Altersarmut ist in Deutschland längst wieder Thema

Jahrzehnte lang die Lebenszeit in den Dienst eines anderen stellen und trotz regelmäßiger Rentenbeiträge im Alter um das Auskommen fürchten müssen? Klingt nicht fair, ist jedoch die Realität vieler Menschen. 2016 waren es nach Bericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbands 3,4 Millionen Rentner. Damit verzeichnet diese Gruppe mehr als 45 Prozent Zuwachs im Vergleich zu 2005.

Sinkendes Rentenniveau führt zu immer höherer Altersarmut
Diese Zahl hat sich bisher nicht viel geändert, sagen Experten. Auch wenn die Daten für das vergangene Jahr fehlen, sind es immer noch mindestens drei Millionen Senioren, die von etwas über acht Euro am Tag leben müssen. Das ist längst keine Seltenheit mehr in einem der reichsten Länder der Welt, was einem Armutszeugnis gleichkommt. Das fängt bei den jungen Menschen, die mitten im Beruf stehen, bereits damit an, denn diese setzen sich mit dem Thema Rente oder dem Auskommen im Alter gar nicht oder nur unzureichend auseinander. 
Themen wie Brutto- vs. Netto-Rente und was am Ende von dem, was über die Jahre hinweg eingezahlt wurde, übrigbleibt, fallen häufig viel zu lange unter den Tisch.

Dabei sind es gerade die jungen Jahre, in denen eine solide Basis für ein späteres Auskommen gelegt wird.

Somit entwickelt sich Deutschland zu einem Land, in dem Altersarmut zu einem Massenproblem wird, das nach aktuellem Stand in den kommenden Jahrzehnten bis 2040 noch massiv zunehmen wird, denn alleine bis 2030 werden sechs Millionen Menschen zusätzlich in Rente gehen. Insofern stehen immer weniger Beitragszahler für diejenigen bereit, die als Rentenempfänger auf der anderen Seite davon zehren müssen. Besonders kritisch sind bereits derzeit all jene Senioren, die während der Jahre der üblichen Berufstätigkeit lange Zeiträume in der Erwerbslosigkeit oder Hartz 4 verbracht haben. Hinzukommen die ganzen Leiharbeiter und Zeitarbeiter, die in einer Art modernen Sklaverei für niedrige Löhne durch diverse Branchen geschleust werden. Zudem betroffen sind die unglücklichen Arbeitnehmer, die Aufgrund von Krankheiten sowie Arbeitsunfällen ihrem Beruf nicht mehr nachgehen konnten.

Altersarmut mit dem Mindestlohn vorprogrammiert
Immer wieder ist das Thema Rente ebenfalls in Buxtehude und Umkreis ein heiß diskutiertes Eisen, denn Fakt ist, dass allerweil mehr ältere Menschen in die Armut abrutschen. Das bedeutet für nicht wenige 
ein Auskommen mit 600 Euro im Monat, wie Autor Tom Kreib bereits am 15. März 2019 festhielt.

Seither gab und gibt es zwar politisch immer wieder Diskussionen über die Altersrente – eine wirkliche Besserung ist derzeit allerdings nicht in Sicht. Das zeigen ebenfalls die offiziellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes. So liegt der Anteil der direkt von Armut betroffenen Senioren 2017 bei 18,7 Prozent. Keine andere Bevölkerungsgruppe ist in diesem Maß betroffen. Hinzukommt, dass der Zuwachs über die Jahre schleichend, aber spürbar ist. Seit 2010 sind mehr als 800.000 Rentner unter die Armutsgrenze gerutscht.

Das Statistische Bundesamt gibt in diesem Kontext ebenfalls einen Wert an, der die Grenze aufzeigt, ab wann eine Alleinstehende Person von Armut bedroht ist: 13.628 Euro im Jahr werden genannt. In der Wirtschaftsforschung spricht man zudem davon, dass ein Vollzeitbeschäftigter mindestens zwölf Euro in der Stunde verdienen muss, um ein Auskommen zu haben, das ihn nicht tagtäglich vor Probleme stellt und gefährdet. Zu diesem Ergebnis kommt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung. Ein Wert, der mit dem derzeit geltenden Mindestlohn von 9,35 Euro deutlich unterschritten ist.

Insofern mahnen Experten bereits heute, dass die Altersarmut in den kommenden zehn bis 15 Jahren noch einmal signifikant zunehmen wird, denn immer mehr Menschen arbeiten für geringe Löhne oder nur in Teilzeit. Auch die Corona-Pandemie wird ihre Wirkung noch in vielen Jahren in diesem Punkt aufzeigen.

Verdeckte Armut

Ein weiteres Thema in diesem Kontext ist die verdeckte Armut. Von dieser wird gesprochen, wenn Menschen keine finanzielle Hilfe beantragen, da sie sich schämen, Angst haben oder beides, dass ihre Familie davon Wind bekommt und für sie zahlen müsste. Diese werden vom sinkenden Rentenniveau ebenfalls getroffen. Auch diese Begebenheit soll, folgt man den Experten aus der Wirtschaft, bis 2030 noch einmal um vier Prozent auf 43 Prozent sinken. Damit wäre man dann auf dem Niveau angekommen, das heute als Mindestsicherung gilt.

Dabei ist die Altersarmut unter Rentnern der Bundesregierung durchaus bewusst. In jeder Partei weiß man um diesen Umstand. Allerdings greifen die Beschlüsse und Reformen bisher nicht entscheidend, denn seit Jahren hinkt die Rente der Lohnentwicklung hinterher. 
Die Inflation tut zudem ihres dazu, dass die Kluft immer größer wird.

Ein Beispiel für das Scheitern von Vorhaben in diesem Bezug ist die Riester-Rente. CDU-Chef Seehofer hatte diese selbst als gescheitert deklariert. Sämtliche Ideen in dieser Richtung werden zerredet. Mehrausgaben, noch mehr Löcher in der Rentenkasse und vieles mehr sorgen für Dispute ohne Lösung. Damit ändert sich freilich für die Betroffenen nichts.

Wer heute die Chance hat, privat vorzusorgen, sollte das unbedingt tun. Zwar werden die Politiker unterschiedlichster Couleur nicht müde zu behaupten, die staatliche Rente wäre robust und „wetterfest“ – derzeit zeigt das Barometer für die kommenden Jahre jedoch eine ganz andere Richtung und eine Verbesserung ist nicht in Sicht.

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