Krankenhäuser in den Landkreisen Harburg und Stade können kurzfristig reagieren Mehr Corona-Kranke: Kliniken sind vorbereitet

(os/jd). „Eigentlich machen wir ja den ganzen Tag nichts anderes, als vorbereitet zu sein – wenn wir nur wüssten, was kommt!“ Mit diesen Worten bringt Dr. Christian Pott, Ärztlicher Direktor des Krankenhauses Buchholz, die Situation auf den Punkt, vor der wohl alle Verantwortlichen in den Krankenhäusern in ganz Deutschland stehen. Angesichts einer drohenden zweiten Corona-Welle bereiten sich Ärzte und Pflegepersonal auf alle Eventualitäten vor, ohne den weiteren Verlauf der Pandemie genau zu kennen.
„Wir sind in der Lage, kurzfristig zu reagieren“, betont Dr. Pott. Die Maßnahmen würden vor allem in einer erneuten Beschränkung von Besuchern und in dem Ausladen von Patienten bestehen, deren OP nicht äußerst dringlich ist. „Beides ist für die Betroffenen natürlich sehr kritisch, es ist aber aus dem ersten Lockdown bekannt“, erklärt Christian Pott.
Das Verschieben planbarer Operationen wäre auch bei den Elbe Kliniken in Stade und Buxtehude eine der ersten Maßnahmen, wenn die Zahl der COVID-19-Patienten sprunghaft ansteigen würde. Man befinde sich stets in „Alarmbereitschaft“, so Klinik-Pressesprecher Daniel Hajduk. An den Elbe Kliniken wird laut Hajduk mit mehrstufigen Einsatz- und Notfallplänen gearbeitet, um kurzfristig reagieren zu können, falls sich die Pandemie-Situation verschärft. „Darüber hinaus verfügen wir über weitere medizinische Ausstattung, welche noch zusätzlich in nur wenigen Tagen vollständig einsatzbereit ist.“
Eine Erhöhung der Bettenkapazitäten angesichts der zweiten Corona-Welle ist bei den Elbe Kliniken aber noch nicht nötig. „Derzeit wird bei uns die landesweit vorgegebene prozentuale Anzahl an Betten – vier Prozent auf den ‚Normalstationen‘ und zehn Prozent auf den Intensivstationen – für COVID-19-Patienten freigehalten“, so Hajduk.
Auch in den Krankenhäusern in Buchholz und Winsen gibt es eine solche „Corona-Reserve“. Nach Angaben von Pott standen die ganze Zeit über fünf bis zehn Infektionsbetten bereit. Zudem sei man in der Lage, innerhalb weniger Tage – unter Inkaufnahme deutlicher Belastungen für geplante Patientenbesuche – mindestens weitere 20 Betten bereitzustellen. Auf der Intensivstation bestehe stets eine Reserve von mindestens zwei Betten mit Beatmungsmöglichkeit, die bei Bedarf kurzfristig auf mehr als zehn erhöht werden könne.
Dr. Pott macht aber auf ein großes Problem aufmerksam, das an vielen Krankenhäusern besteht: Die Schwierigkeit liege nicht in der Bereitstellung von Betten, Beatmungsplätzen oder intensivmedizinischen Gerätschaften, sondern darin, ausreichend qualifiziertes Personal zur Verfügung zu haben.
In den Krankenhäusern Winsen und Buchholz werden seit rund sechs Wochen immer einzelne Corona-Patienten behandelt. Derzeit sind es vier, von denen keiner beatmet werden muss. In Winsen würden derzeit unter 45-Jährige behandelt, in Buchholz über 70-Jährige. „Das wechselt aber ständig“, berichtet Dr. Pott.
Bei den Elbe Kliniken befanden sich zwischen Anfang März und Ende September 38 COVID-19-Patienten in stationärer Behandlung, davon lagen fünf auf der Intensivstation. Laut Hajduk waren die Patienten „mit sehr wenigen Ausnahmen“ zwischen 50 und 70 Jahre alt oder teilweise noch älter und hatten eine oder mehrere Vorerkrankungen. Derzeit werde an den Elbe Kliniken eine an COVID-19 erkrankte Person intensivmedizinisch behandelt.
Was jetzt noch auf die Krankenhäuser zukommt, kann niemand vorhersagen. Der starke Anstieg der Corona-Zahlen in den vergangenen Tagen lässt aber befürchten, dass in den kommenden Wochen wieder mehr Patienten stationär behandelt werden. „Die Herbst- und Winterzeit wird uns noch auf eine harte Probe stellen, wofür seitens der Politik jetzt die geeigneten und angemessenen Maßnahmen getroffen werden müssen“, sagt Hajduk.
Was nicht wieder passieren dürfe, sei das pauschale Herunterfahren der Krankenhauskapazitäten zulasten anderer schwerkranker Patienten. Bei der Beurteilung der politischen Entscheidungen im Rückblick müsse man aber fair sein, denn auch in der Politik habe niemand auf Erfahrungswerte zurückgreifen können. „In der Zwischenzeit haben alle Beteiligten hoffentlich ihre Lehren daraus gezogen.“

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