Wo sind die größten Baustellen? Exodus der Führungskräfte aus dem Rathaus Apensen

tk. Apensen. „Petra allein im Rathaus“ wäre die passende Schlagzeile, wenn es um die Zukunft der Samtgemeinde-Verwaltung in Apensen geht. Der Samtgemeinde-Bürgermeisterin Petra Beckmann-Frelock sind innerhalb kurzer Zeit drei Führungskräfte abhandengekommen: Sabine Benden, Bauamtsleiterin und stellvertretende Bürgermeisterin, Tanja von der Bey, Chefin im Ordnungs- und Standesamt, und jetzt auch noch Kämmerin Margit Reschke. Optimisten sprechen zwar von der Chance eines Neubeginns. Dem schönen Spruch vom Zauber eines jeden Anfangs setzen Realisten aber eher die Sorge vom Beginn eines Untergangs mit Ansage entgegen. Das WOCHENBLATT hat informell mit Verwaltungsprofis außerhalb der Samtgemeinde gesprochen: Wie kann es weitergehen, wie lange dauert eine Nachbesetzung von Führungsposten und was passiert, wenn im Junkernhof, dem Samtgemeinde-Rathaus, gar nichts mehr funktioniert?

Die größten Baustellen: Im Herbst müssen die Wahlen organisiert werden und in der Kasse müssen alle Ein- und Ausnahmen perfekt fließen. Genau dabei fehlen die Führungskräfte. Das sehen Insider als derzeit drängendste Probleme. Zumal es im Finanzbereich seit dem vorzeitigen Abgang des Ex-Kämmerers bereits mehrere Wechsel auch unterhalb der Führungsebene gegeben hat. 

Personalverantwortliche aus anderen Rathäusern schätzen, dass die Neubesetzung der drei freien Stellen mindestens sechs Monate dauert – im Optimalfall. Egal, ob Beamte oder Angestellte – es gelten Kündigungsfristen für die, die nach Apensen gehen würden. Allein Ausschreibung und Vorbereitung würden sechs bis sieben Wochen in Anspruch nehmen. Die Wahlen sind dann gelaufen und der Entwurf für den nächsten Haushalt müsste ebenfalls in groben Zügen bereits stehen. Hinzu kommt: Die Querelen der Vergangenheit, die bis in die Gegenwart andauern, dürften nach Ansicht von Verwaltungsmitarbeitern ein echtes Hindernis bei neuen Bewerbungen werden. Ein leitender Rathausmitarbeiter einer anderen Kommune stellt fest: „Apensen – wer wird sich dorthin bewerben?“ Was passiert, wenn im Rathaus nichts mehr funktioniert? Bei dieser Frage kommen selbst Verwaltungsinsider ins Grübeln. Denn – vereinfacht ausgedrückt – die Niedersächsische Kommunalverfassung als  Richtschnur für Verwaltungshandeln sieht eine solche Notlage nicht ausdrücklich vor.

Das wahrscheinlichste Szenario: Die Kommunalaufsicht, also der Landkreis, verhindert den Stillstand und bestellt einen oder auch mehrere Beauftragte. Dabei wären die beiden größten Baustellen, Wahlen und Finanzen, mutmaßlich das Eingangstor, um Apensen vorübergehend unter Kreis-Kontrolle zu stellen.
Angesichts des Personalexodus sehen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus anderen Rathäusern für die Samtgemeinde Apensen schwarz: „Die haben ein echtes Problem“, so die Aussage.

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