Er war klinisch tot Weihnachtswunder: Holger Krüger (60) überlebte einen schweren Herzinfarkt

os/nw. Buchholz. Fünfmal Kraft- und Ausdauertraining in der Woche, eine gesunde, abwechslungsreiche Ernährung. Keine Zigaretten. Wenig Alkohol. Normalgewicht und alle zwei Jahre zum Gesundheits-Checkup. Holger Krüger (60), Vermögensberater in Buchholz, führte ein Leben, wie es Ärzte empfehlen. Trotzdem bekam er Anfang August einen schweren Herzinfarkt, den er um ein Haar nicht überstanden hätte. Dass Krüger in diesem Jahr mit seiner Frau Janet (52) Weihnachten feiern kann, grenzt an ein Wunder.
Nach dem Training an einer Rudermaschine spürte Krüger eines Morgens starke Nackenschmerzen, die er auf Überanstrengung zurückführte. Als er seiner Frau in der Mittagspause berichtete, dass die Schmerzen in Richtung Brust wanderten, bestand die darauf, dass auch der Hausarzt zurate gezogen werden sollte. Kurz nach 17 Uhr machte sich Krüger aus dem Büro auf den Weg zum EKG-Termin beim Hausarzt.
Was dann passierte, weiß Holger Krüger nur aus Erzählungen anderer: Passanten sahen, wie er mit dem Handy in der Hand auf einer Grundstücksmauer saß und plötzlich rücklings in die Rabatten kippte. Im selben Moment kam der Buchholzer Rudi Kefferpütz (69) mit dem Rad vorbeigefahren. „Mensch, da liegt doch einer“, dachte er. Also: runter vom Rad und nachschauen. „Hat da jemand einen über den Durst getrunken?“, schoss es ihm durch den Kopf. Doch dann sah er das blau angelaufene Gesicht von Krüger, das Vibrieren in dessen Armen, den leeren Blick irgendwo in den Himmel. Kefferpütz holte das Handy raus, rief die 112 an. „Da plötzlich sackten die Arme des Mannes runter. Er ist wohl in dem Moment gestorben“, erinnert er sich.
Kefferpütz begann sofort mit der Herzdruckmassage: „Ich habe nicht groß nachgedacht, sondern nur noch instinktiv reagiert.“ Nach sechs Minuten traf der Rettungswagen ein. Sanitäter und Notärztin führten die Herzdruckmassage mit aller Kraft weiter. Zweimal musste der Elektroschocker eingesetzt werden, bevor Krügers Herz nach 16 Minuten Reanimation endlich wieder pumpte.
Unterdessen wartete die Ehefrau zu Hause auf ihn. Als die Sprechstundenhilfe des Hausarztes kurz vor 18 Uhr bei ihr anrief und fragte, wo der Patient bleibe, schrillten bei Janet Krüger alle Alarmglocken. Ihren Mann erreichte sie nicht. Sie rief bei der Polizei an. Die Beamten konnten ihr nicht helfen. Per Handyortung sah sie schließlich: Holger Krüger war im Buchholzer Krankenhaus. Sofort fuhr sie los. „An der Pforte konnte mir keiner sagen, was passiert war und ob er noch lebt.“ Verzweifelt sprach sie eine Krankenwagenbesatzung an, erfuhr von der Notärztin, die vor Ort gewesen war, schließlich Einzelheiten.
Währenddessen stand Dr. Werner Raut, Chefarzt der Medizinischen Klinik im Krankenhaus Buchholz, am OP-Tisch und führte einen Katheter in das Gefäßsystem von Holger Krüger ein. Was er auf dem Röntgenbildschirm sah: Die große Vorderwandarterie, die die rechte Herzkammer mit Blut versorgt, war verschlossen. Diese Blockade hatte das tödliche Kammerflimmern ausgelöst. Mit einem Ballon weitete Dr. Raut die Engstelle wieder auf und versah sie mit einem Stent, der das Gefäß künftig offen hält. Nach 40 Minuten war der Eingriff vorüber. Holger Krüger wurde auf die Intensivstation gebracht und dort auf 34 Grad heruntergekühlt. „Die Unterkühlung verhindert neurologische Schäden und schont die Gehirnfunktion“, erklärt Dr. Raut.
„Als ich Holger am nächsten Tag sah, wirkte er wie ein gefällter Baum, der zufällig das Gesicht meines Mannes hatte“, beschreibt seine Ehefrau Janet. Sie versuchte zu begreifen, was geschehen war, und schaltete auf Facebook eine Suchanzeige nach dem Ersthelfer. So fand sie Rudi Kefferpütz und rekonstruierte mit ihm gemeinsam die Geschehnisse an dem verhängnisvollen Augustnachmittag.
Holger Krüger bekam von alledem nichts mit. Er lag im Koma. Seine Erinnerung setzt erst rund zehn Tage nach dem Herz-Kreislauf-Stillstand wieder ein. „Was man ihm auch erzählte, Holger vergaß sofort alles wieder, und ich fragte mich, ob er nicht doch Gehirnschäden davongetragen hatte“, berichtet Janet Krüger.
Dass er das nicht hat, stellte Holger Krüger eindrucksvoll unter Beweis. Er erholte sich mit erstaunlicher Geschwindigkeit. Seine gute körperliche Verfassung vor dem Herzinfarkt habe dazu beigetragen, dass er so schnell und vollständig wieder gesund wurde, mutmaßen seine Ärzte. Nach zwei Wochen im Krankenhaus trat Holger Krüger eine Reha an. Schon Mitte Oktober konnte er stundenweise wieder im Büro arbeiten.
Inzwischen hat ihn Dr. Raut für gesund erklärt. Seine Worte „Sie brauchen nicht wiederzukommen“ waren für Holger Krüger das schönste Weihnachtsgeschenk.

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