Die Stadt rettet die Lebenshilfe-Kita Politik findet Aussagen der Lebenshilfe Buxtehude „zu vage“

tk. Buxtehude. Die Wolfsgruppe der Lebenshilfe-Kita „Inne Beek“ in Buxtehude-Immenbeck wird nicht geschlossen. Weder vorübergehend noch dauerhaft. Außerdem wird die Stadtverwaltung nach einem neuen Träger für die gesamte Einrichtung suchen. Das Aus für Gruppe und Kita hatte die Lebenshilfe Anfang Oktober überraschend angekündigt. In einer Sondersitzung des Jugendhilfeausschusses teilte Fachgruppenleiterin Jugend & Familie, Andrea Lange-Reichardt, Politikern und Elternvertretern der Kita mit, dass es garantiert weitergeht. Warum die Stadt binnen zwei Wochen geschafft hat, woran die Lebenshilfe nach eigenem Bekunden drei Monate gescheitert ist, nämlich Personal zu finden, bleibt ein Geheimnis. In der Diskussion im Ausschuss wurde zudem deutlich: Die Lebenshilfe hat an Vertrauen eingebüßt. „Ich sehe einen Träger, der nicht mehr will“, meinte Franziska Knoefel (SPD). Ausschussvorsitzender Nick Freudenthal (SPD) wurde noch deutlicher: „Ich habe den Eindruck, den Standort wollen sie schon länger loswerden und schmeißen jetzt hin.“

Susanne Schnarr-Agoston leitet die beiden Lebenshilfe-Kitas in Buxtehude. Neben Immenbeck auch die Einrichtung an der Orchideenstraße. Ihr fiel die Aufgabe zu, der Politik die Gründe für das angekündigte Aus zu erklären. Die Entscheidung sei nicht leichtgefallen, so die Kita-Leiterin. Über längere Zeit habe es zu wenig Personal gegeben. Außerdem liege die Kita zu weit außerhalb und sei für Mitarbeiterinnen nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Der Stadt warf sie indirekt vor, sich um Gebäude und Außenanlage nicht gut zu kümmern. Hintergrund: Die Immobilie ist in Stadtbesitz, Betreiber ist die Lebenshilfe. Als Beispiel nannte Schnarr-Agoston, dass eine Holzhütte nicht ersetzt worden sei und das Spielzeug nun habe weggeworfen werden müssen. Alles in allem sei das für „uns eine schwierige Situation“.

Ganz so mies kann es in der Kita aber nicht aussehen. Marleen Martens, Elternvertreterin der Wolfsgruppe, nannte „Inne Beek“ „klein, fein und naturnah“. Die Kita liege in Sachen Erreichbarkeit eben so wie viele andere Einrichtungen auf dem Dorf. Was bei den Elternvertretern auf Unverständnis stößt: Sie haben angesichts der Personalmisere Hilfsangebote unterbreitet, die jedoch nicht angenommen worden seien. Auch die kaputte Holzhütte hätten Eltern ersetzt – wenn man sie denn gelassen hätte. Die Art und Weise, wie die Lebenshilfe das Aus für Gruppe und Gesamt-Kita kommuniziert habe „war ein Schlag ins Gesicht der Eltern“.

Angesichts der gravierenden Unterschiede in der Sichtweise von Kita-Leitung und Eltern stellte Petra Möhle (CDU) fest: „Ich glaube, dass ich hier gerade auf zwei verschiedenen Veranstaltungen  bin.“ Und Franziska Knoefel fand die Erklärungsversuche der Lebenshilfe „viel zu vage“. Bodo Klages (FWG) merkte an, dass er nicht nachvollziehen könne, warum es andere Kitas schaffen, Personal an sich zu binden. Zuvor hatte Verwaltungsvertreterin Andrea Lange-Reichardt erklärt, dass der Fachkräftemangel natürlich ein Riesenproblem in allen Einrichtungen sei. Doch keine andere der insgesamt 20 Buxtehuder Kitas habe dieses Problem in derart gravierender Form. Den Vorwurf, dass die Stadt die Immenbecker Immobilie vernachlässige, wies sie zudem zurück: „Wir haben regelmäßig investiert.“

Die Fahne der Lebenshilfe hielt einzig Susann Schnarr-Agoston hoch. Geschäftsführerin Iris Wolf weilt im Urlaub und Aufsichtsratsmitglieder waren nicht anwesend. Wie sie die Situation bewerten, konnte die Politik nicht erfahren. Der Ausschussvorsitzende Nick Freudenthal erklärt dazu auf WOCHENBLATT-Nachfrage: „Von der Geschäftsführung möchte ich gerne wissen, ob die Probleme wissentlich oder sehenden Auges in Kauf genommen wurden.“ Freudenthal hat nämlich nicht den Eindruck, dass die Lebenshilfe plötzlich vom Personalmangel überrascht wurde. „Es ist die Aufgabe des Aufsichtsrates, das lückenlos aufzuklären“, fordert er.

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