Buxtehude als Experimentierfeld Offene Läden: War Corona-Modellversuch nur halbherzig?

tk. Buxtehude. Der Plan, dass Buxtehude mit offenen Geschäften und geöffneter Außengastronomie Modellkommune für Lockerungen in Niedersachsen wird, ist auf Eis gelegt (das WOCHENBALTT berichtete). Das Land will abwarten, bis das Infektionsschutzgesetz, das am Dienstag von der Bundesregierung beschlossen wurde, verabschiedet ist. Weil es Stimmen gibt, die dafür votieren, dass die Hansestadt bei einer nächsten Runde wieder dabei sein sollte, bietet die Atempause eine Gelegenheit, über Stärken und Schwächen des Öffnungsversuchs nachzudenken. Denn: Es gibt durchaus Kritik, an dem, was geplant war, auch aus dem Einzelhandel.

„Viel zu kurzfristig, für kleine Geschäfte nicht so schnell umzusetzen“, lautet ein Kritikpunkt aus dem Einzelhandel. Ein weiterer, dass die Inhaberinnen und Inhaber kleiner Läden bei der finalen Planungsrunde im Buxtehuder Stadthaus am vergangenen Freitag virtuell nicht mit am Tisch saßen. Und: Aus Insiderkreisen der Verwaltung wird grundsätzliche Kritik am Land laut. Wirklich gewollt seien die Modellprojekt-Kommunen nicht, ist dort ein Eindruck, der sich im Laufe der Zeit sogar verfestigt habe. Zudem hätten die knappen Zeitvorgaben aus Hannover eine Vorbereitung mit breiter Beteiligung beinahe unmöglich gemacht.

Der Rückblick auf die Modellstadt-Chronologie zeigt bereits: Tempo war das beherrschende Element. Am 23. März hatten sich die Ministerpräsidenten auf die Schaffung von Modellprojekten verständigt. Der gesamte Kreis Stade wollte eigentlich als Modell-Landkreis daran teilnehmen. Am 28. März hatte Niedersachsen seine entsprechende Verordnung fertig. Am 29. März hatte das federführende Sozialministerium die Stadt aufgefordert, den Antrag mit ausführlichem Konzept bis zum 31. März förmlich abzugeben. Buxtehude hatte weniger als 48 Stunden Zeit, aus der Idee ein Konzept  zu machen und sich mit vielen Partnern abzustimmen. Am 3. April wurde die Hansestadt ausgewählt. Ostermontag tagten daraufhin online diverse Gruppen, um das Projekt auf die Schiene zu bringen. Konkrete Vorgaben, kritisieren Insider, gab es kaum. Herzlichen Glückwunsch und viel Spaß, sei die zentrale Botschaft aus dem Ministerium gewesen. „Die Kommunen wurden wieder einmal alleingelassen“, sagt ein Insider.

Dabei kamen, so der Eindruck, auch wichtige Infos nicht an, die die Einzelhändler dringend gebraucht hätten. So hätte eine Mitmacherklärung am vergangenen Montag gereicht, um im definierten Altstadt-Bereich am Modell-Vorhaben teilzunehmen. Die Geschäfte hätten trotzdem mit „Click & Meet“ weitermachen können und sich erst ab der Herunterstufung zu „Click & Collect“ unter das Modell-Dach stellen können. Voraussetzung: Jeder Kunde muss einen negativen Test vorweisen und jeder Mitarbeitende muss täglich getestet werden. Dass es zu wenig gemeinsame Planung mit dem lokalen Handel gegeben habe, wird auch im Stadthaus so gesehen – was allein der knappen Zeit geschuldet sei. Übrigens wird nicht als Problem betrachtet, dass es in Buxtehude keine Beschränkungen für Shoppingfans aus anderen Regionen gegeben hätte. Erfahrungswerte hätten gezeigt, dass es keinen großen Einkaufs-Tourismus gen Estestadt gebe. 

Wenn der Versuch mit den Modellkommunen wieder gestartet werden sollte, will Buxtehude wohl erneut  mitmachen. Wobei schon im Vorfeld vor allem von Gastronomen gespiegelt wurde, dass sie den erheblichen Aufwand für drei Wochen Probephase mit Außengastronomie kritisch sehen.

Was übrigens die Skeptiker bestärkt, dass das Land die Modell-Versuche nur halbherzig durchzieht, mutet schon kurios an: Kommunen, die das Vorhaben wissenschaftlich begleiten lassen, bekamen bei ihrer Bewerbung Bonuspunkte. Buxtehude hatte daher die Hochschule 21 mit im Boot. Ein Insider berichtet, dass er nachgefragt habe, ob das Sozialministerium den Gesamtversuch wissenschaftlich begleitet und auswertet. Die Antwort aus Hannover: nein.

Mehr Aktuelle Nachrichten aus Buxtehude und der Region

Menü