WOCHENBLATT-Serie Traumberuf Vom strengen Fahnder zum netten Stoffverkäufer

Früher bei der Steuerfahndung, heute verkauft er Nähgarn und Stoffe: Der ehemalige Finanzbeamte Jens Cappel hat im Fachgeschäft von Ricarda Henning in Buxtehude seinen Traumberuf gefunden. Bei einem Spaziergang durch die Altstadt entdeckte der „frisch gebackene“ Pensionär 2019 einen Aushang im Schaufenster „Unterstützung gesucht“ und fragte kurzentschlossen, ob sich das Team auch einen männlichen Kollegen vorstellen könnte. Das war der Fall und seitdem berät Jens Cappel nach 30 Jahren im Finanzamt, darunter als Betriebsprüfer, im Landesrechnungsamt und 20 in der Steuerfahndung, seine meist weibliche Kundschaft bei allen Fragen rund um Nadel und Faden. „Ich weiß gar nicht, ob Sie mir helfen können“, ist ein Satz, den der Familienvater durchaus gewohnt ist zu hören. Manche Kundinnen halten ihn auch für den Ehemann der Chefin. Und gar nicht so selten taucht auch mal ein Mann im Ladengeschäft auf, meist um Kurzwaren zu kaufen.

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Jens Cappel ist glücklich mit seiner neuen Aufgabe. „Ich habe schon immer gerne genäht“, so der Buxtehuder, der sowohl für sich als auch für seine Ehefrau schon das eine oder andere Kleidungsstück angefertigt hat. Weil auch sein Vater, ein Bandagisten-Meister, beruflich an der Nähmaschine saß, war für ihn ein nähender Mann kein ungewohntes Bild. Seine erste Nähmaschine hatte Jens Cappel bereits als Jugendlicher geschenkt bekommen und auch bei seiner heutigen Chefin hatte er schon eine Nähmaschine gekauft. Trotz der jahrelangen Erfahrung sei Nähen für ihn eine Herausforderung. „Ich muss mich sehr konzentrieren und auch sehr akkurat arbeiten, um nicht zu viel Verschnitt zu produzieren.“ Auch musste er, um im Verkauf zu arbeiten, von den Fachbegriffen bis zum Umgang mit der Kasse jede Menge lernen.
Mit seiner ehemaligen Arbeit hat seine jetzige Tätigkeit wenig zu tun. „Früher saß ich meist am Schreibtisch und habe mich mit Zahlen beschäftigt, heute arbeite ich serviceorientiert und mit Menschen“, sagt er. Auch der berufliche Umgangston sei deutlich anders. „Im Laden sind wir alle gut drauf, die Stimmung zwischen Team und Kunden ist immer fröhlich und freundlich“, sagt Jens Cappel. Im Finanzamt und speziell bei der Steuerfahndung, wo auch das eine oder andere Mal die Handschellen geklickt hätten, sei der Umgangston in der Regel eher „freundlich-distanziert“ gewesen, wie es Jens Cappel mit einem leichten Schmunzeln formuliert.
• Haben auch Sie einen ungewöhnlichen Beruf oder Ihren Traumberuf über Umwege gefunden? Schreiben Sie an nicola.dultz-kluever@kreiszeitung.net.

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