polizeichef erinnert an die „Bollweg-Gang“, die mit Randale, Körperverletzungen und Brandstiftungen für Unruhe sorgte, „haben wir das in den Griff bekommen.“

Jan Kurzer lobt in Buxtehude die guten und funktionierenden Netzwerke, die von der Stadt bis zu Feuerwehr und THW sowie vielen Vereinen reichen. Beispiel: Gemeinsam sei es allen Akteuren gelungen, den Pfingstmarkt in Altkloster zu einer friedlichen Veranstaltung zu machen. 

Fokus auf Ermittlungsarbeit

In Stade wird sich Jan Kurzer künftig mehr auf die Ermittlungsarbeit fokussieren. Im ZKD werden alle schwere Straftaten, von Tötungsdelikten über Raub bis zu Drogenhandel, untersucht. Den Job als ZKD-Leiter hat der Polizeioberrat bereits für ein Jahr in Buchholz innegehabt. Er werde sich nicht in die Ermittlungsarbeit  der Fachkommissariate einmischen, müsse aber die Linie vorgeben und immer einen Gesamtüberblick behalten, erklärt Jan Kurzer.  

Schwerpunkt Clankriminalität

Was auf ihn als Aufgabe zukommt: Die Eindämmung der Clankriminalität. Die Staatsanwaltschaft Stade wird vermutlich ab Oktober eine Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft Clankriminalität aufbauen und in der PI Stade will Jan Kurzer ein Netzwerk mit vielen Akteuren aufbauen, das es kriminellen Familiengruppen schwer macht, in der Illegalität ihren Geschäften nachzugehen. Bei der Rockerkriminalität in der Region habe so ein Modell vor einigen Jahren schon gut funktioniert, sagt Kurzer.

„Ich bin bei solchen Bildern erschrocken und manchmal auch ratlos“

Wer derzeit mit einem leitenden Polizeibeamten spricht, kommt um ein Thema nicht herum: die brutalen Ausschreitungen am vergangenen Samstag in Stuttgart. Dort waren mehrere Hundert junge Menschen auf Polizeikräfte losgegangen, hatten Läden verwüstet und geplündert. Zeitweise war die Situation sogar außer Kontrolle. „Ich bin bei solchen Bildern erschrocken und manchmal auch ratlos“, gibt Jan Kurzer ehrlich zu. Grundsätzlich gehe Respekt, auch vor staatlichen Institutionen verloren, und zu viele Menschen würden ihre Grenzen austesten. Eine eher unselige Rolle würden dabei mitunter die sozialen Medien spielen. „Es sind bei Videos oft nur Ausschnitte, die im Netz zu sehen sind“, sagt der Polizeioberrat. Wenn zu sehen sei, wie die Polizei Gewalt anwenden müsse, um eine Situation in den Griff zu bekommen, werde in den kurzen Sequenzen meist unterschlagen, was diese Beamten vorher selbst an Gewalt erlebt hätten. „Als Bürgerpolizei wollen wir Probleme verbal lösen“, sagt Kurzer über das, was eigentlich sein sollte.

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