Andreas Steffen und Rolf Lützow treten als Vorsitzende beim ACN ab Aus anfänglichem Chaos wurde eine echte Erfolgsgeschichte

tk. Buxtehude. Am Anfang stand eigentlich das Ende. Als Rallycrossfahrer Andreas Steffen 2007 den Vorsitz beim ACN (Automobilclub Niederelbe) übernommen hatte, stand der Verein vor dem Aus: Schulden, auch beim Fiskus, ein mieses Image in der Öffentlichkeit und eine marode Infrastruktur auf dem Estering waren prägend. Jetzt, 2019, sind der ACN und seine Rennstrecke Estering eine international erfolgreiche Größe im Motorsport. Nach Jahren des ehrenamtlichen Engagements nehmen Steffen und sein Stellvertreter Rolf Lützow den Hut und machen Platz für ein neues Führungsteam: „Wir hinterlassen einen erfolgreichen und gut aufgestellten Verein“, sagen beide. Die intensive Arbeit habe Spaß gemacht, doch jetzt sei es an der Zeit, kürzer zu treten. Beim ACN geht damit eine Ära zu Ende.

Lützow und Steffen blicken zurück: Wie groß das Desaster, wie hoch die Schulden waren, sei erst nach und nach ans Tageslicht gekommen. Andreas Steffen fällt eine Episode ein: „Ich saß bei einem Steuerberater, dem wir ein paar Tausend Euro schuldeten.“ Wir trinken einen Cognac zusammen und vergessen das Geld oder der Verein muss aufhören, habe er damals seinem Gegenüber gesagt. Der Gläubiger zog den Cognac vor. „Am Anfang haben wir öfter gedacht, das packen wir nicht“, blickt Steffen zurück. Die Vorstandssitzungen hätten in den ersten Jahren oft bis in die späten Nachtstunden gedauert, so viel war zu tun.

„Wir haben die Dinge auf die Reihe bekommen“, meint Rolf Lützow. Schulden abbauen, Vertrauen zurückgewinnen, die Strecke auf den Stand bringen, den der internationale Motorsportdachverband FIA vorschreibt, und vor allem: Rechtssicherheit schaffen. Gemeinsam mit Stadt und Landkreis wird eine Betriebsgenehmigung auf Grundlage des Bundesimmisionsschutzgesetzes erarbeitet. Der ACN nimmt dafür umfangreiche Schallschutzmessungen vor, pflanzt Hunderte Bäume und Sträucher entlang der Rennstrecke. „Ich habe in diesen Jahren gelernt, wie Politik funktioniert“, meint Andreas Steffen.

Der sportliche Erfolg kommt zurück: Mit dem global aktiven Sportmarketing-Unternehmen IMG aus London schließt der ACN einen Vertrag über fünf Jahre. „Es waren beinharte Verhandlungen“, blickt Andreas Steffen zurück. Die Marketingprofis wollten Geld verdienen, der ehrenamtliche Vorstand durfte sich dabei nicht über den Tisch ziehen lassen. Letztlich kamen durch diese Zusammenarbeit wieder EM- und Weltmeisterschaftsläufe auf den Estering. „Wir holen die Welt nach Buxtehude“ ist nicht ohne Grund der Slogan des ACN. 

So gut wie es sportlich lief, von Rückschlägen blieben Club und Vorstand nicht verschont: „Es gab immer wieder Anfeindungen“, sagt Andreas Steffen. Er fügt hinzu: „Das zehrt schon an einem.“ So sollte ein Rennen nur wenige Tage vor dem ersten Trainingslauf gerichtlich gestoppt werden. „Das ziehen wir durch“, war die Reaktion des Vorstands. Und durchziehen hieß damals: Entweder es gibt eine dauerhaft rechtssichere Grundlage oder die Türen vom Estering werden abgeschlossen.

Die letzte große Auseinandersetzung liegt noch nicht lange zurück. Der ACN hatte beantragt, Einschränkungen aus dem B-Plan zu reduzieren. Mehr Nutzungstage waren das Ziel. Stadt und Landkreis stimmen zu, es gibt eine neue Betriebsgenehmigung. Neben Kritikern aus Buxtehude steigt jetzt auch der BUND in die Auseinandersetzung mit ein und erzielt vor dem Verwaltungsgericht einen Sieg. Die Betriebsgenehmigung darf nicht in Kraft gesetzt werden. In einem Mediationsverfahren haben sich ACN, BUND, Stadt und Kreis geeinigt. „Es läuft prima“, sagt Rolf Lützow. 18 Tage im Jahr darf auf der Rennstrecke maximal gefahren werden. „Für uns völlig ausreichend“, so Lützow.

Wenn die beiden Vorstandsmitglieder auf die vergangenen Jahre zurückblicken, kommen sie zu dem Schluss: „Ein bisschen verrückt muss man schon sein.“ Alle Erfolge, betonen sie, seien nur möglich gewesen, weil es ein tolles Team gebe. Weil die Übernahme von Verantwortung für Lützow und Steffen nicht mit ihrem Entschluss endet, nicht mehr für eine Wahl anzutreten, haben sie dafür gesorgt, dass es an der Spitze des ACN nahtlos weitergeht. Die Jahreshauptversammlung am 14. Februar (20 Uhr in Ruschwedel im Gasthaus Augustin) wird ein neues Führungsteam bestimmen.

Andreas Steffen will möglichst noch ein Jahr in der neuen Rennserie „TitansRX“ mitfahren. Die wird im September 2020 auf dem Estering zu Gast sein. „Mal sehen, ob ich dabei bin“, meint der Motorsportler. Er muss die gewaltige Summe von 250.000 Euro von Sponsoren einwerben, um mitfahren zu können. Die beiden Rallycrossverrückten könnten dann in den kommenden Jahren miterleben, wie sich der Sport verändert. Ab 2022 soll laut FIA Rallycross elektrisch sein. Andreas Steffen geht davon aus, dass E-Rallycross für eine Transformation sorgen wird, Motorsport wird vielleicht mehr zu einem Lifestyle-Event. Wie sich der ACN dann positioniert, wird das neue Team entscheiden. „Eine neue Generation trifft andere Entscheidungen – und das ist gut so“, meint Andreas Steffen.

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