Neuigkeiten vom LPT-Standort Mienenbüttel Von der Tierqualstätte zum Tierschutzzentrum?

bim. Mienenbüttel. Ist das jetzt die Wandlung von der Tierqualstätte zu einer Tierschutzeinrichtung? Oder der Versuch, das Laboratory of Pharmacology and Toxicology (LPT) am Standort in Mienenbüttel aus den Negativ-Schlagzeilen zu bringen und als Vorzeigestandort zu etablieren, um von den Tierquälereien an den LPT-Standorten in Hamburg-Neugraben und Löhndorf (Schleswig-Holstein) abzulenken? „Auf dem ehemaligem Laborgelände entsteht ein Tierschutzzentrum“, verkündet das LPT-Presseteam in einer aktuellen Mitteilung. Ohnehin gibt sich LPT seit Amtsantritt des neuen Geschäftsführers Thomas Wiedermann offen und kommunikativ.
Das Unternehmen wolle auf die ehemalige Tierversuchsanlage in Mienenbüttel verzichten und das Gelände dem Tierschutz überlassen. Nun werde das Projekt immer konkreter. „Mehrere Tierschutzeinrichtungen aus der Region sind von sich aus auf LPT zugekommen, darunter auch ein großer Tierheimbetreiber. Es war schon überraschend, von wem wir alles angesprochen wurden“, zeigt sich LPT-Geschäftsführer Thomas Wiedermann erstaunt. „Die Wahl fiel auf zwei gemeinnützige Organisationen, die sich ausschließlich dem Wohl der Tiere widmen und nicht gemeinsam mit Tierrechtlern gegen Forschungseinrichtungen agitieren.“
Tierrechtler hatten die
Tierqualen öffentlich gemacht

Genau solche Tierrechtler waren es, die im Oktober vergangenen Jahres die Qualen von Affen, Hunden und Katzen dokumentiert und öffentlich gemacht hatten. Die Bilder, die die „Soko Tierschutz“ und „Cruelty Free International“ bei Undercover-Recherchen in der Tierversuchsanstalt gemacht hatten, gingen um die Welt. Es hagelte Anzeigen wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz. Der jetzige Sinneswandel ist „aus unserer Sicht ein einziger Versuch des Greenwashings. Es geht nur darum, Neugraben und Löhndorf zu rehabilitieren“, sagt Friedrich Mülln, Sprecher der Soko Tierschutz. Dort würden weiter Mäuse, Ratten, Kaninchen, Vögel und Fische für Tierversuche eingesetzt. „Wer weiß, wo sich ein neuer Standort für Versuche an Affen, Hunden und Katzen finden lässt“, bleibt Mülln skeptisch.
Gelände noch immer gut gesichert
Mit Umzäunung und Stacheldraht ist das Gelände der früheren Tierversuchsanstalt in Mienenbüttel noch immer gesichert. Zumindest wird die WOCHENBLATT-Fotografin diesmal nicht – wie noch vor einem Jahr – vom Sicherheitsdienst ermahnt. Die sehr gute Sicherung des 15.000 Quadratmeter großen Außengeländes komme der Aufnahme von beschlagnahmten, auffällig gewordenen Hunden zugute, teilt das LPT-Presseteam mit. Das für diese Hunde vorgesehene Resozialisierungsprogramm mit darauf spezialisierten Fachkräften solle ein Angebot für den gesamten norddeutschen Raum werden, erklärt LPT-Geschäftsführer  Wiedermann.
Die in der ehemaligen Tierversuchsanlage vorhandenen Haltungseinrichtungen für fast 200 Hunde und Katzen würden sich ohne Umbauten als Auffangstation für Fundtiere, vorzugsweise aus der Gemeinde Neu Wulmstorf, eignen. Die räumliche Trennung der Bereiche erlaube eine „hygienisch einwandfreie Einrichtung einer Quarantäne- oder Isolierstation“.
Ehemalige Laborräume für tiermedizinische Versorgung
Die ehemaligen Laborräume seien für die tiermedizinische Versorgung der Fund- und Quarantänetiere vorgesehen. Auch die Versorgung der beschlagnahmten Hunde und die Aufnahme verletzter Fundtiere sei durch Tierärzte rund um die Uhr gesichert.
Die zuständigen Behörden seien über die Planungen informiert und hätten für die Umnutzung des Geländes ihre prinzipielle Zustimmung signalisiert. „Eine endgültige Genehmigung der Nutzungsänderung steht aber noch ebenso aus wie die notarielle Änderung der Besitzverhältnisse. Beides wird sich noch im Laufe dieses Jahres ergeben. Dann werden wir das Tierschutzprojekt gemeinsam mit den zukünftigen Betreibern der Öffentlichkeit vorstellen“, kündigt Thomas Wiedermann an.
Friedrich Mülln, Sprecher der „Soko Tierschutz“, bezweifelt die hehren Absichten. „LPT will sich um jeden Preis positiv ausrichten. Es ist viel zu durchschaubar, die Taten des alten Geschäftsführers reinwaschen zu wollen. Das ist eine reine PR-Masche. Das Töten und Leiden geht weiter“, kritisiert Mülln, und weiter: „Ich freue mich für die Tiere erst, wenn die Umwandlung effektiv funktioniert hat.“ Seiner Ansicht nach wäre es das Beste gewesen, die Tierversuchseinrichtung in Mienenbüttel platt zu machen. „Solange LPT seine Finger im Spiel hat, kann man keinen Schlussstrich ziehen.“
Standort Mienenbüttel wird endgültig aufgegeben
Das bestreitet das LPT-Presseteam: „LPT hat den Standort in Mienenbüttel endgültig aufgegeben, das Betriebsgelände dort wird aus dem LPT-Betriebsvermögen ausgegliedert, die zukünftige Bewirtschaftung erfolgt nicht durch LPT. LPT hat damit keinerlei Verbindung mehr mit und zu Mienenbüttel und somit auch keinen ‚Tierschutzbonus‘ für die verbliebenen Betriebsteile, in denen mit Alternativmethoden und Kleinnagern gearbeitet wird“, teilt die Pressestelle auf WOCHENBLATT-Anfrage mit. An den beiden anderen LPT-Standorten würden Ratten und Mäuse für Tierversuche eingesetzt, und wenn es die gesetzlichen oder behördlichen Prüfvorschriften verlangten, auch Meerschweinchen und Kaninchen. „LPT arbeitet an den verbliebenen Standorten weder mit Affen noch mit Katzen und Hunden.“
Auch den „Greenwashing“-Vorwurf weist das Unternehmen harsch zurück. „Greenwashing bezieht sich auf vorgebliche Nachhaltigkeit und ist, wie Bluewashing, mit dem soziales Engagement geheuchelt wird, somit kein Vorwurf, der auf LPT zutreffen könnte. Statt falsch benutzter englischer Kampagnenphrasen könne doch ganz einfach behauptet werden, LPT meine es mit dem Tierschutz nicht ehrlich. Dann kämen aber diese Tierrechtler in die Verlegenheit, Tierschutz definieren zu müssen. Denn man kann nicht auf der einen Seite Tierrechte in aller Konsequenz fordern und die Spender und Anhänger in dem Glauben lassen, sie dürften ihre Hunde und Katzen noch mit Fleisch füttern oder überhaupt noch halten.“

Mehr Aktuelle Nachrichten aus Buxtehude und der Region

Menü