Neueste Entwicklungen beim LPT Mienenbüttel Tierqual-Stätte soll dem Tierschutz dienen

bim. Mienenbüttel. Tierfreundlich und transparent – so geben sich aktuell die Verantwortlichen des „Laboratory of Pharmacology and Toxicology“ (LPT). Vor einem Jahr hatte die „Soko Tierschutz“ Missstände und Tierquälereien an Affen, Hunden und Katzen, die ein verdeckter Ermittler im LPT-Labor in Mienenbüttel festgestellt und gefilmt hatte, öffentlich gemacht. Das brachte das Labor weltweit in die Schlagzeilen und endlich auch die Politik auf den Plan, über Alternativen zu Tierversuchen zu diskutieren. Die will das LPT nun auch selbst am Standort Mienenbüttel erforschen
Wie berichtet, hagelte es nach den Tierqual-Bildern Anzeigen wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz, und es gab sogar Betrugsvorwürfe ehemaliger Mitarbeiter. Bereits davor war es Unternehmensphilosophie, Presseanfragen weitgehend unbeantwortet zu lassen und der örtlichen Politik – allen voran Neu Wulmstorfs Bürgermeister Wolf-Egbert Rosenzweig – den Zutritt zu verweigern. Eine WOCHENBLATT-Anfrage zur aktuellen Situation an den LPT-Standorten in Mienenbüttel und Hamburg-Neugraben wurde relativ zügig beantwortet. Das sind die Aussagen:
WOCHENBLATT: Zum LPT-Standort in Hamburg-Neugraben: Werden dort bereits wieder Tierversuche vorgenommen bzw. ab wann sind dort wieder Tierversuche geplant?
LPT-Presse-Team: In Neugraben läuft der Betrieb bereits seit einigen Wochen mit Testungen an Zellkulturen und anderen Alternativmethoden. Hier werden auch „Tierversuche“ im Sinne des Paragrafen 7 Tierschutzgesetz durchgeführt, aber es ist keine genehmigungspflichtige Forschung, sondern Testung. Es sind Vorhaben, die durch Gesetz, Rechtsverordnung oder durch das Arzneibuch oder durch einen unmittelbar anwendbaren Rechtsakt eines Organs der Europäischen Gemeinschaft vorgeschrieben sind.
WOCHENBLATT: An welchen Tieren sollen welche Dinge (Medizin, Kosmetika, Chemikalien etc.) untersucht werden?
LPT-Presse-Team: Testungen für Kosmetika sind seit Inkrafttreten des Tierschutzgesetzes von 1985 grundsätzlich verboten und werden von LPT nicht durchgeführt. Für die Zulassung von chemischen oder pharmazeutischen Stoffen und in der Chargenkontrolle von Medikamenten sind die Testverfahren von staatlichen Stellen vorgegeben. LPT bietet über ein Dutzend von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) anerkannte alternative Testverfahren ohne lebende Tiere an.
Andere Tests verlangen die Prüfung an Ratten oder Mäusen. LPT führt diese Tests nach Vorgabe der Zulassungsbehörden durch und hat keine Entscheidungsfreiheit, mit welcher Art oder mit wie vielen Tieren jeweils gearbeitet wird.
LPT arbeitet für die Arzneimittelsicherheit, dazu gehört auch die für Nierenkranke überlebensnotwendige Dialyse (Blutwäsche). LPT testet regelmäßig das für diese Patienten meist zusätzlich erforderliche blutbildende Medikament EPO (Erythropoetin) auf toxikologische Unbedenklichkeit.
WOCHENBLATT: Zum LPT-Standort Mienenbüttel: Es heißt, das Tierversuchslabor Mienenbüttel soll an eine „Einrichtung“ abgegeben werden, die sich mit der Entwicklung von Alternativen zu Tierversuchen und Tierschutz beschäftigt.
LPT-Presse-Team: Für den LPT-Standort Mienenbüttel ist eine Anschlussverwendung vorgesehen, die dem Tierschutz dienen wird. Es gibt dazu Überlegungen, den Betriebsteil einer Einrichtung zu überlassen, die sich für praktischen Tierschutz und das Wohlergehen von Tieren einsetzt sowie der Erforschung von alternativen Testmethoden für tierversuchsfreie Testung. Damit möchte LPT ein Zeichen für Tierschutz und gegen falsch verstandenen Tierschutz-Aktivismus setzen. Ein Protest gegen Tierversuche trotz rechtlicher, wissenschaftlicher und ethischer Unbedenklichkeit und der Einhaltung der Tierschutzstandards mit dem Ziel eines generellen Verbots von Tierversuchen führt nicht zu einer Minderung von Tierleid. Es führt zu einer Verlagerung der Testung in das Ausland.
• Was die Klage des LPT gegen den Landkreis Harburg wegen des Entzugs der Betriebserlaubnis angeht, gebe es noch keinen Termin für eine mündliche Verhandlung, teilt die Pressestelle des Verwaltungsgerichts Lüneburg mit.
• Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Stade, u.a. bezüglich der Tierschutzverstöße, dauern an. Wie berichtet, hatte der Landkreis Harburg dem Labor im Januar für den Standort in Mienenbüttel wegen Unzuverlässigkeit der Verantwortlichen die Betriebserlaubnis entzogen. Hamburg zog im Februar 2020 nach. Die damals zuständige Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz widerrief die tierschutzrechtliche Haltungs- und Versuchserlaubnis für den Standort Hamburg-Neugraben. Nachdem das LPT u.a. einen neuen Geschäftsführer, einen neuen Tierschutzbeauftragten und neue Tierversuchsleiter bestellt hatte, entschied das Oberverwaltungsgericht Hamburg Mitte Juli, die aufschiebende Wirkung der Widersprüche des Unternehmens entgegen der behördlichen Entscheidungen wiederherzustellen und den Betrieb am Standort Hamburg so grundsätzlich wieder zu erlauben. Neue „Köpfe“ eingestellt In dieser Woche stellte sich der neue LPT-Geschäftsführer Thomas Wiedermann bei Neu Wulmstorfs Bürgermeister Wolf-Egbert Rosenzweig vor. Rosenzweig wies im Gespräch auf das Interesse der Gemeinde am Kauf des LPT-Geländes als Reserve für Gewerbegebietserweiterungen hin. Das habe Wiedermann zur Kenntnis genommen, berichtet Rosenzweig. Um das Gelände für Gewerbeansiedlungen zu nutzen, müsste der Flächennutzungsplan geändert werden, da das Gebiet bislang als „Sondergebiet Tierversuchsanstalt“ ausgewiesen ist. Ein solches Verfahren könne – je nach Ausgang der politischen Beratungen – ein Jahr und länger dauern. Antrittsbesuch bei der Gemeinde Die „Soko Tierschutz“ warnt angesichts der LPT-Ankündigungen vor Euphorie. Die Tierschützer befürchten einen Trick. „Dass das LPT mitgeteilt hat, dass man das Tierversuchslabor Mienenbüttel an eine Einrichtung abgeben möchte, die sich mit der Entwicklung von Alternativen zu Tierversuchen und Tierschutz beschäftigt, klingt stark nach Greenwashing und kann gut ein Ablenkungsmanöver sein. Denn solange nicht klar ist, wer diese ominöse Institution ist und ob die Versuche an Affen, Hunden und Katzen an anderen LPT-Standorten, wie in Löhndorf (Schleswig-Holstein) oder Hamburg-Neugraben, durchgeführt werden sollen, ist jede Euphorie fehl am Platz“, betont „Soko“-Sprecher Friedrich Mülln.
Die „Soko Tierschutz werde die Situation an allen drei Standorten genau beobachten. „Zu einer Firma, deren Geschäftsmodell seit Jahrzehnten das Leid und der Tod von Tieren ist, fehlt bei uns jedes Vertrauen in einen Sinneswandel“, so Mülln. „Soko“ befürchtet einen Trick

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