Großartiges Engagement Obdachlosenhilfe auch in schweren Zeiten

(bim). Obdachlosigkeit kann jeden treffen. Wenn es nicht gerade die Hinz & Kunzt-Verkäufer sind, leben Obdachlose jedoch meist fernab der öffentlichen Wahrnehmung. Eine Initiative, die sich ihrer annimmt, ist die Bürgerinitiative zur Unterstützung von Obdachlosen und Bedürftigen in Hamburg, die der Blogger Max Bryan (45) gegründet hat. Er war selbst zwei Jahre lang obdachlos und lebt inzwischen in der Samtgemeide Hollenstedt.
„Die Gründe, warum Menschen auf der Straße leben, sind vielschichtig. Einer davon ist Altersarmut“, berichtet Max Bryan. Davon betroffen ist zum Beispiel Horst (62). Nachdem seine Frau gestorben war, wurde die Wohnungsmiete für den Rentner allein zu teuer. Ein Umzug in eine kleinere Wohnung war schwierig, weil es in Hamburg und Umgebung kaum kleine, bezahlbare Wohnungen gibt. „Er schlief unter freiem Himmel an der Hamburger Bahnhofsmission. Dort hatten wir ihn letzten Winter entdeckt und unseren beheizten Ganztages-Container angeboten. Dort lebt er heute noch und kann da auch so lange bleiben, bis er eine neue Wohnung hat“, erläutert Max Bryan.
Wichtig ist das
Snack-Tüten-Programm

Wichtig ist vor allem auch das von der Initiative organisierte Snack-Tüten-Programm. Dabei werden Tüten, gefüllt mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln sowie einer Geldspende, an Bedürftige verteilt. Unterstützt wird das Projekt u.a. von der Hamburger Tafel und von Hamburg Wasser. Rund 200 Helfer haben sich seit Juli 2019 aktiv in die Aktion eingebracht oder aus der Ferne unterstützt.
Zwei der engagierten Unterstützer sind Claudia und Jürgen Hälk (beide 64) aus Königsmoor (Samtgemeinde Tostedt). Claudia Hälk wurde von einer langjährigen Freundin auf das Projekt von Max Bryan aufmerksam gemacht. Mit Kleider- und Hygieneartikel-Spenden fuhr sie im August vergangenen Jahres erstmals zur Ausgabe am Hamburger Hauptbahnhof – und blieb dabei. Inzwischen investieren die Hälks jeweils rund 20 Stunden in der Woche in die Bedürftigenhilfe. „Mich hat das Schicksal von Obdachlosen schon immer gerührt, vor allem, wenn es kalt ist. Da ich ein sozialer Mensch bin, war es naheliegend, mich auf diese Weise zu engagieren“, sagt Claudia Hälk zu ihrer Motivation.
Zehn Helfer
verteilen die Tüten

Waren es zunächst 50 Tüten, sind es heute rund 100, die gepackt und samstags von im Schnitt zehn Helfern verteilt werden. „Da ich einen großen Wagen und vormittags Zeit habe, fahre ich einmal in der Woche zur Hamburger Tafel und hole Lebensmittel ab“, erläutert Claudia Hälk. Beim Packen der palettenweise gestifteten Lebensmittel helfen Familienmitglieder, Engagierte aus der Initiative oder Tafelmitarbeiter.
Zuhause geht es dann an die portionsweise Zubereitung der Lebensmittel zu kalten Mahlzeiten. Dafür sorgt Claudia Hälks Mann Jürgen in der heimischen Küche. Bei der Zusammenstellung und der Zubereitung muss der gelernte Koch viel improvisieren. „Man muss eben aus dem, was da ist, etwas Leckeres machen“, sagt er. So gibt es mal kleine Würstchen mit Sauce oder Hähnchenschnitzel mit Beilage. „Der Renner waren kürzlich die Salatbecher mit zwei Dressings“, erzählt Jürgen Hälk, der meist bis in die Nacht hinein brutzelt. Küche und Esszimmer sind dann mit den Snack-Portionen, die zudem in möglichst nachhaltige Becher verpackt und mit Bambusbesteck verteilt werden, belegt. Außerdem schmieren die Hälks, unterstützt von den Familienmitgliedern Lucas (15) und Max (16), jeweils 100 doppelte Stullen. „Da ist für jeden etwas dabei, auch für Vegetarier und Menschen, die kein Schweinefleisch essen“, berichtet Claudia Hälk.
Damit die Ausgabe in Hamburg reibungslos klappt, hat sie inzwischen ein System aus vorgepackten Kisten entwickelt. Die Obdachlosen erhalten dann Snack-Tüten, so lange der Vorrat reicht, und können sich anschließend an Stullen und portionierten Mahlzeiten sowie an zugekauften Spenden aus u.a. Wasser, Toast, Aufschnitt, Fischkonserven oder Schokolade bedienen. Bereit stehen weiterhin Tee, Kaffee, Kuchen und Kekse. Und am Ende der Tische gibt es bei Bedarf Kleiderspenden.
Arbeit der 
Ehrenamtlichen erschwert

Doch gerade in Zeiten von Corona und dem aktuellen Shutdown wird nicht nur das Überleben der Bedürftigen, sondern auch die Arbeit der ehrenamtlichen Helfer erschwert. „Viele der Sozialstationen sind geschlossen, und es braucht Alternativen, um sie mit Essen zu verpflegen“, erläutert Max Bryan. Die Ausgabe am Hauptbahnhof ist derzeit passé, daher erfolgt die Verteilung dezentral. „Es dürfen aktuell maximal zehn Leute aus zwei Haushalten zusammen sein. Diese Grenze ist schon erfüllt, wenn Claudia und ich die Schlafplätze anfahren“, sagt er. „Im Grunde kann jeder etwas tun“, sagt Max Bryan zur Unterstützung von Bedürftigen.

„Jeder kann mit einer kleinen Spende etwas tun“

„Wenn nur jeder Zehnte solche Snack-Tüten packt und verteilt – zum Supermarkt geht, 10 Euro ausgibt und eine Tüte mit Lebensmitteln befüllt und diese anschließend einem Obdachlosen in näherer Umgebung schenkt -, wäre ganz vielen Menschen geholfen!“
Immer benötigt werden weiterhin Hygieneartikel (auch Rasierzeug), Rucksäcke, Gürtel, Socken und Unterwäsche, wobei zu beachten ist, dass der Großteil der Bedürftigen und Obdachlosen sehr schlanke Männer sind. Gebraucht werden derzeit warme Winterkleidung (lange Unterhosen, Schals, Mützen, Handschuhe, Jacken und Pullover und alles, was wärmt) sowie Schlafsäcke und Isomatten. Lieferanschrift und weitere Infos unter www.hamburger-obdachlose.de.
Wer Geld spenden möchte, kann dies tun unter folgendem Link
Wer etwas spenden möchte, kann sich auch per E-Mail an Claudia Hälk wenden: kuckucksnest-haelk@gmx.de.

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