Helfer in der Altenpflege: Bundeswehrsoldaten im Corona-Sondereinsatz Zwei "Zivis in Tarngrün" – Hauptfeldwebel und ein Stabsgefreiter betreuen Seniorenheim-Bewohner

jd. Himmelpforten. Altenheim-Bewohnerin Edith Knüppel (95) lobt den jungen Mann, der ihr gerade eine Tasse Kaffee anreicht, in höchsten Tönen: „Er ist so hilfsbereit und freundlich – und immer zu Stelle, wenn wir etwas brauchen.“ Solche Worte hört Lucas* gern. Der 23-Jährige unterstützt seit Anfang April das Personal im Seniorenheim Klosterfeld in Himmelpforten, liest den Bewohnern vor, spielt mit ihnen Spiele oder nimmt sich Zeit, einfach nur zuzuhören. Lucas leistet in dem Heim kein Freiwilliges Soziales Jahr ab und ist auch kein Pflegefachkraft-Azubi. Er ist Bundeswehrsoldat und im Rahmen der bundesweiten Corona-Amtshilfe zum sogenannten „Pflege-Hilfseinsatz“ nach Himmelpforten abkommandiert worden. Lucas macht jetzt im Prinzip den Job, den früher Wehrdienstverweigerer erledigt haben – nur eben in Uniform: Fast könnte man ihn als „Zivi auf Zeit“ bezeichnen. 

Mit dem Ende der allgemeinen Wehrpflicht vor rund zehn Jahren wurde auch der Zivildienst abgeschafft. Die Leiterin des Seniorenheims, Margarethe Wüstefeld, bedauert das noch immer: „Ich hatte früher in meinem Beruf immer mit Zivildienstleistenden zu tun. Die waren eine große Hilfe.“ Jetzt freut sie sich, mit Lucas und einem weiteren Soldaten sozusagen zwei „Zivis in Tarngrün“ im Haus zu haben. Allerdings ist deren Einsatz zunächst nur bis Ende Mai befristet.

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Doch Wüstefeld hofft auf eine Verlängerung, ebenso wie Lucas. Der Stabsgefreite, der dem Transporthubschrauber-Regiment 10 in Faßberg bei Celle angehört, gibt unumwunden zu, sich nicht freiwillig gemeldet zu haben. Das wäre nun aber anders, so der junge Zeitsoldat, der sich auf acht Jahre verpflichtet hat: „Ich würde mich jetzt sofort zu solchen Einsätzen melden. Falls es klappen sollte, könnte ich mir gut vorstellen, noch länger in Himmelpforten zu bleiben.“

Er hätte es nie für möglich gehalten, mal in einem Altenheim zu arbeiten, meint Lucas. „Doch hier konnte ich ganz neue, durchweg positive Erfahrungen sammeln.“ Zudem sei es eine willkommene Abwechslung vom Alltagstrott, so der 23-Jährige. Und das Wichtigste für ihn: „Es ist einfach ein tolles Gefühl, von den Senioren auch so viel an Dankbarkeit zurückzubekommen.“ Von ähnlich positiven Erlebnissen berichtet Patrick*, der im Seniorenheim Waldburg in Buxtehude im Corona-Sondereinsatz ist. Der Hauptfeldwebel steht nach mehr als zwölf Jahren beim Bund kurz vor dem Ende seiner Soldatenlaufbahn und strebt einen zivilen Job als Berufsfeuerwehrmann an. Dass er jetzt quasi als „Feuerwehrkraft“ in einem Pflegeheim einspringt, ist auch für den 33-Jährigen eine ganz neue Erfahrung – die er aber nicht missen möchte.

„Ich denke, das ist das Sinnvollste, was ich in meiner bisherigen Dienstzeit gemacht habe“, sagt der Soldat, der auch schon drei Auslandseinsätze im Kosovo und in Mali hinter sich hat. Im Heim kümmere er sich um alle möglichen Dinge, um so das Stammpersonal zu entlasten. Dabei gehe es manchmal nur um ganz banale Dinge wie das Abräumen des Geschirrs. Am meisten Freude bereite natürlich der persönliche Kontakt zu den Bewohnern.

Als Hauptfeldwebel bekleidet Patrick einen der höchsten Unteroffiziers-Dienstgrade und erteilt in diesem Rang selbst Befehle. Bei seinem zivilen Dienst im Pflegeheim habe er aber keinerlei Probleme damit, Anweisungen zu erhalten und sich unterzuordnen. Er sei ein guter Teamplayer, betont der Zeitsoldat. Beide Soldaten sind sich einig: Sie seien vom Personal bestens aufgenommen worden und würden „voll akzeptiert“ werden.

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„Diese Soldaten sind einfach ein Geschenk für uns“, bringt es Heimleiterin Margarethe Wüstefeld auf den Punkt. Bewohnerin Edith Knüppel sieht es genauso. Sie freut sich gemeinsam mit Else Uhlendorf (90), die ebenfalls im Seniorenheim Klosterfeld lebt, auf den wöchentlichen Bingo-Nachmittag mit Lucas.
Zu gewinnen gibt es auch Pflegeartikel wie etwa Lippenstifte. Das seien in letzter Zeit besonders beliebte Bingo-Preise, so Wüstefeld: Ihr sei aufgefallen, dass die Damen wieder häufiger etwas Lippenstift oder Schminke auftragen, seitdem sich zwei junge Männer in Uniform im Haus aufhalten.

* Anm. d. Red.: Beide Soldaten möchten nur mit Vornamen genannt werden. Der Grund dafür ist, dass Bundeswehrangehörige im Zusammenhang mit der Berichterstattung über ihre „Corona-Einsätze“ in den sozialen Medien schon häufiger angefeindet wurden.

Einsatz im Rahmen der Amtshilfe
Besondere Zeiten verlangen besondere Maßnahmen: Derzeit sind deutschlandweit rund 15.000 Bundeswehrsoldaten im Zuge der Amtshilfe im Einsatz, um die Behörden beim Kampf gegen Corona in den verschiedensten Bereichen zu unterstützen. Davon üben 190 Soldaten Betreuungstätigkeiten in Rahmen von Pflege-Hilfseinsätzen aus.

Von den zwölf Soldaten, die aktuell in sechs Seniorenheimen im Landkreis Stade eingesetzt sind, üben acht Aufgaben im Betreuungsbereich aus. Vier nehmen Corona-Schnelltests vor.

Bindeglied zwischen den zivilen Behörden und den militärischen Dienststellen ist bei solchen Amtshilfe-Einsätzen das Kreisverbindungskommando, deren Leiter im Landkreis Stade Oberstleutnant Arne Wriedt ist.

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