Personalengpass im Straßenverkehrsamt Noch immer! Wochenlanges Warten im Kreis Stade auf den Führerschein

tk. Stade. Wenn Einsicht der Weg zur Besserung ist, dürfte diese Pressemitteilung des Landkreises Stade zumindest ein Schrittchen in die richtige Richtung sein: „Krankheitsausfälle führen in der Führerscheinstelle weiter zu Wartezeiten“, heißt es darin. Frank Daebler von der Fahrschule Christ aus Stade formuliert das drastischer: „Die Lage hat sich dramatisch verschlechtert.“ Verschlechtert heißt für ihn und Kolleginnen und Kollegen: von schlecht zu vollkommen inakzeptabel. Weder werden die Unterlagen für Fahrprüfungen bearbeitet, noch bekommen die Schüler nach ihrer bestandenen Prüfung zeitnah ihren Führerschein. Ein junger Mann aus Jork berichtet dem WOCHENBLATT, dass er vier Monate auf seine Fahrerlaubnis warten muss.

Dass diese Probleme überhaupt so schwerwiegend sind, ist erstaunlich: Im Oktober 2020 hatte das WOCHENBLATT erstmals über die Klagen von Fahrschulen, Fahrschülern sowie deren Eltern berichtet. Wochenlanges Warten auf den Führerschein oder darauf, das der genau reglementierte Prozess auf dem Weg zur Fahrerlaubnis weiter geht, waren die Regel und nicht die Ausnahme.

„Das ist jetzt alles noch viel schlimmer geworden“, sagt Frank Daebler. Mails werden nicht beantwortet, telefonisch sei niemand zu erreichen. Der Fahrlehrer berichtet von seinem Bürotag: „Seit neun sitze ich am Schreibtisch, alle Telefonleitungen in der Führerscheinstelle sind belegt oder niemand nimmt ab. Einmal bin ich durchgekommen, dann wurde aufgelegt.“ Der Mann ist auf Zinne. „Ich spreche auch im Namen der Kollegen, wenn ich von unhaltbaren Zuständen berichte“, sagt er.

Die Kreisverwaltung hat erkannt, dass es ein Problem gibt. Das sah im Oktober 2020 noch anders aus. Damals hatte die Kreisverwaltung davon gesprochen, dass in der Führerscheinstelle alles normal laufe.
Jetzt wird der Leiter der Straßenverkehrsbehörde, Gerhard Timm, mit den Worten zitiert: Die Personaldecke sei so dünn, dass Kollegen aus anderen Bereichen einspringen müssen, um vereinbarte Termine zu halten.
Es seien Krankheiten, Stellenwechsel, Nachbesetzungen und schließlich Corona, die zu den Personalengpässen geführt haben. Fahrlehrer Daebler hat dazu eine etwas andere Sicht: „Die guten Leute sind alle weg.“ Warum, darüber könne er nur spekulieren.

Die Kreisverwaltung, so steht es in der Pressemitteilung, bemühe sich seit Wochen darum, die freien Stellen zu besetzen. Damit jetzt niemand Wunder erwartet, gleich die Warnung: das dauert. Qualifiziertes Personal müsse erst gefunden, eingestellt und eingearbeitet werden. Sobald Personal vorhanden sei, solle die Anzahl der Termine verdoppelt werden. Alle Bürgerinnen und Bürger, die einen Antrag gestellt haben, würden sich „in der höchsten Prioritätsstufe“ befinden. Wer sich per Mail meldet (strassenverkehrsamt@landkreis-stade.de), dessen Antrag könne vorgezogen werden. Abwarten, ob das klappt.

• Das WOCHNBLATT fragt – wie schon im Oktober 2020 – nach Ihren Erfahrungen mit der Führerscheinstelle des Landkreises Stade. Ihre Mail senden Sie bitte an thomas.kreib@kreiszeitung.net.

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