Christiane Hein erinnert sich an DDR-Kindheit Kinderbetreuung war damals anders

(lm). „Wenn man als Zehnjährige zwischen 70.000 Menschen steht, die alle ihre Stimme erheben und ‚Wir sind das Volk‘ rufen, ist das schon eindrucksvoll. Da stellen sich mir noch heute die Haare auf.“ Die Frage, was Christiane Hein aus der DDR auch heute gerne im vereinten Deutschland sehen würde, kann die gebürtige DDR-lerin rasch beantworten. „Die Kinderbetreuung“, erklärt sie, wie aus der Pistole geschossen. Die Leipzigerin, die bis zum Mauerfall in der DDR aufgewachsen ist, fügt an: „Das war einfach anders damals. Jedes Kind hatte von morgens bis abends eine gesicherte Betreuung.“ Auch Arbeitslosigkeit war in der DDR nie ein Thema, erklärt Hein. „Auch das hat im DDR-System einfach funktioniert. Alle hatten Arbeit, es gab niemanden, der nicht gearbeitet hat.“
An die Sommerferien hat sie ebenfalls viele gute Erinnerungen: „Wir hatten ja nun mal neun Wochen Ferien, keine sechs. Und die Eltern konnten sich selbstverständlich keine neun Wochen am Stück um uns kümmern. Da waren die Ferienlager der FDJ schon eine gute Alternative.“
Der Tag der Deutschen Einheit ist für die technische Mitarbeiterin des WOCHENBLATT bis heute ein Feiertag, der mit positiven Erlebnissen verknüpft ist. „Wir hatten Verwandtschaft im Westen und es war natürlich schön, endlich wieder vereint zu sein.“ Bereits einen Monat nach dem Mauerfall besuchte die Familie die Verwandten im Westen von Berlin.
Obwohl der Vater als Seemann tätig und damit jederzeit in der Lage war, die DDR über den Seeweg zu verlassen, kam für Hein und ihre Familie eine Flucht aus der Republik nie in Frage. „Für meinen Vater aufgrund familiärer Bindungen sowieso nicht und ich kannte es nicht anders, ich bin ja in den Sozialismus hineingeboren worden.“ Als Zehnjährige erlebte sie damals mit, wie der Staatsapparat bereits in den Monaten vor der Grenzöffnung langsam zu zerfallen begann. „Nach den Sommerferien saßen von 25 Kindern plötzlich nur noch 15 in der Klasse. Über die Hintergründe wurden wir damals nicht aufgeklärt, erst später wurde klar, dass diese Kinder mit ihren Eltern die Republik über die Ostblockstaaten verlassen haben.“
Eine Ablehnung aufgrund ihrer Herkunft war für sie nach der Eingliederung in die BRD nicht spürbar, erst als sie mit Anfang zwanzig den Schritt in die Lüneburger Heide wagte, registrierte sie, dass es gewisse Vorurteile gegen ehemalige DDR-Bürger gibt. „Die meisten Klischees sind natürlich absoluter Unsinn. Da kommen mir sofort die Bananen in den Sinn, die es natürlich bei uns gab. Aber eben nicht in der Masse wie im Westen.“

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