US-Autor freut sich über die Auszeichnung Jugendliteraturpreis "Bullen"-Sieger Alan Gratz kommt persönlich angereist

nw/tk. Buxtehude. „Das ist enorm, das ist ja unglaublich!“ Der US-amerikanische Schriftsteller Alan Gratz jubelt am Dienstagabend ins Telefon. Die Leiterin des Jugendliteraturpreises „Buxtehuder Bulle“, Ulrike Mensching, hat den in North Carolina lebenden Autoren gerade angerufen, um zum Sieg des 50. Buxtehuder Bullen zu gratulieren.

Damit steht fest: Alan Gratz hat den Jubiläums-Siegertitel geschrieben: „Vor uns das Meer. Drei Jugendliche, drei Jahrzehnte, eine Hoffnung“ (übersetzt von Meritxell Janina Piel, erschienen im Hanser Verlag) beschert Alan Gratz den mit 5.000 Euro und einer Stahlplastik in Form eines Bullen dotierten Jugendliteraturpreis – die 1971 vom Buxtehuder Buchhändler Winfried Ziemann ins Leben gerufene Auszeichnung. Ermittelt hatte den Siegertitel – wie es seit 50 Jahren Tradition ist – eine aus elf jugendlichen und elf erwachsenen Lesern bestehende Laien-Jury. Ähnlich wie beim Eurovision Song Contest vergeben die Jurorinnen und Juroren Punkte. Wie knapp die Entscheidung in diesem Jahr ausgefallen war, konnten rund 40 geladene Gäste im Deck 2 der Malerschule am Buxtehuder Hafen verfolgen.

Die Auswertung der Jurybewertungen wurde per Video eingespielt: In einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem Favoriten der Jugendlichen, „Falling Skye“ (Coppenrath) von der deutschen Autorin Lina Frisch, setzte sich der Favorit der Erwachsenen knapp durch. Das Buch – der bereits zum zweiten Mal nominierten Kerry Drewery – „Der Papierkranich“ (Arctis Verlag) landete punktgleich auf Platz zwei. Eine Jury-Begründung gibt es traditionell nicht.

Darum geht es im Siegertitel: Josef ist elf Jahre alt, als er 1939 mit seiner Familie aus Deutschland vor den Nazis fliehen muss. Isabel lebt im Jahr 1994 in Kuba und leidet Hunger – auch sie begibt sich auf eine gefährliche Reise in das verheißungsvolle Amerika. Und der zwölfjährige Mahmoud verlässt im Jahr 2015 seine zerstörte Heimatstadt Aleppo, um in Deutschland neu anzufangen. Alan Gratz verwebt geschickt und ungemein spannend die Geschichten und Schicksale dreier Kinder aus unterschiedlichen Zeiten. Er erzählt unsentimental und gerade dadurch ergreifend, so Ulrike Mensching.

„Flucht, Heimatlosigkeit und die Suche nach dem eigenen Ich – das sind bereits seit ein paar Jahren immer wieder Themen nominierter Titel. Ein Thema aktueller denn je“, sagt Ulrike Mensching.
Auf eines können sich die Buxtehuder und alle „Bullen“-Fans freuen: Der 1972 in Knoxville, Tennesse, geborene Gratz versprach: Ganz sicher werde er den Preis persönlich in Buxtehude abholen. Wann dies der Fall sein wird, entscheidet sich in den kommenden Wochen.

Alan Gratz gewinnt den Buxtehuder Bullen

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