Unseriöse Schlüsseldienste gaukeln Regionalität vor So schützen Sie sich vor Schlüsseldienst-Abzocke

tk. Buxtehude. Die Kundin im Geschäft von Lenard Wölk, dem Sicherheitshaus Wölk in Buxtehude, ist sauer. Sie musste allein 89 Euro für die Anfahrt für eine Türöffnung bezahlen. Dabei sei das Unternehmen, das gut platziert im Internet wirbt, um im Notfall ruckzuck Türen auf zu bekommen, doch in Buxtehude ansässig. Zum x-ten Mal erklärt Wölk, dass diese Firmen, die sich im Netz für Türöffnungen anbieten und angeblich in Buxtehude – oder auch vielen anderen Städten und Gemeinden – vor Ort sind, eben keine lokalen Dienstleister sind. „Wütende Kunden kommen aber zu mir, weil ich mit meinem Geschäft vor Ort bin, und sie denken, dass wir für diese Abzocke verantwortlich sind“, sagt Lenard Wölk. Er hat gehört, dass für eine Nottüröffnung bis zu 2.000 Euro gefordert wurden.

„Unseriös“, schimpft der Geschäftsmann, der sich darüber ärgert, dass diese Firmen sogar mit fiktiven Buxtehuder Adressen auf ihren Homepages werben. „Die Monteure kommen dann aber von irgendwoher“, sagt er. Seine Kunden würden für die Türöffnung nur das bezahlen, was Abzocker allein für die Anfahrt nehmen. Was Lenard Wölk dabei grundsätzlich ärgert: Bei der Google-Suche würden diese Unternehmen immer oben platziert – obwohl sie mit falschen Angaben locken. 

Wer sich aussperrt,
steht unter Stress

Ein Blick ins Netz zeigt: Einige der angeblich in oder um Buxtehude ansässigen Schlüsseldienste haben auf ihrer Seite nicht einmal ein Impressum. Wo der Firmensitz tatsächlich ist – ein dickes Fragezeichen. Wer vor einer verschlossenen Tür steht, aber dringend in Haus oder Wohnung muss, steht unter Stress. Wer sich die ein oder andere Seite etwas genauer anschaut, bemerkt allerdings sofort: Hier kann etwas nicht stimmen. Ein Schlüsseldienst wirbt mit Einsatzgebieten in Fehta statt in Vechta oder in Payne statt Peine. Da sollten alle Alarmglocken angehen!

Bei der Verbraucherzentrale Niedersachsen (VZN) ist das Problem mit der Schlüsseldienstabzocke bestens bekannt. „Die Fälle sind deutlich zurückgegangen und nehmen jetzt offenbar wieder zu“, sagt Tiana Preuschoff, Juristin bei der VZN in Hannover. Der Grund für die Abnahme: Stellvertretend für die Verbraucherschützer in Deutschland hatte die Verbraucherzentrale Brandenburg eine Einigung mit Google erzielt. Die Schlüsseldienste mit „AAA“ in ihrem Namen, die oben auf der Google-Trefferliste standen, wurden rausgeworfen.  „Das war ein schöner Erfolg“, sagt Tiana Preuschoff.

Google reagiert nicht
auf Beschwerden

Doch die Abzocker unter den Schlüsseldiensten lernen schnell dazu. So wie in Buxtehude, wo Lenard Wölk zwei angeblich ortsansässige Firmen sogar mit Postanschrift ausgemacht hat, gaukeln die Unternehmen Regionalität vor. „An der Adresse gibt es gar nichts oder nur einen Briefkasten“, sagt die VZN-Rechtsexpertin.
Das macht es für geprellte Kunden fast unmöglich, sich rechtlich gegen horrende Rechnungen zu wehren. „Es gibt niemanden, an den sich die Verbraucher wenden können“, beschreibt die Rechtsanwältin das Dilemma. 
Dem Datenriesen Google sind die Beschwerden Einzelner über diese Abzocke offenbar gleichgültig. Lenard Wölk hat das Unternehmen darauf hingewiesen, dass die bei der Suchmaschine gelisteten und angeblich in Buxtehude ansässigen Unternehmen dort nicht existieren. Antwort von Google: Aufgrund des Coronavirus setze Google derzeit weniger Mitarbeiter ein, um die Gesundheit der Supportexperten zu schützen. Daher könne es etwas länger dauern, bis ein Mitarbeiter Zeit habe. Bis es vielleicht mal soweit ist und jemand Zeit hat, dürften die Abzocker viele Zehntausend Euro Beute gemacht haben.

Vor Abzocke schützen

(tk). Wer sich aussperrt, steht unter Mega-Stress. Tiana Preuschoff, Rechtsexpertin der Verbraucherzentrale Niedersachsen rät daher: „Bereiten Sie sich auf diese Situation vor.“ Sprich: Recherchieren, welche Schlüsseidienste tatsächlich vor Ort sind und was eine Türöffnung kostet. „Wir haben dafür sogar Vordrucke, die unter die Fußmatte gelegt werden können.“

Misstrauen sei auf jeden Fall angesagt, wenn trotz der auf der Homepage angekündigten kurzen Anfahrtszeit der Kunde ewig warten müsse. Das sei ein klares Indiz dafür, dass der Monteur von sonstwo herkomme.
Extrem wichtig: „Fahren Sie nicht mit dem Schlüsseldienst zum Geldautomaten, um den hohen geforderten Betrag zu bezahlen“, sagt Tiana Preuschoff  Wenn die Summe weit über das hinausgehe, was am Telefon vereinbart worden sei, nur diesen Betrag bezahlen. Wenn der Schlüsseldienst anfängt, massiven Druck aufzubauen, die Polizei anrufen, rät die Anwältin.
 
Und Lenard Wölk rät zudem: „Nie vorher etwas unterschreiben.“ Kunden hätten ihm berichtet, dass sie vor der Türöffnung ein Formular abzeichnen mussten, auf dem weder die Summe noch die tatsächliche Dienstleistung angegeben waren. Und dann ist meist alles zu spät.

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