Die Corona-Pandemie beschert Fahrradhändlern enormen Zuwachs Die neue Lust am Rad

(sla/thl). Während etliche Branchen durch die Corona-Pandemie schmerzlich ausgebremst werden, gehören Fahrradhändler zu den Profiteuren der Krise. Das Fahrrad kommt immer stärker ins Rollen – nach einem vermiesten Saisonstart beim ersten Shutdown. Auch Hauke Krusewitz, Chef von Zweirad Tobaben in Harsefeld, hatte im Frühjahr bei der Schließung seines Geschäftes noch Existenzängste. Von einem regelrechten Fahrrad-Boom mag er jetzt aber nicht sprechen. Zu den wahren Gewinnern der Krise gehöre seiner Meinung nach der Online-Handel. Eine Online-Umstellung sei aber für den Harsefelder Fahrradhändler, der bereits seit 23 Jahren als Mitarbeiter bei Tobaben tätig war und schließlich das Geschäft übernahm, kein Thema. „Das geht nicht so einfach und es bedarf einer enormen Logistik und großen Verwaltungsaufwands, zudem stünde die Preispolitik im Vordergrund.“ Krusewitz sieht hingegen seine Stärke in Qualität, Beratung und Service. „Man muss auf einem Fahrrad unbedingt Probe sitzen, bevor man es kauft. Fahrradfahren ist eine Gefühlssache.“ Die Corona-bedingten Reisebeschränkungen im Sommer kamen der Branche schließlich zugute. Die Leute machten Urlaub in Deutschland und entdeckten das Fahrrad als neue Freizeitaktivität und Beschäftigung für Kinder. Für jeden Typ findet sich das passende Rad. Vom gemütlichen Hollandrad bis zum Hightech-Mountainbike reicht das Spektrum bei Tobaben. Insbesondere E-Bikes sind weiterhin auf Erfolgskurs und keine Alte-Leute-Räder mehr, sagt der Experte. Auch der Akku ist mittlerweile dezent „versteckt“. „Selbst viele junge Leute kaufen bei uns ein E-Bike“, sagt Krusewitz – weil es so schnell wie ein Mofa ist, aber wesentlich umweltfreundlicher. Tobaben wird nächstes Jahr im Harsefelder Gewerbegebiet expandieren, Krusewitz wartet nur noch auf die Baugenehmigung, dann geht es los.
Ähnliches wird auch bei Fahrrad-Hauschild in Neu Wulmstorf verzeichnet – selbst jetzt, wo es kälter wird, sagt Nadja Hauschild. Die höchste Wachstumsrate verzeichnet auch dort das E-Bike. Statt Urlaub wird in Fahrrad samt Zubehör investiert – und 2021 kommen viele neue Modelle.
Dass in diesem Jahr deutlich mehr Fahrräder gekauft wurden, bestätigt auch Torsten Hospach, Geschäftsführer vom Bike Park in Winsen. „Viele Leute haben statt eines Strandurlaubs ausgiebige Fahrradtouren gemacht“, sagt er. Und sich eigens dafür ein neues Rad gekauft. Hinzu komme, dass das Fahrradfahren allgemein einen höheren Stellenwert bekommen hat. „Viele Leute, die früher auch für kurze Strecken ins Auto gestiegen sind, steigen heute aufs Fahrrad“, weiß Hospach. Bei E-Bikes sei die Nachfrage am stärksten gestiegen.
• Die Branche ist schon länger im Aufwind. Im vergangenen Jahr erzielte sie mit Fahrrädern und vor allem dem immer beliebteren E-Bike gut 4,2 Milliarden Euro Umsatz – 34 Prozent mehr als im Vorjahr. Zudem tendierten die Verbraucher zu hochwertigeren Rädern. Der Durchschnittspreis lag 2019 über alle Vertriebskanäle bei 982 Euro und damit rund ein Drittel höher als 2018. Bundesweit arbeiten rund 280.000 Menschen in der Fahrradwirtschaft.
• Für die Fahrradbranche sind der März und April die wichtigsten Monate, vergleichbar mit dem Weihnachtsgeschäft im übrigen Handel. Die unmittelbaren Auswirkungen durch gestörte Lieferketten und geschlossene Läden während des Shutdowns seien auch in der Radbranche heftig gewesen, erklärt der Verband des Deutschen Zweiradhandels (VDZ). Die Umsatzeinbußen lagen Corona-bedingt bei 30 bis 60 Prozent. Nun sei aber überall eine Aufholjagd zu beobachten.

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