Hausärztin Dr. med. Beate Rothe suchte anderthalb Jahre nach Verstärkung für ihre Praxis Ärztemangel bis 2035 für Buxtehude erwartet

sla. Buxtehude. Zwischen statistischer und gefühlter Wirklichkeit gibt es mitunter gravierende Unterschiede. Wie berichtet, ist für Michael Schmitz, Geschäftsführer der Bezirksstelle der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Stade, der Versorgungsgrad mit Hausärzten im KV-Planungsbereich Buxtehude gut https://www.kreiszeitung-wochenblatt.de/buxtehude/c-politik/gefuehlt-fehlen-in-buxtehude-hausaerzte-in-der-statistik-nicht_a172400). Doch die Realität sieht häufig anders aus: überfüllte Wartezimmer, keine Aufnahme von neuen Patienten oder langes Warten auf einen Arzttermin.
Das WOCHENBLATT sprach mit der Buxtehuder Allgemeinmedizinerin Dr. med. Beate Rothe über den akuten Arztmangel, den sie bei ihrer verzweifelten Suche nach einer Verstärkung für ihre Este-Praxis selbst zu spüren bekam. Notwendig wurde diese Maßnahme, da Dr. med. Beate Schiller die gemeinsame Praxis aus privaten Gründen verlassen hatte. Schon zuvor hatte Rothe lange nach dieser Kollegin suchen müssen. Gemeinsam haben die beiden Ärztinnen dann vor einigen Jahren in einen Neubau mit moderner Praxis in der Carl-Hermann-Richter-Straße investiert. Mit dem Weggang von Dr. Schiller stand die 60-jährige Rothe allein vor der finanziellen Investition und einer enormen Patientenkartei. Anderthalb Jahre suchte sie in der Praxisbörse der KV, im Ärzteblatt und in Zeitungen nach Verstärkung.
Letztlich war es dann die modern konzipierte Praxis, die bei der Harburger Ärztin Behiye Linda Kilic den Ausschlag gab, sich für Buxtehude zu entscheiden. Eigentlich wollte sie sich in Harburg niederlassen, nachdem sie zuvor zwei Jahre als angestellte Allgemeinmedizinerin in einer Arztpraxis in Seevetal gearbeitet hatte. Anders als im Landkreis Stade wird im Landkreis Harburg dieser Schritt mit einer Förderung von bis zu 40.000 Euro honoriert. Dennoch entschied sich Kilic letztlich auch ohne finanzielle Unterstützung für die Buxtehuder Praxis und fing im Juli 2020 als Verstärkung von Dr. med. Rothe an. „Die Entscheidung war richtig“, sagt Kilic heute. Die Atmosphäre sei sehr harmonisch und dank der Praxisräume seien Ärztinnen und Personal trotz des derzeitigen enormen Impfansturms in der Praxis unbeschadet durch die Corona-Pandemie gekommen, da man genug Platz für die Patienten habe, so Kilic, die sich neben ihrer Arbeit ehrenamtlich in gemeinnützigen Vereinen und bei der syrisch-orthodoxen Gemeinde engagiert.
Von der Arztschwemme zum Arztmangel
Als Beate Rothe als Fachärztin für Allgemeinmedizin anfing, gab es noch eine Arztschwemme. Dadurch hatten es Frauen als Ärztin nicht leicht, erinnert sich die Allgemeinmedizinerin. Ende der 90er Jahre kam der Ärztemangel. „Zusätzlich wurden noch Studienplätze um die Hälfte reduziert“, beklagt Rothe, die schon früh die Buxtehuder Politik zum Gegensteuern aufforderte – jedoch bislang ohne Erfolg. Seit 2018 ist Rothe als parteilose Ratsfrau bestrebt, das Ärztemangelproblem im Hausarztbereich in den Fokus zu rücken. „Ich musste aber erstmal lernen, wie die Arbeit im Rat läuft und wie das Parteiengeplänkel funktioniert – und dass es oft gar nicht um die Sache geht. Aber der Ärztemangel liegt mir neben den Kindergärten ganz besonders am Herzen. Bislang ist jedoch nichts Konkretes erreicht worden.“
Dabei sei der Tiefpunkt des Ärztemangels noch längst nicht erreicht, sagt Rothe. Bis 2035 gehe es weiter bergab. Ein weiterer Faktor: Der administrative Bereich werde immer komplexer und nehme schon jetzt zwei Drittel ihrer Arbeitszeit in Anspruch, so Rothe.
Unerwartete Unterstützung bekam die Este-Praxis, die auch akademische Lehrpraxis der Universität Hamburg ist, kürzlich durch Mareike Stürmer und Dr. Benjamin Handy, zwei junge Assistenzärzte. Ob sie nach der Ausbildung in Buxtehude bleiben, ist jedoch noch völlig ungewiss.

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