Chaos bei den Lockerungen Buxtehuder Tanzlehrerin enttäuscht von Politik

sla. Buxtehude. Seit fast zehn Wochen ist die Buxtehuder Tanzschule aufgrund der Corona-Pandemie geschlossen. In der letzten Zeit hat sich Inhaberin Cristina Veglison fast täglich an die Behörden gewandt, um konkrete Auskunft zu erhalten, wann sie ihre Tanzschule wieder öffnen darf.

Indoor-Sportanlagen weiterhin gesperrt

Die Tränen kann sie nicht zurückhalten, als sie von ihren Bemühungen berichtet – ein Wechselbad der Gefühle: Am 13. Mai erhielt sie als Antwort per E-Mail von der zuständigen Behörde die Information, dass Tanzschulen unter Einhaltung der Mindestabstände wieder geöffnet haben dürfen. Gleich am nächsten Tag kam eine E-Mail, dass die Genehmigung zurückgezogen werde und in Niedersachsen erst ab 25. Mai darüber nachgedacht werde, wann die „Indoor-Sportanlagen“ wieder öffnen dürfen. Die erste Mail sei eine Fehlinformation.

Kosten aber keine Einnahmen

Die Situation spitzte sich jetzt für die Buxtehuder Tanzschullehrerin zu, die derzeit wie viele andere auch, keine Einnahmen hat, während die Kosten weiterlaufen, wie etwa die Gehälter der Tanzlehrer, die trotz Kurzarbeit weiterhin in voller Höhe von der Tanzschulinhaberin bezahlt werden, Leasingraten, Kredite und die Miete für die Zweigstelle im Brillenburgsweg. Erst kürzlich wurde die Tanzschule, die Veglison seit 42 Jahren in der Carl-Hermann-Richter-Straße betreibt, grundlegend saniert. Die Modernisierung der Sanitäreinrichtung hat sie vorerst verschoben. Die Beiträge erstattet sie den rund 400 Mitgliedern, viele zahlen dennoch weiter, damit „ihre“ Tanzschule nicht schließen muss.

Jede Woche streamen die Tanzlehrer Live-Videos für ihre Tanzschüler, veranstalten per Internet „Kochen in den ersten Mai“ und andere Aktionen. 70 Neuanmeldungen liegen für Tanzkurse wie Hip-Hop, Salsa oder Standardtänze vor, und keiner durfte starten. Cristina Veglison störte vor allem die Ungerechtigkeit: „In Nordrhein-Westfalen dürfen Tanzschulen bereits wieder öffnen und in Niedersachsen nicht, obwohl wir hier wesentlich weniger Coronainfizierte haben.“ Von dem verantwortlichen Politiker wollte sie gerne wissen: „Herr Weil, wieso infizieren sich Tanzschüler, die bei Tänzen wie Hip-Hop und Lady Salsa auf Abstand tanzen, leichter als Fußballer? Und wer soll eigentlich die Autos kaufen, wenn es keine Arbeitsplätze mehr gibt, weil der Mittelstand zerstört ist?“

Tanzschulen als Bildungseinrichtung

Nun kam die Rettung: Am 15. Mai erhielt Cristina Veglison eine erneute E-Mail, mit der Mitteilung, dass das Land Niedersachsen seine Auslegung der Niedersächsischen Verordnung zur Bekämpfung der Corona-Pandemie geändert hat. „Tanzschulen sind nun als Bildungseinrichtungen anzusehen. Gemäß § 2h dieser Verordnung ist die Wahrnehmung von Bildungsangeboten, ausgenommen Bildungsangebote mit Übernachtung, und die Durchführung von Prüfungen an Volkshochschulen und sonstigen öffentlichen und privaten Bildungseinrichtungen im außerschulischen Bereich , zulässig, wenn sichergestellt ist, dass jede Person beim Betreten und Verlassen der Einrichtung sowie beim Aufenthalt in der Einrichtung einen Abstand von mindestens 1,5 Metern zu jeder anderen Person, die nicht zum eigenen Hausstand gehört, einhält. Die Betreiberin oder der Betreiber einer Einrichtung nach Satz 1 ist darüber hinaus verpflichtet, Hygienemaßnahmen zu treffen, die geeignet sind, die Gefahr einer Infektion mit dem Corona-Virus SARS-CoV-2 zu vermindern, die Namen, Vornamen und Kontaktdaten der teilnehmenden Personen mit deren Einverständnis zu dokumentieren sowie Möglichkeiten der Desinfektion zu gewährleisten… Somit dürfen Sie Ihre Tanzkurse wieder unter den oben genannten Bedingungen durchführen“, steht in der E-Mail, die Cristina Veglison unter Freudentränen liest.

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