Treppensteigehilfen: Treppenlifte neu oder gebraucht kaufen?

Zwischen 4.000 und 8.000 Euro für einen Sitzlift oder 15.000 Euro und mehr für einen Plattformlift: Preise, bei denen Otto Normalverbraucher ins Schleudern gerät. Doch was, wenn der Treppenlift schlicht und ergreifend notwendig ist und man das Thema nicht mehr auf die lange Bank schieben kann? Schnell wird nach gebrauchten Angeboten gesucht. Allerdings lässt sich durch den Gebrauchtkauf nicht immer viel Geld sparen.

Gebrauchte Treppenlifte als Kostenfalle
Besonders günstige Angebote für gebrauchte Treppenlifte finden sich auf den einschlägigen Kleinanzeigenportalen und in den “Suche / Finde Spalten” regionaler Tageszeitungen. Allerdings kann der Schein trügen, denn oftmals verbergen sich dahinter keine Tiefstpreise, sondern tiefe Kostenfallen.

Der Grund: Die Führungsschienen der Lifte passen in den seltensten Fällen, meist wird ohnehin nur das Fahrmodul verkauft. Die Schienenkonstruktion muss dann separat in Auftrag gegeben werden. Gleiches gilt für die Montage. Wie viele Betriebsstunden der Lift tatsächlich auf dem Buckel hat, ist ebenfalls nicht klar. Werden Reparaturen fällig, ergibt sich daraus schnell das sprichwörtliche Fass ohne Boden – zumal die gesetzliche Gewährleistungspflicht beim Privatkauf entfällt.

Fachhändler als Ansprechpartner
Anders sieht es aus, wenn man den gebrauchten Treppenlift bei einem Händler kauft
gebrauchten Treppenlift bei einem Händler kauft.

. Hier ist man nicht nur dank der Gewährleistungspflicht des Händlers auf der sicheren Seite: Auch die Fertigung der Schienen sowie die Montage der gesamten Konstruktion erhält man in der Regel aus einer Hand. Das spart Zeit, Stress und am Ende des Tages auch Geld. Denn die Einzelleistungen sind durch die Komplettangebote deutlich günstiger als wenn man diese einzeln beanspruchen würde.

Vor-Ort-Termin: Vermessung und Beratung
Zusätzlich wird der Händler seine (potentiellen) Kunden hinsichtlich der Machbarkeit des Treppenlift-Einbaus beraten: Nicht immer ist die Montage so ohne Weiteres möglich. Bei sehr engen Treppen sind klappbare Plattformen und Sitze notwendig. Und selbst dann kann es zu Problemen kommen.

Vor allem in Mehrfamilienhäusern müssen konkrete baurechtliche Bestimmungen beachtet werden.

● In Häusern mit mehr als zwei Wohneinheiten beträgt die Mindestlaufbreite einer notwendigen Treppen 100 cm.
● Durch die Treppenlift-Konstruktion darf diese Mindestlaufbreite weder maßgeblich noch dauerhaft unterschritten werden.
● Klappbare Sitze und Plattformen sowie Kurven am Treppenanfang bzw. -ende sorgen dafür, dass Fluchtwege durch den “parkenden” Treppenlift nicht versperrt werden.
● Die 
konkreten baurechtlichen Vorgaben werden
durch die Landesbauordnung sowie die DIN Normen 18040-1 und 18040-2 definiert.

  

Senkrechtlifte als Alternative
Hilft alles nichts, wird der Treppenlift-Berater eine Alternative vorschlagen. Senkrechtlifte benötigen beispielsweise keine Schienen, sondern werden stattdessen parallel zur Treppe verbaut. Weil die Fertigung der Schienen entfällt, sind die Angebote bei gebrauchten Hubliften und anderen Senkrecht-Varianten deutlich attraktiver als bei klassischen Treppenliften (Treppenlift = Treppenschrägaufzug). Ein gebrauchter Hublift mit hoher Tragfähigkeit und befahrbarer Plattform (für Rollstuhlfahrer wichtig) ist nicht wesentlich teurer als ein gebrauchter Sitzlift (ab 3.500 Euro).

Angebote vergleichen
Was für neue Lifte gilt, das gilt selbstverständlich auch für gebrauchte Modelle. Statt das erstbeste Angebot zu akzeptieren, sollte man von seinem Recht Gebrauch machen und die Angebote verschiedener regionaler Händler miteinander vergleichen. Wartungsverträge und Garantieverlängerungen machen bei gebrauchten System durchaus Sinn, sollten aber immer eine zusätzliche Option darstellen und niemals von vornherein mit dem Treppenlift-Kauf verknüpft sein. Die Angebotserstellung an sich ist bei seriösen Firmen kostenlos – selbst Probefahrten werden für gewöhnlich unentgeltlich angeboten.

Ein gebrauchter Sitzlift ist beim Händler ab 3.500 Euro zu haben – inkl. Schienen und Einbau. Modelle für kurvige Treppen sind entsprechend teurer, da die Schienen individuell gefertigt werden müssen. Die Produktionszeit beträgt in etwa zwei bis drei Wochen. Im Durchschnitt sind gebrauchte Treppenlift ca. 50 % günstiger als vergleichbare neue Modelle.

Zuschüsse und Fördermittel: gebrauchte Lifte finanzieren
Ersparnis hin, Ersparnis her: Auch gebrauchte Treppenlifte sind teuer in der Anschaffung. Ist die Miete des Lifts keine Option (weil die Schienen zu viel Geld verschlingen würde und die Mobilitätseinschränkung dauerhaft bestehen bleiben wird), sollten unbedingt alle Finanzierungshilfen ausgelotet werden, um den Eigenanteil zu drücken. Die Ratenzahlung beim Händler kann die Belastung zusätzlich abschwächen.

KfW und Co
Zum einen können Mieter und Vermieter gleichermaßen eine 
Förderung bei der KfW beantragen.

Diese beträgt maximal 6.250 Euro und wird unabhängig vom Alter und Gesundheitszustand gewährt. Alternativ zur Förderung bietet die staatliche Förderbank einen besonders zinsgünstigen Kredit an. Mit anderen Fördermitteln sind die KfW-Produkt jedoch nicht kombinierbar.

Speziell für Hessen ist die Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen (WIBank) der richtige Ansprechpartner, wenn es um die Finanzierung behinderten- und altersgerechter Umbauten geht. Der 
Förderumfang des Investitionszuschusses beträgt bis zu 12.500 Euro.

 
Pflegebedürftig?
Personen mit Pflegegrad erhalten von der Pflegeversicherung einen sog. Zuschuss für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen. Dieser beträgt einmalig bis zu 4.000 Euro pro Person und maximal 16.000 Euro pro Haushalt. Gedacht ist die Förderung für sämtliche barrierefreie Modernisierungen. Eine exklusive Beteiligung an den Treppenlift-Kosten durch die gesetzl. Versicherungen nicht vorgesehen, da die Mobilitätshilfen nicht als Pflegehilfsmittel eingestuft sind.

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