Alexander Stüwe versorgt Rettungsschiffe mit medizinischer Ausrüstung Buxtehude als Zentrale der „Sea Watch“-Apotheken

tk. Buxtehude. „Diese Bilder sind mir nahegegangen“, sagt Alexanders Stüwe über die Bilder aus dem Jahr 2015, als täglich Tausende entwurzelte Menschen auf der Flucht in Deutschland ankamen. „Und ich habe mir die Frage gestellt, was kann ich persönlich tun“, blickt der Apotheker aus Buxtehude auf den Beginn seines Engagements zurück. Was ihn besonders aufwühlte, nachdem die Balkanroute als Fluchtweg dichtgemacht wurde: Auf dem Mittelmeer ertranken die Menschen elendig, die in seeuntauglichen Nussschalen von Schleppern den Gewalten des Meeres ausgesetzt wurden. Als erfahrener Skipper mit vielen Scheinen und Patenten nahm der Inhaber der „Brücken Apotheke“ Kontakt zu „Sea Watch“ auf, die seit Beginn der Fluchtwelle auf dem Mittelmeer dort mit Rettungsschiffen im Einsatz sind. Letztendlich entschied Stüwe gemeinsam mit den „Sea Watch“-Aktiven, dass er besser helfen kann, wenn er nicht an Bord ist. „Ich kenne mich mit Medikamenten aus“, sagt der Apotheker, der die Krankenstationen der Rettungsschiffe ausstattet.

„Wie eine Krankenstation an Bord eines Schiffes aussehen muss, war für mich Neuland“, sagt Stüwe. Er suchte daher den Kontakt zu den Ärztinnen und Ärzten, die ehrenamtlich an Bord arbeiten. Man könne sich das wie einen Rettungswagen vorstellen, so der Apotheker. Das Einzige, was auf dem Schiff nicht möglich sei, sind Operationen unter Narkose. „Und häufig muss bei echten Notfällen auf hoher See improvisiert werden“, weiß der Apotheker durch seine engen Kontakte zum medizinischen Personal.

Für vier „Sea Watch“-Schiffe hat Alexander Stüwe rund 99 Prozent der Erstausstattung besorgt. „Das sind große Mengen“, sagt er. Frei verkäufliche Dinge finanzierte er häufig selbst, habe mit den Pharmafirmen gute Konditionen ausgehandelt. Bei den notwendigen rezeptpflichtigen Dingen dürften die Unternehmen dagegen keine Rabatte gewähren. Diese Dinge würden daher über Spenden finanziert, die „Sea Watch“ erhalte.

Was wichtig für die Ausstattung der Bordapotheke sei: Auf hoher See, bei der Rettung von Flüchtlingen, treten Notfälle auf, die in deutschen Notaufnahmen eher selten vorkommen. „Viele der Menschen sind dehydriert'“, so Stüwe. Und: Unter den geflüchteten Frauen seien oft Hochschwangere. Auch auf Geburten müsse das Team daher vorbereitet sein. „Und manche Menschen sind in einem lebensbedrohlichen Zustand, so dass sie intensivmedizinisch betreut werden müssen.“ Was bedrückend sei: Manche der Geflüchteten würden deutliche Spuren von Folter und Misshandlung, etwa gebrochene Knochen, aufweisen. „Die werden weichgeprügelt, deren Wille soll gebrochen werden“, sagt Stüwe. Was etwa vor Beginn der Seereise in Libyen, aber auch anderswo mit den Menschen geschehe, sei unvorstellbar. Damit vom Pflaster bis zum verschreibungspflichtigen Medikament immer alles verfügbar sei, reiche natürlich nicht die Erstausstattung der Schiffe. Von Buxtehude aus organisiert Apotheker Stüwe auch den Nachschub mit Shuttle-Transporten. 

„Diese Schiffe retten Menschenleben“, sagt Alexander Stüwe. Daher sei es wichtig, dass das Thema nicht durch die Corona-Pandemie total zurückgedrängt werde. „Der Unterhalt der Schiffe kostet Geld und das ist nur über Spenden zu finanzieren“, betont Stüwe. Was ihn freut: „Wegen meines Engagements habe ich noch keinen Shitstorm kassiert.“ Die Buxtehuder würden ihm positive Rückmeldungen geben. Für Alexander Stüwe ist klar: Er macht weiter und sagt: „Wir vergessen viel zu oft, dass wir in Deutschland auch eine Nation mit vielen Flüchtlingen sind.“ Und damit sind nicht die gemeint, die 2015 gekommen sind.
Infos und Spendenmöglichkeiten: www.sea-watch.org

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