Nenndorf: Zehn Strafanzeigen gegen Erzieher

Hat ein junger Mann in der AWO-Kindertagesstätte in Nenndorf mehrere Kinder sexuell missbraucht? / Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen

thl. Rosengarten. Die Vorwürfe wiegen schwer: Ein Erzieher soll in der AWO-Kindertagesstätte in Nenndorf Kinder sexuell missbraucht haben. „Mittlerweile liegen zehn Strafanzeigen von Eltern gegen den Mann vor“, bestätigt Polizeisprecher Jan Krüger dem WOCHENBLATT auf Nachfrage. „Die Vorgänge werden jetzt vom Zentralen Kriminaldienst bearbeitet. Dort laufen auch die Vernehmungen der Kinder und des Beschuldigten.“ Weitere Auskünfte will er mit dem Hinweis auf das laufende Ermittlungsverfahren nicht geben.
Vergangenen Donnerstag ging die erste Anzeige bei der Polizei und dem Kita-Träger, dem AWO-Bezirksverband in Hannover, ein, nachdem sich Eltern an den Träger gewandt und von ihrem Verdacht erzählt hatten.
Bei dem Beschuldigten, der sofort von der Arbeit freigestellt wurde, handelt es sich um einen jungen Mann, der erst zu Beginn dieses Kindergartenjahres im August bei der AWO als Springer angefangen hat. Er soll sowohl im Krippen- als auch im Elementarbereich eingesetzt worden sein. Sein Führungszeugnis war bisher „sauber“, heißt, er hat keine Vorstrafen. Das bestätigt Knud Hendricks, AWO-Spartenleiter Soziale Dienste auf Nachfrage.
Die AWO-Kindertagesstätte an der Eckeler Straße in Nenndorf war erst Anfang dieses Jahres eröffnet worden. Erbaut wurde das Gebäude von der Gemeinde Rosengarten, die sich für die AWO als Träger entschieden hatte. Begründung: In Klecken führt die AWO auch eine Kita, dort gab es noch nie Anlass zur Beschwerde. Insgesamt 55 Betreuungsplätze stehen in der Einrichtung zur Verfügung. Von Anfang an gab es aber Schwierigkeiten mit der Personalbesetzung in der Einrichtung. Das sei aber ein bundesweites und nicht trägerspezifisches Problem, heißt es seitens der AWO. Deswegen habe man sich gefreut, im August die Stelle auch noch mit einem Mann besetzen zu können. Denn männliche Erzieher seien Mangelware, heißt es weiter. Stichwort: männliche Vorbilder.
Doch auf die Freude folgte schnell der Schock und die Frage: „Hat man richtig hingeguckt oder hätte man den Missbrauch verhindern können?“ Die AWO verspricht, den Fall mit den Eltern und den Kindern schnellstmöglich und gründlich pädagogisch aufzuarbeiten.
• Der Vorwurf gegen den Erzieher macht mittlerweile bundesweit Schlagzeilen. Damit ist Nenndorf zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen wegen eines Missbrauchsskandals im Fokus der Öffentlichkeit. Erst Anfang August hatte die Kirche den sexuellen Missbrauch von Kindern durch einen ehemaligen Pastor eingeräumt. Die Aufarbeitung des Geschehens läuft aktuell noch.

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