Tödliches Familiendrama in Drage Ex-Mann des Opfers erzählt aus dem Leben des Paares

thl. Drage. Sie haben sich 2017 im Internet kennengelernt, ein Jahr später geheiratet – jetzt sind Franco und Angelika S. aus Drennhausen (Landkreis Harburg) tot. Laut Polizeiangaben hat der 57-Jährige in der Nacht zu Dienstag seine ein Jahr jüngere Frau zunächst erstochen und sich anschließend selbst das Leben genommen (siehe hier: Mann ersticht Ehefrau und richtet sich selbst).
Entdeckt wurden die Leichen am Dienstagnachmittag von Angelikas jüngstem Sohn (32) aus erster Ehe. Er war zu dem Mehrfamilienhaus direkt am Elbdeich gefahren, nachdem seine Mutter nicht bei einem festvereinbarten Termin erschienen war, sich auch nicht gemeldet hatte und nicht zu erreichen war.
Ursächlich für das Familiendrama dürfte die Tatsache sein, dass die noch junge Ehe des Paares schon wieder am Ende war. Vor dem Familiengericht am Winsener Amtsgericht führten Angelika und Franco S. ein sogenanntes Wohnungszuweisungsverfahren mit wechselseitigen Anträgen dahin, dass jeder von ihnen verlangt hat, dass der andere Ehegatte ihm die Ehewohnung zur alleinigen Benutzung überlässt. Das bestätigt Amtsgerichtsdirektorin Simone Skibba auf Nachfrage.
Beide Ehegatten haben noch einen Tag vor der Tat zusammen mit ihren Anwälten an einer nicht öffentlichen Verhandlung in dieser Sache teilgenommen. Das Familiengericht hat im Rahmen der mündlichen Verhandlung keine Entscheidung getroffen, sondern einen Termin für die Verkündung einer Entscheidung anberaumt. „Weder aus dem Inhalt der Akten des familiengerichtlichen Verfahrens noch aus der mündlichen Verhandlung heraus haben sich irgendwelche Hinweise oder Ankündigungen für einen bevorstehenden Suizid, ein Tötungsdelikt oder eine Gewalttat ergeben“, so Skibba. „Die Verhandlung beim Familiengericht verlief ruhig und geordnet, ohne Besonderheiten wie aggressives oder bedrohliches Verhalten der Beteiligten.“
„Das passt zu den beiden“, sagt Peter Homann (73). „Aber zu Hause werden sie sich gezofft haben. Ich kann mir gut vorstellen, dass die beiden sich gestritten haben und es dann eskalierte.“ Homann kannte Angelika S. seit 26 Jahren, war 14 Jahre mit ihr in zweiter Ehe verheiratet. 2016 habe man sich scheiden lassen, nachdem man viele Jahre Höhen und Tiefen durchlebt habe.

„Durch die Medikamente veränderte sie sich enorm“

Das Familiendrama, das sich am Dienstag in dem schmucken Einfamilienhaus am Elbdeich im Landkreis Harburg im Drager Ortsteil Drennhausen ereignet hat, erschüttert nicht nur die Bekannten und Bewohner aus der Samtgemeinde Elbmarsch. Auch Peter Homann aus Winsen ist fassungslos. „Ich stehe unter Schock, weil ich 26 Jahre meines Lebens mit dieser Frau verbracht habe und nun total erschüttert bin, denn es gab auch gute Jahre, die ich nicht vergessen kann“, sagt er und blickt mit Tränen in den Augen auf alte Bilder aus gemeinsamen Zeiten.
2016 haben sich Angelika und Peter Homann scheiden lassen. „Die Ehe ist unter den Belastungen zerbrochen“, berichtet Peter Homann. Kennengelernt haben sich die beiden auf einer Kur in Bad Lippspringe. Angelika war seinerzeit gerade frisch geschieden und auch Peter war Single. „Ich habe sie als Häufchen Elend kennengelernt, habe sie nach und nach wieder aufgebaut und ihre Gesundheit gemanagt“, blickt Homann zurück. Angelika brachte zwei Söhne (heute 32 und 34 Jahre alt) mit in die Ehe. „Es war als Patchwork-Familie nicht leicht, zumal beide Kinder nicht einfach waren“, so Homann weiter. Dadurch sei das Familienleben enorm belastet gewesen. Hinzu kam, dass Angelika 2012 an Brustkrebs erkrankte. „Sie hat zu dieser Zeit Medikamente bekommen, die ihre Persönlichkeit enorm veränderten. Aus dem schüchternen Mädchen von einst wurde eine Narzisstin ersten Grades“, erzählt Peter Homann. „Alles, was ich ihr in den Jahren an Stärke vermittelt hatte, verwendete sie fortan gegen mich. Im Internet trug sie sogar den Spitznamen Pitbull.“
Peter Homann liegt es fern, über seine tote Ex-Frau herziehen zu wollen. Er versucht vielmehr – auch für sich selbst – das Familiendrama zu verstehen. „Ihr Mann Franco, den sie vor zwei Jahren geheiratet hatte, war auch ein ‚Hans Dampf‘, genauso aggressiv, wie Angelika es sein konnte. Beide wollten immer Recht haben.“ Auch Homann habe er bedroht. „‚Wir müssen jetzt reden, von Mann zu Mann‘, schrie er mich an“, so der Winsener.
Dass die Ehe von Angelika und Franco am Ende war, habe er sich gedacht. „Ich erhielt von meiner Ex-Schwägerin einen Hinweis, dass die Angie jetzt das durchmacht, was sie mit mir am Ende unserer Ehe nach 26 Jahren Partnerschaft gemacht hat“, so Homann. Dass der offensichtlich entbrannte Rosenkrieg zwischen den beiden aber so tragisch ausgeht, damit hätte Homann auch nicht gerechnet.

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