Engagiert in der Flüchtlingshilfe sowie Hospiz- und Trauerarbeit Wilfried Bolte: Ehrenamt als Bereicherung fürs Leben

os. Buchholz. Nachdem er mitbekommen hatte, wie erfüllend die ehrenamtliche Arbeit für seine Frau ist, stand für Wilfried Bolte (62) fest: „Wenn ich aufhöre zu arbeiten, suche ich mir auch ein Ehrenamt.“ Gesagt, getan: Seit der Banker im Jahr 2008 aus seinem hochrangigen Job bei der Hamburger Landesbank geschieden ist, setzt er sich in verschiedenen Projekten für die Allgemeinheit ein. Inspiriert habe ihn die Schrift „Sucht euch ein Nebenamt“ von Albert Schweitzer (s. Kasten), berichtet Bolte. Für sein Engagement wurde er im Jahr 2017 mit der Ehrennadel der Stadt Buchholz ausgezeichnet.
Sein erstes Ehrenamt trat Bolte beim ambulanten Hospizdienst an. „Ich habe erstmal die Ausbildung zum Sterbebegleiter beim Hospiz gemacht. Ich wollte genau verstehen, worum es dort geht“, erinnert sich Bolte. Bis heute ist er im Hospizdienst tätig. Vor allem mag er die klaren Gespräche mit den Menschen, die die letzten Meter ihres Lebensweges beschreiten. „Die Gespräche geben mir eine Menge, zumal ich dann auch mein eigenes Leben reflektiere“, beschreibt Bolte. Er könne jeden nur ermutigen, sich ebenfalls zu engagieren: „Das Ehrenamt ist unglaublich wichtig für die Gesellschaft.“
Das zweite Feld, auf dem sich Wilfried Bolte über die Maßen engagiert, ist die Flüchtlingsarbeit. Als Vorsitzender des Buchholzer Bündnisses für Flüchtlinge mit mehr als 100 Mitgliedern ist er seit Beginn der Krise im Jahr 2015 und bis heute ein wichtiger Ansprechpartner gleichermaßen für die Flüchtlinge und die ehrenamtlichen Betreuer. Gerade an die ersten beiden Jahre erinnert sich Bolte genau: „Das war vom Aufwand deutlich intensiver als mein Job bei der Bank, und da habe ich nicht selten 60 Stunden pro Woche gearbeitet.“ Mit viel Fleiß arbeiteten sich Bolte und seine Mitstreiter durch immer neue Bestimmungen für Asylbewerber und Flüchtlinge. Durch die Menschen, die neu nach Buchholz kamen, habe sich ihm eine neue Welt geöffnet, berichtet Bolte. Gleichzeitig habe er viel über die Arbeit in der Kreisverwaltung gelernt. „Ich war erstaunt, dass es dort zu Beginn teilweise vorsintflutlich zuging“, blickt der 62-Jährige zurück. Seine Vorstandstätigkeit im Bündnis für Flüchtlinge möchte Wilfried Bolte aufgeben. So hat er es bereits vor zwei Jahren verkündet. Ein Nachfolger ist noch nicht in Sicht. Es sei ein großes Problem, Interessenten gerade für Führungsaufgaben im Ehrenamt zu gewinnen, betont Bolte. Da die längst geplante Mitgliederversammlung wegen der Corona-Pandemie bislang nicht stattfinden konnte, macht Bolte vorerst weiter.
Im Glauben, seinen Vereinsvorsitz im Bündnis für Flüchtlinge abgeben zu können, hat Wilfried Bolte im Oktober 2019 zusätzlich den Vorsitz beim Verein „traudich“ in Buchholz übernommen. Die 14 ehrenamtlichen Helfer unterstützen die Kinder und Jugendlichen, deren Freunde oder Verwandte verstorben sind, bei ihrer Trauerarbeit. Auch hier, wie bei der Hospizarbeit, widmet sich Wilfried Bolte direkt dem Tod, „ein Thema, das von den Menschen gern beiseitegeschoben wird“. Übrigens: Weitere Kinder von sechs bis elf Jahren und Jugendliche bis 17 Jahren können bei „traudich“ aufgenommen werden. Interessenten können sich unter ( 04181-292516 oder per E-Mail an info@traudich-buchholz.de anmelden und werden benachrichtigt, sobald die Gruppensitzungen im Mehrgenerationenhaus Kaleidoskop wieder möglich sind.
Das Ehrenamt, so lautet Wilfried Boltes Fazit, ist eine große Bereicherung. Allerdings benötige man auch eine gewisse Frustrationstoleranz. Viele sind dankbar für die Hilfe, die sie von Ehrenamtlichen erhalten. Direkt äußern das aber nur wenige.

„Schafft euch ein Nebenamt“ von Albert Schweitzer

Der Arzt, Philosoph und Friedensnobelpreisträger Albert Schweitzer (1875-1965) hat zum Thema Ehrenamt geschrieben: „Schafft euch ein Nebenamt, … ein unscheinbares, vielleicht ein geheimes Nebenamt. Tut die Augen auf und sucht, wo ein Mensch oder ein gutes Werk ein bisschen Zeit, ein bisschen Teilnahme, ein bisschen Gesellschaft, ein bisschen Arbeit eines Menschen braucht.
Vielleicht ist es ein Einsamer oder ein Verbitterter oder ein Kranker oder ein Ungeschickter, dem du etwas sein kannst. Vielleicht ist es ein Greis oder ein Kind. Oder ein gutes Werk braucht Freiwillige, die einen freien Abend spenden oder Gänge tun können. Wer kann die Verwendungen alle aufzählen, die das kostbare Betriebskapital, Mensch genannt, haben kann! An ihm fehlt es an allen Ecken und Enden!
Darum sucht, ob sich nicht eine Anlage für Menschentum findet. Lass dich nicht abschrecken, wenn du warten oder experimentieren musst. Auch auf Enttäuschungen sei gefasst. Aber lass dir ein Nebenamt, in dem du dich als Mensch an Menschen ausgibst, nicht entgehen. Es ist dir eines bestimmt, wenn du es nur richtig willst (…).“

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