Was bedeutet Building Information Modelling? In Buxtehude wird die Zukunft des Bauens erforscht

tk. Buxtehude. Über Digitalisierung wird viel diskutiert. In Zeiten der Pandemie vor allem im Bildungsbereich. Doch auch das Planen und Bauen steht vor einer großen digitalen Umwälzung. Und in Buxtehude wird an diesem Weg in die Zukunft an der Hochschule 21 (HS 21) mitgearbeitet. Die drei Buchstaben BIM (Building Information Modeling) stehen für eine komplett vernetzte Form des Arbeitens an Bauwerken. Prof. Dr.-Ing. Uwe Pfeiffer und Charlotte Siedenburg betreuen das BIM-Forschungsprojekt an der HS 21. Wer mit ihnen redet, merkt: Sie brennen für das, was sich hinter den drei Buchstaben verbirgt.

„Beim Planen und Bauen kommen große Veränderungen auf alle zu“, sagt Uwe Pfeiffer. Vereinfacht ausgedrückt, geht es beim Building Information Modeling darum, dass ein Modell eines Gebäudes nicht nur dreidimensional vorhanden ist, sondern für jedes noch so kleine Detail in diesem Computermodell die Informationen hinterlegt sind. Charlotte Siedenburg nennt das „Infos anheften“. Das können grundsätzliche Fragen der Konstruktion sein – etwa der Verlauf tragender Teile, die zum Beispiel nicht durch Versorgungsleitungen unterbrochen werden können -, bis hin zur Frage, wie viel Energie ein x-beliebiger Raum verbraucht. Jeder einzelne Fachplaner hat Zugriff auf Modell und Daten und füttert das System mit den Dingen, die in seinem Verantwortungsbereich liegen. „Ein großer Vorteil dabei ist die Fehlervermeidung“, sagt Pfeiffer. Werden die Daten übereinander gelegt, fällt zum Beispiel sofort auf, wenn ein Heizungsrohr dort verlaufen soll, wo es auf eine tragende Wand treffen würde. „Eine Vielzahl von Informationen laufen zusammen, die für jeden an einem Bauprojekt Beteiligten wichtig sind“, so Siedenburg. Das funktioniert bis ins kleinste Detail: Wenn zum Beispiel in einem Krankenhausneubau Tausende Steckdosen verbaut sind, lässt sich mit wenigen Klicks ermitteln, ob sie dort platziert sind, wo sie hingehören. Wenn nicht, kann per virtuellem Spaziergang jede falsch eingebaute Steckdose markiert und anschließend der Fehler behoben werden.

„Das ist die Zukunft des Bauens“, sagen Uwe Pfeiffer und Charlotte Siedenburg. Auch die Genehmigungsbehörden fürs Planen und Bauen werden in nicht allzu ferner Zukunft Baugenehmigungen auf Grundlage des Building Information Modeling erteilen können. Modellversuche dazu gebe es bereits.
Dennoch stößt BIM in Teilen der Bau- und Planungswirtschaft auf Skepsis. Einer der Gründe: „Es ist im Endeffekt eine völlig andere Art des Arbeitens“, so Pfeiffer. „Vom Ich zum Wir“, ergänzt Siedenburg. BIM stehe für Kooperation und Kommunikation. Weil das der Standard der Zukunft sein werde und die Entwicklung im Ausland teilweise schon weiter vorangeschritten sei, werden Ingenieure, Architekten und später auch Betriebe aus der Bauwirtschaft  nicht um BIM herumkommen.

Das bedeutet, Neues erlernen zu müssen und natürlich Geld in Software und Technik zu investieren. „Das geht Schritt für Schritt“, sagt Siedenburg. Niemand müsse komplett seinen gesamten Workflow verändern. Die Hochschule 21 beschäftigt sich in einem Forschungsprojekt mit Building Information Modeling. Im Fokus dabei: der Wissenstransfer in die Praxis.

Außerdem spielt BIM in Lehre und Fortbildung eine zunehmend wichtige Rolle. „Bei unseren Studierenden stößt das Thema auf großes Interesse“, so Prof. Dr.-Ing Uwe Pfeiffer. Als regional verankerte Hochschule ist es den Lehrenden zudem auch ein Anliegen, ihr Wissen dem Mittelstand vor Ort näherzubringen. So können sich Bauexperten im hochschuleigenen BIM-Labor weiterbilden. Projekt an der Hochschule

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