Dehoga-Kreisvorstände kritisieren fehlende Öffnungsperspektiven Zukunft der Gastronomie?

(bim). Während Friseursalons und Gartencenter aktuell aufgrund der ermöglichten Öffnungen wieder ein kleines Licht am Horizont sehen können, ist die Gastronomie – allen anerkannten Hygienekonzepten und -bemühungen zum Trotz – seit Anfang November und weiter auf unbestimmte Zeit geschlossen. Die Verlängerung des Lockdowns (vorerst) bis zum 7. März und eine weitere Senkung der Inzidenzwerte vor Öffnungsperspektiven von 50 auf 35 treiben Gastwirte und Hoteliers an den Rand der Verzweiflung. Das WOCHENBLATT fragte bei den Vorständen der Kreisverbände des Deutschen Hotel- und Gaststätten-Verbandes (Dehoga) in den Landkreisen Harburg und Stade nach.
Sowohl Thomas Cordes, Vorsitzender des Dehoga-Kreisverbandes Harburg und in vierter Generation Inhaber des gleichnamigen Hotels und Restaurants in Rosengarten, als auch Lutz Feldtmann, Vorsitzender des Dehoga-Kreisverbandes Stade und Inhaber des Hotels „Vier Linden Kiek in“ in Stade, sind entsetzt, dass die ganze Branche bei der Ankündigung der jüngsten Maßnahmen einfach unerwähnt blieb. „Welche Wertigkeit haben wir für die Politik?“, fragen sie. Aus Gesprächen mit Kollegen wissen sie, dass die Stimmung inzwischen immer aggressiver und ablehnender wird.
„Zutiefst enttäuscht,
was man mit uns macht“

„Es ist eine Katastrophe. Letztlich sind wir alle zutiefst enttäuscht über das, was man hier mit uns macht“, sagt Thomas Cordes. Wie alle Gastronomen hat er in seinem Haus Hygienekonzepte umgesetzt und u.a. in elektrische Desinfektionssprüher investiert. Auch werde er weiter investieren, u.a. in Luftreiniger.
Die ersten finanziellen Corona-Unterstützungen des Bundes, die Novemberhilfe und ein Abschlag der Dezemberhilfe, seien bei ihm Anfang Februar geflossen. Außerdem habe er bisher die Altersvorsorge in sein Unternehmen gesteckt. „Unsere Mitarbeiter wollen wieder mit ihren eigenen Händen Geld verdienen. Vier Mitarbeiter haben mich schon verlassen und sind in anderen Branchen tätig. Ob die wiederkommen, weiß ich nicht.“
Was Lebensmittel angeht, erklärt er: „Wir versuchen, alles abzuverkaufen oder selbst zu essen. Wein wird zum Einkaufspreis abgegeben, manche Getränke zur Mitnahme gegen Pfand.“ Von dem in Corona-Zeiten etablierten Außer-Haus-Verkauf profitierten manche Gastronomen mehr, andere weniger.
Was Geschäftsaufgaben angeht, glaubt Thomas Cordes, dass die Gastronomiebetriebe im Landkreis Harburg einen längeren Atem haben, weil es sich überwiegend um gewachsene Familienbetriebe im eigenen Besitz handele.
„Wir waren schon vor
Corona Hygieneprofis“

„Wir sind nicht das Problem, sondern ein Teil der Lösung. Wir waren schon vor Corona Hygieneprofis. Die Gastronomie steht in der Öffentlichkeit. Wenn man aber Feiern und Zusammenkünfte in den privaten Bereich drängt, gibt es aufgrund fehlender Hygienekonzepte einen Kontrollverlust“, sagt Lutz Feldtmann. Das würden die Infektionszahlen beweisen, steigende Ansteckungen seien nicht auf das Gastro- und Hotelgewerbe zurückzuführen.
„Zwei Drittel aller Betriebe in Deutschland bangen inzwischen laut einer bundesweiten Dehoga-Befragung um ihre Existenz“, berichtet Feldtmann. Prognosen zufolge werde es 35 bis 40 Prozent der Betriebe – Imbisse, Hotels, Restaurants, Cafés, Discos und Kneipen – in nächster Zeit nicht mehr geben. Das hänge auch mit der Rückzahlung von Krediten zusammen, die zum Teil aufgrund der Ausfälle in der bislang fast viermonatigen Zwangsschließung nicht bedient werden können. Die gesamte Branche habe von März bis Dezember 2020 Umsatzeinbußen von 43,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet.
Im Alten Land zum Beispiel habe der erste Lockdown in die Hauptsaison der Apfel- und Kirschblüte im April und Mai eingeschlagen. „Diese Verluste holt man nicht auf“, erläutert Lutz Feldtmann. Abgesehen von abgesagten Schützen- und anderen Volksfesten für alle Bewirtungsbetriebe besonders schmerzlich sind zudem die Ausfälle des Weihnachts- und Silvestergeschäfts.
Hinzu kommt: 75 Prozent der Betriebe bundesweit würden noch auf die komplette Auszahlung der Dezemberhilfe warten, ein Drittel der Unternehmen warte sogar noch auf die vollständige Auszahlung der Novemberhilfe. Die Auszahlung werde von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich gehandhabt. „Nichtsdestotrotz sind wir dankbar, dass die Branche mit Hilfen bedacht wird“, so Feldtmann.
Beide Dehoga-Kreisvorsitzenden erklären: „Wir brauchen Öffnungsperspektiven, auch für unsere Mitarbeiter! Wir wollen wieder für unsere Kunden da sein.“ Und das mit einem vernünftigen Vorlauf nach Möglichkeit vor Ostern, so wie es über 80 Prozent der Betriebe bundesweit fordern.

Aktuelle Umfrage-Ergebnisse

Laut der jüngsten Umfrage des Dehoga-Bundesverbandes, die am Dienstag veröffentlicht wurde, betrug der Umsatzverlust im Gastgewerbe im Januar 2021 im Vergleich zum Vorjahr 78 Prozent. Erst 63,5 Prozent der Betriebe haben die kompletten Novemberhilfen erhalten, bei den Dezemberhilfen nur 23,3 Prozent. 63,9 Prozent der Betriebe würden um ihre Existenz bangen und sogar jedes vierte Unternehmen (24,8 Prozent) konkret eine Betriebsaufgabe in Erwägung ziehen.

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