Kommentar zur Lebenshilfe Buxtehude Es geht nicht um Macht, sondern um berechtigte Kritik

In einer am Freitag verschickten Erklärung nimmt Lebenshilfe-Geschäftsführerin Iris Wolf Stellung zu den Plänen, die Kita „Inne Beek“ abzugeben. Sie schildert in sehr langen Passagen die rechtlichen Grundlagen aus dem Kindertagesstättengesetz. Eltern, Redakteure und auch Mitglieder des Jugendhilfeausschusses, so schreibt Wolf, würden sich im Gegensatz zu ihr damit nicht auskennen. (Den ganzen Brief von Iris Wolf im Wortlaut finden Sie hier)

Kurzum: Weil es nicht ausreichend Personal gibt, um alle gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen, könne sie nicht die Verantwortung für Gesetzesverstöße übernehmen. Sie habe aber Verständnis für die Notsituation der Eltern.
Der Stadt Buxtehude wirft Iris Wolf vor, „Inne Beek“ noch immer nicht behindertengerecht umgebaut zu haben. Das habe dazu beigetragen, die Trägerschaft zu kündigen.

„Für die zukünftige Zusammenarbeit wünsche ich mir, dass Sie uns vertrauen“, schreibt Iris Wolf. In Zukunft wolle sie stärker den Präventionsrat und Jugendhilfeausschuss ansprechen, wenn die Lebenshilfe Unterstützung benötige.

Richtung WOCHENBLATT schreibt Iris Wolf, dass sie um Fairness bittet. „Worte können wie Schläge ins Gesicht sein.“ Man möge „professionell mit Macht“ umgehen.

Frau Wolf, es geht nicht um Macht, es geht darum, dass die Lebenshilfe in ihrer Existenz bedroht ist. Das ist schlecht für Eltern und Kinder und für die Stadt. Es geht auch nicht um Kritik an der Lebenshilfe generell, es geht um Kritik an Ihrer Geschäftsführung und auch daran, dass der Aufsichtsrat offenbar seiner notwendigen Kontrollfunktion nicht nachkommt.

Nach dem ersten kritischen Artikel über die Abgabe der Kita „Inne Beek“ hat die Redaktion eine Vielzahl von Anrufen und Mails erreicht. Ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter berichten von Mobbing, erzählen davon, wie sie krank geworden sind, weil sie das Gegenteil von Wertschätzung durch die Geschäftsführung erfahren mussten. Eine Ex-Mitarbeiterin hat mir berichtet, dass sie die Mobbing-Vorwürfe auch an den Aufsichtsrat herangetragen habe. Was ist passiert? Offenbar nichts! Alle Menschen, die mit mir sehr ausführlich geredet haben, haben klar zu verstehen gegeben: Dass die Lebenshilfe kaum noch Personal findet, hat mit ihrem inzwischen desolaten Ruf als Arbeitgeber zu tun. Und, das finde ich wirklich erschütternd: Einige Ihrer Ex-Mitarbeiter, Frau Wolf, haben bis heute Angst vor Ihnen.

Professionell mit Verantwortung umzugehen, sollte für Sie als Gesamtverantwortliche eines „Unternehmens“ von der Größe eines Mittelständlers selbstverständlich sein. Vielleicht hätten Sie schon früher, und nicht erst jetzt, einen Personalreferenten m/w/d suchen sollen. Wobei der Satz in Ihrer Stellenanzeige „gutes, familiäres Betriebsklima“ bei den gegangenen und geschassten Mitarbeitern wie Hohn klingen muss.

Was Sie, Frau Wolf, mit Blick auf die Presse als „Macht“ bezeichnen, nenne ich unsere Aufgabe, Missstände deutlich anzusprechen. Egal, ob es sich um Politik, Kirche, Verwaltung oder auch Institutionen wie die Lebenshilfe handelt. Dort gibt es Missstände. Offenbar sind Sie und einige andere aber die Einzigen, die das nicht sehen wollen. Tom Kreib

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