Last-Minute-Geschenke für einen guten Zweck – Sondergenehmigung zum Lockdown Verkäufer 603 hält die Stellung in Buxtehude

sla. Buxtehude. Trotz Weihnachts-Lockdown darf Torsten Kampf weiterhin die aktuelle Hinz&Kunzt-Ausgabe und Last-Minute-Geschenke wie Foto-Kalender, Sonderhefte, etwa für St.-Pauli-Fans oder für alle, die einen oder auch keinen Garten haben, sowie Kochbücher mit Rezepten von bekannten Köchen wie Tim Mälzer vor Marktkauf in Buxtehude verkaufen. Jedes Heft muss der Hinz&Kunzt-Verkäufer vorfinanzieren, für das monatliche Straßenmagazin etwa zahlt er 1,10 Euro, das im Verkauf 2,20 Euro kostet. „Dadurch erwirtschafte ich je nach Monat ungefähr 200 Euro“, sagt der Verkäufer mit der Nummer 603: „Meine Nummer, die ich bis in den Tod behalte.“
Früher war der 60-Jährige obdachlos. Sein Weg dorthin verlief nahezu klassisch. Einst Maler und Lackierer gelernt und durch einen angeborenen Hüftfehler gehbehindert, war er bei der Arbeit stets eingeschränkt, machte Gelegenheitsjobs, war zuletzt Hausmeister in einem Hotel, bis er nach einem Schlüsselbeinbruch auch diesen Job verlor. Ohne Arbeit konnte er die Miete nicht mehr zahlen. „Außerdem habe ich kräftig gesoffen“, gesteht er. Seine Wohnung wurde ihm gekündigt, er landete auf der Straße, schlug sich als Penner durchs Leben. 1994 suchte er Unterschlupf in einer Hamburger Wohnunterkunft für Obdachlose und wurde schließlich Verkäufer von Hinz&Kunzt. Erst ein Jahr zuvor, am 6. November 1993, war das Straßenmagazin gegründet worden, um Obdachlosen Halt zu geben.
Vor eineinhalb Jahren schaffte er es zu einem Teilzeitjob, füllte für eine Firma Getränkeautomaten auf. Doch ein kaputtes Sprunggelenk und ein leichter Schlaganfall zwangen ihn, die Festanstellung wieder aufzugeben. Im März konnte er als Hinz&Kunzt-Verkäufer 603 an seinen alten Platz vor den Marktkauf-Rolltreppen zurückkehren. „Ein absoluter Glücksfall für mich“, sagt Kampf. Doch gleich danach kam der erste Lockdown, in dem er seine Zeitungen nicht mehr verkaufen durfte. Beim derzeitigen Weihnachts-Lockdown ist es anders. Diesmal gibt es eine behördliche Sondergenehmigung für den Verkauf – und damit für so manchen eine gute Gelegenheit, hier noch ein Last-Minute-Geschenk zu finden.

Mehr Aktuelle Nachrichten aus Buxtehude und der Region

Menü