50 Jahre Buxtehuder Bulle: Bullenbeauftragte Ulrike Mensching hat viele Ideen zum Jubiläum Ein Jahr ganz im Zeichen des Buxtehuder Bullen

sla. Buxtehude. So mancher kann sich bestimmt noch gut an Winfried Ziemann erinnern. In seinem Buchgeschäft in der Bahnhofstraße war er korrekt mit Fliege gekleidet und hatte stets gute Buchtipps für seine Kunden auf Lager. 1971 ärgerte sich der belesene Buchhändler jedoch darüber, dass der deutsche Jugendbuchpreis stets ohne die Mitsprache von Jugendlichen verliehen wurde. Kurzerhand rief er einen eigenen Jugendbuchpreis ins Leben. Namensgeber war der Bulle Ferdinand aus seinem Lieblingsbilderbuch „The Story of Ferdinand“, der sich weigerte, am Stierkampf teilzunehmen, und aufgrund seiner Friedfertigkeit eine gute Symbolfigur für den Jugendliteraturpreis zu sein schien. Winfried Ziemann verstarb nach schwerer Krankheit im November 2010, doch sein Buxtehuder Bulle lebt weiter – und jedes Jahr setzt sich eine Bullen-Jury aus elf Jugendlichen und elf Erwachsenen zusammen, um das beste Jugendbuch auszuzeichnen.
Die Liste der jährlichen Favoriten bietet inzwischen Bestseller, Klassiker und Stoff für Verfilmungen, darunter so bekannte Werke wie „Die grüne Wolke“ von Alexander Neill, 1. Preisträger 1971, „Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende (1979), „Biss zum Morgengrauen“ von Stephenie Meyer oder „Die Tribute von Panem“ von Suzanne Collins.
In der fast fünfzigjährigen Geschichte des Buxtehuder Bullen gibt es jetzt erstmals in Buxtehude eine Bullenbeauftragte. Ulrike Mensching hat ihre langjährige Leitung der Stadtbibliothek an Schulbibliotheksleiter Peter Jobmann und an ihre langjährige Stellvertreterin Birgit Rogge abgegeben und konzentriert sich in einem Büro im historischen Rathaus ganz und gar auf den Bullen. Ein Aufgabenfeld, das im Lauf der Jahre und besonders im Hinblick auf das 50-jährige Jubiläum im nächsten Jahr enorm gewachsen ist.
An neuen Ideen mangelt es der Bullenbeauftragten nicht – und die Vorbereitungen für das große Ereignis laufen auf Hochtouren. Vorschläge wurden von der Politik befürwortet und bereits im vergangenen Jahr mit zusätzlichen 70.200 Euro zu den jährlichen 30.000 Euro unterstützt.
Aufgrund der Corona-Pandemie müssen allerdings viele Aktionen digitalisiert werden. „Doch etliches kann zum Glück auch wie geplant stattfinden“, sagt Ulrike Mensching. Dazu gehören beispielsweise Sonderbriefmarken, Sonderstempel von der Post und Postkarten-Sets, Plakat-Aktionen etwa in der S-Bahn, Stadt-Rallyes, in die auch die heimischen Buchhändler und der Tourismus-Bereich eingebunden werden. Zudem soll eine große Bullenstatue dem internationalen Jugendliteraturpreis buchstäblich ein Denkmal an zentraler Stelle in Buxtehude setzen. Gewinnspiele mit Fragen zu den Autoren aus der ganzen Welt und den ausgezeichneten Büchern, Einbindung des BULLE-vards mit seinen im Boden eingelassenen Hinweistafeln, dem Buxtehuder Walk of Fame, der zum 40-jährigen Jubiläum des Buxtehuder Bullen 2011 eingeweiht wurde, sind ebenfalls in Arbeit.
„Ich möchte auch weiterhin die Anliegen von Jugendlichen in den Mittelpunkt stellen“, sagt die Bullenbeauftragte Ulrike Mensching – getreu dem Ansinnen des Bullen-Vaters Winfried Ziemann. Und auch sozialkritische Themen, die junge Menschen bewegen, wie Homosexualität, Mobbing oder Ausgrenzung, werden wie bereits bei vergangenen Siegertiteln weiterhin Beachtung finden, erklärt Mensching. Ihr Ziel: der Gänsehauteffekt, denn Leser sollen die Geschichten fühlen.
Die Aktionen zum Bullen-Jubiläum beginnen bereits im Januar und setzen sich das ganze Jahr über fort – bis schließlich zur Doppelprämierung im September, bei der die Preisträgerin aus 2019, die bislang aufgrund von Corona nicht anreisen konnte, und der aktuelle Preisträger bzw. Preisträgerin geehrt werden – eine weitere Herausforderung in der langjährigen Erfolgsgeschichte des Buxtehuder Bullen, „die mir noch Bauchschmerzen bereitet“, gesteht Mensching.

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