Kommentar zum offenen Brief aus Apensen Kritik, Selbstmitleid und keine Spur von Reflexion

Zwölf Samtgemeinderat-Mitglieder schreiben an alle Bürger Flächendeckend haben alle Haushalte in der Samtgemeinde Apensen Post bekommen. Zwölf Ratsmitglieder haben den Brief (im ungekürzten Original auf unserer Homepage www.kreiszeitung-wochenblatt.de) unterschrieben. „Unruhe in der Samtgemeinde“ ist der Titel. Wer will angesichts der Skandale und Skandälchen da schon widersprechen? Freundlicherweise folgt gleich zu Anfang der Hinweis, dass der Brief (zwei Seiten) sehr lang ist. „Bitte nehmen Sie sich Zeit, ihn zu Ende zu lesen“, bitten die Zwölf.

Was dann folgt – hier kurz zusammengefasst: Die Zusammenarbeit mit Samtgemeinde-Bürgermeisterin Petra Beckmann-Frelock funktioniert nicht. Die Dinge laufen, nachdem sie schon anderthalb Jahre im Amt ist, noch immer nicht rund. Die Mitglieder des Samtgemeinderates haben ihr Hilfe angeboten, doch das habe die Bürgermeisterin abgelehnt. Rathaus-Mitarbeiter sind frustriert und fühlen sich schlecht behandelt. Zudem sei Petra Beckmann-Frelock oft unzureichend vorbereitet und kommuniziere nicht im Vorfeld von politischen Sitzungen. „Uns belastet die Situation“, heißt es in dem Schreiben. Und weiter: „Wir wünschen uns, dass die Samtgemeinde Apensen aus den negativen Schlagzeilen herauskommt.“ Das kann man den Bürgerinnen und Bürgern sowie Verwaltung und Politik nur wünschen. 

Dieser Brief wird dazu aber nicht beitragen. Ohne Frage: Ein Teil der Kritik an Petra Beckmann-Frelock ist berechtigt. Sie macht Fehler, die nicht sein müssten und die verhinderbar wären, wenn die Samtgemeinde-Bürgermeisterin jemanden fragen würde, der sich auskennt. Auf der anderen Seite ist es nicht verwunderlich, dass sich ihr Vertrauen zu Mitgliedern des Samtgemeinderates und teilweise auch zu Mitarbeitern ihrer eigenen Verwaltung in Grenzen hält. Wie war das jüngst? Ihre Bauamtsleiterin bezeichnete das Rathaus am Ende einer öffentlichen Sitzung als „Stasi-Zentrale“. Und der Samtgemeinderat hat den Antrag zur Abwahl Beckmann-Frelocks nur deshalb zurückgezogen, weil eine Mehrheit dafür nicht sicher war. Die gescheiterte Abwahl-Attacke erwähnen die aufrechten Zwölf in ihrem Brief gar nicht erst. Wer ehrliche Kommunikation fordert, sollte so etwas nicht unter den Tisch fallen lassen, wenn er und sie an die Bürger schreibt.

Was wollen die Autoren eigentlich sagen? Diese Standardfrage der Textinterpretation bleibt unbeantwortet – leider auch nach mehrmaligem Lesen. Es läuft, zugegeben ein wenig verkürzt, auf folgende Botschaft hinaus: Beckmann-Frelock ist blöd und die Politiker haben keine Schuld an der verfahrenen Situation. 

Wer, wie die zwölf Ratsmitglieder völlig zu recht, ein Zurück zur politischen Normalität fordert, muss bei sich selbst beginnen. Reflexion, Selbstkritik? Fehlanzeige! Dafür ein Ton, der mitunter ins Selbstmitleid abdriftet. „Die Arbeit in der Kommunalpolitik ist für uns zu einer unnötig schweren und frustrierenden Tätigkeit geworden.“

Interessant ist in dem Schreiben auch das, was nicht erwähnt wird: Etwa das fraktionsübergreifende Gemauschel bei der Suche nach einem Kandidaten für den Posten im Samtgemeinde-Rathaus. Das war (nur einer) der Gründe, warum Petra Beckmann-Frelock überhaupt von einer breiten Mehrheit gewählt wurde. Oder die von der politischen Mehrheit angezettelte Zitterpartie mit den Betriebsführungsverträgen der evangelischen Kitas. Am Ende hat sich zwar kaum etwas an den Verträgen verändert, doch die beiden Einrichtungen standen kurz vor der Schließung. Das und anderes haben die Wählerinnen und Wähler nicht vergessen. Auch wenn es in der Postwurfsendung unerwähnt bleibt. Fehler machen in Apensen halt immer nur die anderen.

Übrigens: Einhundertprozentige Zustimmung zur Anregung, dass sich die Menschen selbst ein Bild machen sollen, dass sie Sitzungen besuchen und Fragen stellen sollen. Es könnte gut sein, dass die Fragen aber nicht nur die ungeliebte Samtgemeinde-Bürgermeisterin in die Bredouille bringen.
Tom Kreib

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