Mit elf Jahren kam Alaa aus dem Krieg in Aleppo in die Samtgemeinde Apensen Von Syrien nach Sauensiek

sla. Sauensiek. Corona hat manche Themen völlig verdrängt – wie etwa die Problematik der Kinder in den griechischen Flüchtlingslagern, die abgeschottet und hinter Stacheldraht warten, tausende von ihnen getrennt von ihren Eltern. Die europäischen Staaten tun sich schwer, die Kinder aus ihrem Elend zu befreien. Auch ein Antrag der Fraktionen von Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke, um Schutzbedürftige aus griechischen Flüchtlingslagern oder von der türkischen Grenze aufzunehmen, wurde aktuell von der Mehrheit der Abgeordneten im Stader Kreistag mit 26 Nein-Stimmen gegen 23 Ja-Stimmen und zwei Enthaltungen abgelehnt.
„Ich werde wirklich wütend, wenn ich das Elend der Flüchtlingskinder in den Nachrichten sehe“, sagt Bruno Sick, der mit seiner Ehefrau Heike zwei Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen hat. Alaa war elf Jahre alt, als er zusammen mit seinem Bruder Ibrahim (22) aus dem völlig zerbombten Aleppo floh. Nach einer abenteuerlichen Flucht über ein Auffanglager in St. Andreasberg (Harz) kamen die Brüder nach Apensen.
Die Gemeinde suchte 2016 für insgesamt 150 Flüchtlinge Unterkünfte in Familien. Bruno und Heike Sick nahmen die beiden Brüder in ihrem Haus in Sauensiek auf. „Damit zog die Sonne Syriens bei uns ein“, sagt Bruno Sick heute. Er kümmerte sich um Aufenthaltsrechte, Beschulung und psychologische Betreuung der Brüder. Dennoch war damals noch völlig ungewiss, ob Alaa die Aufenthaltsgenehmigung erhält und ob der von Sick beantragte Zuzug der Eltern aus Syrien überhaupt klappt. Eine schreckliche Situation für alle in der Weihnachtszeit“, erinnert er sich.
Sick übernahm schließlich die Vormundschaft für Alaa, und als sich beim beantragten Zuzug nichts tat, schrieb der ehemalige Schutzmann sogar an Bundeskanzlerin Merkel. Er erhielt sogar Antwort von einem ihrer Mitarbeiter und kurz darauf kam eine Nachricht aus Syrien. Bruno Sick besorgte die nötigen Papiere und Flugtickets und Ende 2017 konnten die Eltern nach Deutschland kommen. Heute lebt die Familie in Buxtehude.
„Bruno und Heike sind wie Opa und Oma für uns“, sagt der mittlerweile 15-jährige Alaa. Er macht momentan seinen Schulabschluss in Apensen und anschließend eine Ausbildung zum Tischler. Sein Bruder wohnt in Buxtehude und arbeitet bei einer Treppenbaufirma.
„Ich überlege immer, ob ich mich mit Alaa mal bei einer Talk-Show bewerbe, um auf die Flüchtlingsproblematik aufmerksam zu machen“, sagt Sick. Seit vielen Jahren engagiert sich der Sauensieker bei den „mitMenschen“ in Apensen, einer Bürgerinitiative für Asylbewerber, sowie mittlerweile auch bei den Buxtehuder Stadtteileltern, um Menschen aus anderen Herkunftsländern zu helfen.

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