Ein angeblich großes Tierschutz-Geschenk Wenn Fakten (pure) Polit-PR entlarven

(tk). Tue Gutes und rede darüber: So funktioniert kluges Sponsoring und so funktioniert sehr oft auch Politik – vor allem auf Bundes- und Landesebene. „Die SPD hat sich durchgesetzt“, teilte SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil am Dienstag per Mail mit. „Für das Jahr 2021 stellt der Bund fünf Millionen Euro zur Unterstützung der Tierheime bereit. Momentan wird der Förderaufruf noch im Bundesumweltministerium erarbeitet“, schreibt der Politiker aus dem benachbarten Heidekreis. Auch die Tierheime würden unter den Folgen der Corona-Pandemie leiden, so der SPD-Politiker.

Das hört sich gut an – relativiert sich aber, wenn man ein paar Fakten dagegensetzt. In Deutschland gibt es allein 550 Tierheime, die organisatorisch dem Deutschen Tierschutzbund angeschlossen sind. Jede dieser Einrichtungen bekäme rund 9.100 Euro extra. Das wäre angesichts der meist chronisch klammen Tierschützer-Kassen durchaus ein Betrag, für den vielleicht die vielerorts notwendigen Sanierungen bezahlt werden könnten.

Diese „Extra-Summe“ schmilzt aber noch sehr viel stärker. In Deutschland gibt es geschätzt rund 1.400 Tierheime oder tierheimähnliche Einrichtungen. Das hat das Landwirtschaftsministerium 2016 ermittelt. Also: die fünf Millionen Euro durch 1.400 geteilt: Macht rund 3.570 Euro pro Tierheim. Auch das ist (noch) eine Summe, für die vielleicht notwendige Reparaturen im Katzenhaus machbar wären.

Wenn man jetzt allerdings die 3.570 Euro nimmt und in Relation zu einigen der Kosten setzt, die jeder Tierschutzverein hat, wird aus dem Berliner Tierschutz-Geschenk ein kleines Mini-Geschenkchen, das mit umso größerer Geste „verkauft“ wird. Eine Katzen-Kastration, und die wird bei dermaßen vielen Fundkatzen sehr oft durchgeführt, kostet nach dem niedrigsten Gebührensatz für Tierärzte ungefähr 110 Euro. Verwendet man dafür die „Förder-Millionen“, könnten pro Tierheim etwa zusätzliche 32 Kastrationen durchgeführt werden.

Übrigens: Die Kastration eines Rüden, der vermittelt werden soll, schlägt mit 180 bis 280 Euro zu Buche. Wenn kranke Hunde, was leider immer wieder vorkommt, bei Tierschützern abgegeben werden, kann eine Krebs-OP und Behandlung sehr schnell weit mehr als 1.000 Euro kosten.

So viel zu „die SPD setzt sich durch“. Wahltaktisch klüger, um im Superwahljahr bei Tierfreunden zu punkten, wäre es gewesen, wenn Klingbeil und Co. getextet hätten: Die SPD sorgt dafür, dass in jedem Tierheim in Deutschland in diesem Jahr zusätzlich 32 Kastrationen von Wildkatzen vom Bund finanziert werden. Ergibt unterm Strich dieselbe Summe, kommt der Wahrheit aber näher. Tom Kreib

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