Wie sich die Handball-Bundesliga Frauen verändert Superleistungen – doch (noch) fehlt das große Geld

tk. Buxtehude/Buchholz. Die „Handball-Luchse“ HL Buchholz 08-Rosengarten und der Buxtehuder SV sind das Höchstklassige, was es an Sport in der Region gibt. Beide Teams spielen in der Handball-Bundesliga Frauen (HBF) und bieten Leistungssport auf Topniveau. Dennoch sind „Luchse“ und BSV kleine Lichter, wenn es um den Etat, mögliche TV-Zeiten und Einnahmen von Topsponsoren geht. Zum Vergleich: Im Durschnitt hat jede Mannschaft der HBF einen Jahresetat von 0,95 Millionen Euro. Viele Teams, wie etwa die „Luchse“, liegen auch deutlich darunter. Die Teams der Volleyball-Bundesliga der Frauen kommen dagegen auf ein Jahresbudget von 1,2 Millionen Euro. Was machen die Volleyballerinnen anders und wohin kann sich der Frauen-Handball entwickeln? Das wollte das WOCHENBLATT vom Buxtehuder Handball-Marketing-Geschäftsführer Peter Prior und seinem Buchholzer Pendant Sven Dubau wissen. „Die Volleyballerinnen haben die Zeichen der Zeit früher erkannt“, sagt Prior.

Schon vor Jahren, so der BSV-Manager, wurden bei Volleyball Standards gesetzt: Halle mit Volleyballboden, Tribünen auf zwei Seiten. Da ziehe der Frauen-Handball jetzt nach. Doppelte Tribüne, reiner Handballboden und LED-Bande seien demnächst vorgeschrieben, wenn es um die Bundesliga gehe. Wo Volleyball schon ist, will Handball hin. „Die Liga macht Druck und da kommt Bewegung rein“, meint „Luchse“-Geschäftsführer Sven Dubau.

Das hat nichts mit Sporthallen-Kosmetik zu tun, sondern damit, dass der Sport so besser vermarktbar und vor allem TV-kompatibler wird. 60 bis 70 Volleyballspiele werden pro Jahr live auf „Sport 1“ übertragen.
Ein weiterer Unterschied: Beim Volleyball sind Männer und Frauen absolut gleich. Es gebe zum Beispiel nur eine Website. „Beim Handball sind es dagegen noch unterschiedliche Welten“, so Prior. Wenn ab 2025/26 die neuen Regeln der HBF gelten, die explizit Volleyball zum Vorbild hatten, dann werde es auch fürs TV ansprechendere Bilder geben, so Prior. Der BSV wird dann in einer neuen Halle spielen, die „Luchse“ sind davon noch sehr viel weiter entfernt.

Peter Prior warnt dennoch vor zu viel Euphorie mit den neuen und höheren Standards, vor allem mit Blick auf die Ligen in Europa. Beispiel: Bietigheim spiele in der HBF habe einen Etat von rund 2,5 Millionen Euro. „Damit hat das Team in Europa keine Chance“, sagt Prior, der im Schnitt einen Etat von einer Million Euro pro Saison zur Verfügung hat. Derzeit Corona-bedingt weniger. Selbst die finanziell besser ausgestatteten Volleyball-Teams der Frauen-Bundesliga würden in Europa keine Rolle spielen. Wer darüber nachdenke, dass Deutschlands Frauen-Handballteams international spielen, der müsse über „eine ganz andere Vermarktung nachdenken.“

Auch wenn sich das nicht in Euro und Cent ausdrückt – „was wir und der BSV machen, ist einzigartig“, sagt Sven Dubau von den „Luchsen“. Er meint damit die Kooperation beider Vereine in Sachen Ausbildung und Nachwuchsförderung. Auch wenn es keine Einnahmen aus TV-Rechten in sechsstelliger Höhe gibt, genießen die beiden Handballgrößen der Region einen hervorragenden Ruf. „80 Prozent unserer Spielerinnen bekommen wir ohne Spielervermittler“, sagt Sven Dubau. 

Was der BSV-Geschäftsführer Peter Prior beim Thema bessere Vermarktung und dadurch höhere Einnahmen noch zu bedenken gibt: „Deutschland wird vom Fußball dominiert.“ Im Fernsehen finde kaum etwas anderes statt. „Wann gibt es zum Beispiel Leichtathletik, außer bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften?“, stellt Peter Prior als rhetorische Frage.

Mehr Aktuelle Nachrichten aus Buxtehude und der Region

Menü