Regionales Obst wird im Handel weniger beworben / Betroffene appellieren an Verbraucher Preiskampf bei Kirschen im Alten Land

sla/jab. Altes Land. Verführerisch warten Regina, Carmen, Wanda und Kordia prall und süß direkt an den Ständen der Obstbauern. Einige Stammkunden wie das Ehepaar Broy aus Sottrum wissen die Qualität der Altländer Kirschen zu schätzen. „Wir sind extra 80 Kilometer gefahren, um hier die süßen Früchte zu kaufen“, sagt Rainer Broy. Die größte Menge ihrer Ernte muss Meta Hauschildt allerdings momentan in den Hallen der Erzeugerorganisation Elbe Obst einlagern. „Die Preise für Kirschen sind eingebrochen“, erzählt die Obstbäuerin.
Preis bestimmt
das Angebot
Länder wie die Slowakei, die Türkei und Spanien haben das inländische Angebot in den Hintergrund gedrängt, erklärt Hauschildt. Das Ringen um die Regalplätze im Supermarkt sei ein harter Kampf und werde über den Preis bestimmt. Geld gebe es für die Altländer Obstbauern erst, wenn ihre Kirschen an die Supermärkte verkauft wurden – und die decken sich momentan mit günstigeren Süd-Importen ein.
500 bis 1.500 Kilo werden derzeit täglich auf dem Hof von Hauschildt geerntet. Um Schäden durch Frost oder Regen vorzubeugen, ist die 2,5 Hektar große Kirschplantage überdacht. Eine nicht unerhebliche, aber notwendige Investition. Die Qualität der Kirschen sei dadurch viel besser. Aber auch Kosten wie Mindestlöhne und diverse Auflagen vom Abstand zu Gräben bis hin zum Pflanzenschutz machen es den Obstbauern nicht gerade leicht – und erhöhen letztlich die Preise für die Kirschen. Derartige Auflagen gebe es in der Türkei nicht, so Meta Hauschildt.
Appell an die
Verbraucher
Bereits ab Mitte Mai werden Kirschen aus der Türkei nach Deutschland geliefert. Deutsche Kirschen werden ab Mitte Juni bis Ende Juli geerntet. Der Klimawandel hat die Erntezeit um rund zwei Wochen nach vorne verschoben – und dadurch auch für eine Überschneidung mit anderen Anbietern gesorgt. Umso ärgerlicher finden es die Obstbauern, wenn Supermärkte mit Regionalität werben, die nicht den Tatsachen entspricht. Betroffene Obstbauern appellieren daher jetzt an die Verbraucher, die regionale Ware auf den Höfen oder den Wochenmärkten direkt vom Erzeuger zu kaufen, oder beim Einkauf im Supermarkt genau auf Herkunft zu achten. Letztlich seien die türkischen Kirschen rund eine Woche auf langen Transportwegen unterwegs, bis sie im Supermarktregal ankommen, was dem Klima und der Kirschenqualität schade, sagt Hauschildt.
Ähnlich sieht es Dr. Matthias Görgens von der Obstbauversuchsanstalt Jork. „Wir haben einen freien europäischen Markt. Schon seit Jahren werden die Obstbauern mit dem Problem konfrontiert, dass die Konkurrenz aus südlichen Ländern groß ist“, sagt Görgens. Beim zentralen Einkauf werde leider nur bedingt auf regionale Produkte eingegangen. Je nach Reifezeitpunkt der Kirschen kommt es zu Überschneidungen mit anderen Anbietern. Und dieses Jahr habe die Kirschenernte besonders früh begonnen. „Das Problem mit dem Handel ist bekannt“, so Görgens, der ebenfalls an die Verbraucher appelliert: Jeder kann etwas tun, indem er regionale Produkte kauft.
Elbe-Obst-Verkaufsleiter Björn Wieneke bestätigt, dass zwar beide Produkte – das ausländische und das regionale – von den Supermärkten eingekauft würden, aber hauptsächlich die Importware beworben werde. Da in der Türkei die Ernte sehr gut lief, drängen die Obst-Importeure mit aggressiven Preisen auf den Markt. Letztendlich entscheide der Kunde: Preis oder Regionalität. „Der Trend geht in Deutschland leider zu den günstigen Preisen“, meint Wieneke.
Verkaufszeit
kommt noch
Derzeit spiele das Wetter noch nicht so ganz mit, denn Kirschen werden vor allem bei sommerlichen Temperaturen gekauft. Wieneke rechnet aber in den kommenden Wochen mit besserem Wetter und so mit einem höheren Absatz. „Zwar würden wir gern schon früher mehr verkaufen, aber die Kirschen können wir gut lagern“, so Wieneke. Daher sei er noch gelassen. Größere Probleme hätten dagegen die Erzeuger, die ohne Dächer über den Gehölzen produzierten, da sie ihre Ware direkt nach der Ernte vom Stand verkaufen müssten. Die frühen Sorten seien empfindlicher, müssten schnell verkauft und könnten schlechter gelagert werden.
Das derzeitige Wetter und die Überdachungen auf vielen Plantagen sei im Moment ein großer Vorteil für die regionalen Produkte. Die Früchte reifen langsamer und geschützt. Dadurch könnten sie später geerntet werden und ließen sich noch besser lagern. Hinzu komme, dass die Zeit der türkischen Früchte bald vorbei sei, so Wieneke. „Dann bedienen wir die Lücke.“

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