Schließung einer Gruppe nicht abgewendet / AWO will übernehmen Buxtehuder Kita „Inne Beek“: Eltern wieder in Sorge

tk. Buxtehude. Es schien so, als ob sich die Situation in der Lebenshilfe-Kita „Inne Beek“, besonders in der Wolfsgruppe, entschärft hätte. Wie berichtet, wollte die Lebenshilfe die Gruppe wegen Personalmangel schließen. Am besten, so die Idee der Lebenshilfe-Geschäftsführerin Iris Wolf, sollte die Kita ganz abgegeben werden (das WOCHENBLATT berichtete). Die Stadt Buxtehude hatte daraufhin eine Feuerwehrkraft geschickt. Da die Lebenshilfe über keine Vertretungskräfte verfüge, könne bei Krankheit und Urlaub die Schließung der „Wölfe“ auch jetzt nicht ausgeschlossen werden, teilt Lebenshilfe Geschäftsführerin Iris Wolf den Elternvertretern in einem aktuellen Schreiben mit.

Schon wieder sind Eltern in Sorge, ob ihre Kinder betreut werden können. Was aber noch schwerer wiegt: Mit der AWO gibt es einen Betreiber, der die Kita übernehmen will. Idealer Zweitpunkt: Zum neuen Kitajahr im August 2021. Doch die Verhandlungen zur Übernahme, das bestätigen mehrere Quellen unabhängig voneinander, gestalten sich schwierig. Die notwendigen formellen Schritte werden von der Lebenshilfe nicht mitgegangen. Etwa die Planung eines abgestimmten Vorgehens, Gespräche aller mit dem vorhandenen Personal. Schuld daran ist, laut Iris Wolf in ihrem Elternvertreter-Brief, mal wieder die Stadt. Es gebe bisher keine Bestätigung der Kündigung der Trägerschaft durch die Stadt.

Fakt ist: Die AWO steht zur Übernahme bereit. Knud Hendricks, der für alle 50 AWO-Kitas in Niedersachsen die Verantwortung trägt, sagt dem WOCHENBLATT: „Wir sind guten Mutes. Ein Übergang wird funktionieren.“ Er sagt auch, dass sich die AWO wünsche, dass so viele Mitarbeiter wie möglich den Trägerwechsel mitmachen. Hendricks sichert zu: „Alle erworbenen Rechte bleiben bestehen.“ Sprich: Wer 20 Jahre bei der Lebenshilfe angestellt war, fängt bei der AWO nicht mit null Berufsjahren an.

Fakt ist auch: Der formelle Beschluss zum Ende der Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe für die Kita „Inne Beek“ ist noch nicht gefällt worden. Das soll nach WOCHENBLATT-Informationen voraussichtlich im Februar geschehen. Tatsache ist aber ebenso: Vor diesem notwendigen, aber letztendlich nur formalen Akt muss schon vorher vieles auf den Weg gebracht worden sein. Genau da, das sagen mehrere Insider, tritt die Lebenshilfe auf die Bremse. Knackpunkt ist das Personal. Das will Iris Wolf ungern zur AWO ziehen lassen. Lieber wäre es ihr, alle Mitarbeitenden würden in die Lebenshilfe Kita an die Orchideenstraße wechseln. Auch dort herrscht, wie „Inne Beek“, akuter Personalmangel. Eine Gruppe dort, die längst wiedereröffnet werden sollte, gibt es immer noch nicht (das WOCHENBLATT berichtete). Insider aus Kita, Verwaltung und von Elternseite berichten dem WOCHENBLATT, dass offenbar Druck auf wechselwilliges Fachpersonal ausgeübt worden sein soll. Bis zum 31. Dezember sollen „Inne Beek“-Mitarbeiter erklärt haben, ob sie bei der Lebenshilfe bleiben oder nicht. Wenn nicht, so soll die verklausulierte Drohung einer Kündigung im Raum stehen. Was laut eines Experten für Arbeitsrecht in Kitas völlig ins Leere laufe. Wer eine wie auch immer begründete betriebsbedingte Kündigung für eine halbe oder ganze  Einrichtung ausspreche, müsse einen Sozialplan erstellen. Arbeitsrechtlich würde ein solches Vorgehen ohnehin von jedem Gericht kassiert werden.

„Mitarbeiter haben Angst“, so eine Mutter gegenüber dem WOCHENBLATT. Und Eltern machen sich Sorgen, dass die Lebenshilfe die Kita vor einem Trägerwechsel gegen die Wand fahren lässt. Die einfache Rechnung: Personal weg, Kita dicht.

Die gute Nachricht in diesem Zusammenhang: Hinter den Kulissen laufen die Planungen für verschiedene Rettungsszenarien. Stadt und AWO werden Kinder und Eltern nicht im Regen stehen lassen. Auch wenn ein Betreiberwechsel erst zum neuen Kitajahr das Optimum wäre – früher wäre trotz großer Anstrengungen möglich.

Was im Gesamtzusammenhang kurios anmutet: Als die Schließung der „Wolfsgruppe“ akut war, konnte es Lebenshilfe-Geschäftsführerin Iris Wolf nicht schnell genug gehen, die ganze Einrichtung loszuwerden. Das sollte frühestmöglich sein, hatte sie der Stadt mitgeteilt. Warum sie jetzt nicht alles tut, um die Übergabe an die AWO schnell und effektiv zu gestalten, bleibt ihr Geheimnis.

Das WOCHENBLATT hatte per Mail am Freitag Fragen an Iris Wolf zum Thema „Inne Beek“ und Übergang zur AWO geschickt. Die Redaktion hat von der Lebenshilfe leider keine Stellungnahme bekommen, um deren Sicht einfließen zu lassen.

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