30.000 Euro wegen hoher Überschussrücklagen Strafzinsen: Buxtehude muss zahlen

tk. Buxtehude. Buxtehude geht es finanziell im Vergleich zu anderen Kommunen gut, hatte das WOCHENBLATT am vergangenen Mittwoch berichtet. Der Einbruch bei Steuereinnahmen durch die Pandemie trifft die Hansestadt nicht so schlimm wie befürchtet und die lange Liste an großen Investitionen kann abgearbeitet werden. Kehrseite der auskömmlichen Situation: Die Stadt muss, wie jeder Privatanleger auch, Strafzinsen auf ihre Guthaben bezahlen. „Das ist wirklich eine verkehrte Welt“, sagt Fachbereichsleiter Ralf Dessel, der auch für die Finanzen zuständig ist.

Die sogenannten Überschussrücklagen der Stadt betrugen (Stand April 2021) rund 45 Millionen Euro. Im Schnitt muss Buxtehude rund 30.000 Euro im Jahr an Strafzinsen bezahlen. Das einzige Mittel, um diese Summe nicht zu stark anwachsen zu lassen: „Wir verteilen das Geld auf mehrere Anlagen“, so Dessel. Das Thema sei im vergangenen Jahr erstmals für die Hansestadt akut geworden. Die Freibeträge, die ohne Strafzinsen auf Konten der Banken und Sparkassen liegen dürfen, betragen zwischen 500.000 und eine Million Euro. Alles, was darüber hinausgeht, werde im Durchschnitt mit 0,5 Prozent Negativzinsen belegt – so kommen die jährlich 30.000 Euro zu Stande.

Ausweichmöglichkeiten werden immer knapper: 345 Banken und Sparkassen kassieren mittlerweile Negativzinsen, haben Verbraucherportale und Verbraucherzentralen Mitte Juni festgestellt. 
Was Ralf Dessel mit „verkehrte Welt“ meint: Früher habe es für Guthaben Geld gegeben, heute müsse man draufzahlen. 

Kleiner Vergleich: Würde man die jährlich 30.000 Euro Strafzinsen auf zwölf Monate aufteilen, wären das 2.500 Euro pro Monat. Damit ließen sich zum Beispiel fünfeinhalb 450-Euro-Kräfte in der Jugendarbeit bezahlen oder alternativ eine Sozialassistentin bzw. ein Sozialassistent in Vollzeit in einer Buxtehuder Kita.

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