Matze ist ein Herdenschutzhund-Mischling Wer gibt Problem-Schmusebär ein Zuhause?

tk. Buxtehude. Keine Frage: Matze ist das, was man einen Problemhund nennen könnte. Das ist der Grund dafür, dass der mittlerweile zehnjährige Maremmano-Mischling noch immer in der Obhut des Tierschutzvereins Buxtehude lebt. Auch der jüngste Versuch im WOCHENBLATT, den Herdenschutzhund aus Rumänien als „Tier der Woche“ zu vermitteln, schlug fehl. Bleibt der Hunde-Oldie ohne neues Zuhause? WOCHENBLATT-Redaktionsleiter Tom Kreib hat Matze besucht. Wie problematisch ist es, einen Problemhund zu vermitteln, wollte er wissen, und: Was ist Matze eigentlich für ein Typ?

Christina Mallwitz arbeitet als Ehrenamtliche beim Tierschutzverein Buxtehude und sagt ganz offen: „Bei so vielen Baustellen ist es unendlich schwer, einen Hund zu vermitteln.“ Die Hundefreundin fügt aber hinzu: „Bei gegenseitigem Vertrauen und Hundeerfahrung ist Matze ein Schmusebär.“

Als zehnjähriger Vierbeiner ist der Mischling bereits ein Senior. „Welpen und Junghunde können viel leichter vermittelt werden“, so Mallwitz. Problem Nummer zwei: Matze ist ein Herdenschutzhund und genauso benimmt er sich auch. Wer nicht zur Herde bzw. dem Rudel gehört, wird attackiert. Aber: Sowie er einen Menschen als Teil des Rudels akzeptiert, ist alles gut.

Drittens: Matze, dessen Vorgeschichte weitgehend unbekannt ist, muss mit Zweibeinern schlechte Erfahrungen gemacht haben. Ein Indiz: Die abgenagten Zähne lassen auf Haltung an der Kette oder in einem sehr engen Zwinger schließen. Der Hunde wollte sich sozusagen in die Freiheit durchbeißen. Und schließlich: Matze hat Arthrose. „Er macht aber noch sehr gerne Spaziergänge“, erklärt Christina Mallwitz.
Sie holt den Vierbeiner aus dem Zwinger und legt ihm den Maulkorb an. Skeptischer Blick und ganz leises Grummeln beim Anblick des Besuchers. „Ohne Maulkorb sollte man mit Matze nicht rausgehen“, sagt die Betreuerin. Beim kurzen Gang zeigt sich: Matze zieht weder an der Leine, noch geifert er alles und jeden an. „Autofahren findet er prima und schläft sofort ein“, ergänzt sie. Beim Anblick von Hund und Mensch vor ihm grummelt er vor sich hin. „Wenn die Chemie stimmt, tobt er auch gerne mit anderen Hunden“, sagt Christina Mallwitz. Das bezieht sich auch auf die Zweibeiner. Matzes Verhalten spiegelt, wie ihn der Mensch findet. Nach dem Gang hat der plüschige Geselle den Besucher soweit akzeptiert, dass es kein Gegrummel mehr gibt. Und dann zeigt sich, dass der „Problemhund“ auch ein Schmusebär ist. Nach einigen Minuten kommt er angetrottet, um sich ausgiebig plüschen zu lassen. Der Maulkorb blieb beim ersten Mal noch auf, sollte ich Matze wieder mal besuchen, kann der vermutlich weg. 

Für mich steht nach diesem Treffen fest: Wer Hundeerfahrung hat, sich kompetent auf die Eigenarten eines Herdenschutzhundes einlässt und sich genug Zeit lässt, um das Kennenlernen mit den Betreuerinnen vom Tierschutzverein gemeinsam zu absolvieren, kann Matze für seine letzten Lebensjahre ein schönes Zuhause bieten. Neue Besitzer müssen nicht befürchten, vom eigenen Hund angefallen zu werden. Dass er rudelfremde Menschen beim ersten Aufeinandertreffen ablehnt, wird natürlich bleiben, denn dafür wurden Herdenschutzhunde gezüchtet. Meine Vermutung: Der Mischling wäre ein großer Fan von gemütlichen Abenden auf dem Sofa mit vielen Krauleinheiten.
• Wer sich für Matze interessiert: Kontakt unter ( 0162 7920445 und www.tierschutzverein-buxtehude.de.

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