Warum Deutschland Flüchtlinge aufnehmen sollte An das „C“ im Parteinamen denken

MOMENT MAL

Eigentlich wollten wir für die aktuelle Printausgabe des WOCHENBLATT ein „Pro“ und „Kontra“ zur Frage schreiben, ob Deutschland nach der Feuerkatastrophe im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos Flüchtlinge aufnehmen sollte. Anders als einige führende Politiker der CDU/CSU-Bundestagsfraktion fand sich allerdings niemand in der WOCHENBLATT-Redaktion, der gegen eine Aufnahme einer nennenswerten Zahl ist.
Mich wundert das nicht, denn bei vorurteilsfreiem Nachdenken gibt es kein Argument dafür, jetzt nicht schnell und unbürokratisch zu helfen. Politiker der größten Fraktion im Deutschen Bundestag mögen sich daran erinnern, wofür das „C“ in ihrem Parteinamen steht. Christliches Handeln für den Nächsten in Not ist jetzt gefragt und nicht machtpolitisches Denken.
Deutschland hat derzeit die Ratspräsidentschaft in der Europäischen Union. Es hat dadurch für mich die Pflicht, auf diese Notsituation zu reagieren und die Verteilung der 12.000 Flüchtlinge, die in Moria obdachlos geworden sind, mit zu organisieren. Dass das nicht möglich sein soll, vermag ich nicht zu glauben. Eine Koalition der Willigen reicht dafür, es müssen ja nicht alle 27 Staaten in langen Verhandlungen einen Verteilungsschüssel finden. Es sind nicht Hunderttausende Flüchtlinge wie im Jahr 2015, die kommen sollen, sondern ein Bruchteil davon.
Ich kann die Befürchtungen von Menschen verstehen, die davor warnen, einen Präzedenzfall zu schaffen, der Flüchtlinge dazu verleitet, ihre Lager anzuzünden, um einen schnelleren Weg raus aus ihrem Elend zu erzwingen. Wo aber ist der Vorstoß dieser Mahner, die europäische Flüchtlingspolitik an sich zu hinterfragen und neu zu regeln? Warum haben sie nichts unternommen, als in Moria statt der möglichen 2.500 Flüchtlinge rund die fünffache Menge eingepfercht wurde? Genau dieses Nichtstun führt dazu, dass eine geordnete Zuwanderung eben nicht Usus, sondern ein Wunschdenken ist – natürlich nicht für die, die sich per se gegen jegliche Zuwanderung aussprechen wie die AfD. Deutschland ist an dieser Situation nicht unschuldig, denn durch seine geografische Lage im Zentrum von Europa hat es sich, angeführt vom zuwanderskeptischen Innenminister Horst Seehofer (CSU), oft sehr einfach gemacht und die Erstaufnahme der Flüchtlinge den südlichen Staaten wie Griechenland und Italien überlassen. Moria hat bewiesen, dass es so nicht weiter laufen kann.
Oliver Sander

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