Unternehmen spürte bereits die Folgen aus China Die Reederei NSB aus Buxtehude hatte früh mit Corona zu tun

tk. Buxtehude. Wie kommt ein Unternehmen, das auf allen Weltmeeren unterwegs ist, Waren in alle Kontinente transportiert und über Niederlassungen in Asien verfügt, durch die Corona-Krise? Das WOCHENBLATT hat bei der Reederei NSB nachgefragt. Ein interessantes Detail: Die ersten Auswirkungen habe die NSB gespürt, als das Virus von Europa noch tausende Kilometer entfernt war. „Arbeiter in China konnten die Werft nicht mehr verlassen, Lieferungen blieben aus und die Arbeiten ruhten teilweise“, sagt Dominique Kreuzkam, der bei der NSB für die Unternehmenskommunikation verantwortlich ist.

Einige Seeleute seit Monaten unterwegs

Wer bei der NSB zu den Auswirkungen der Pandemie nachfragt, bekommt zudem eine Aussage, die manche Klage hierzulande über geschlossene Clubs und Hygieneregeln relativiert. Kreuzkam: „Im Vergleich zu der Situation an Bord sind die Einschränkungen für uns an Land ein echtes Luxusproblem.“ Denn am 18. März hatte die Reederei, wie viele andere auch, beschlossen, die Crews nicht mehr auszutauschen. Einige der Seeleute waren zu diesem Zeitpunkt bereits seit Monaten unterwegs. Seit Ende Mai beginnen die sogenannten Crewchanges langsam aber wieder.

Lieferengpässe und Probleme mit der Versorgung

Dass die NSB früh bemerkt hat, dass Corona gravierende weltweite Auswirkungen haben wird, obwohl die Pandemie erst in China wütete, hat nicht verhindert, dass massive Folgen bewältigt werden mussten. Dominique Kreuzkam führt eine lange Liste auf: Es seien Lieferengpässe bei der Versorgung der Schiffe spürbar gewesen, der Aufwand für Lieferungen – auch für Verpflegung – sei viel aufwändiger und teurer geworden. Die Dockung eines von der NSB betreuten Schiffes in China musste verkürzt werden. Es hätten sonst wochenlange Verzögerungen gedroht.

Sicherheitskonzept 

Als Corona schließlich Deutschland erreichte, stand – wie überall – im Mittelpunkt: „Wie können wir unsere Mitarbeiter schützen?“ Wie in anderen Unternehmen auch, wurden ganze Teams ins Homeoffice geschickt, die Zahl der Laptops aufgestockt und Konferenzen per Video abgehalten. In der NSB-Kantine gibt es zudem Essen nur noch zum Mitnehmen. Seit Mitte Mai werde die Präsenz im Buxtehuder NSB-Hauptquartier langsam wieder hochgefahren. 

Über die Auslastung ihrer Schiffe ist die Reederei grundsätzlich bestens im Bilde. Über das sogenannte „Vessel Performance Center“ (VPC) werden in Echtzeit Leistungs- und Verbrauchsdaten, aber auch die Anzahl der geladenen Container ermittelt. Mit Blick auf die vergangenen fünf Monate sei auf einigen Routen besonders im Übergang von April zu Mai ein Einbruch bei der Containerzahl zu bemerken. Wobei laut Kreuzkam nicht generell von einem ungebrochenen Negativtrend gesprochen werden könne. Es gebe auch Schiffe, die mehr transportiert hätten und neue Charterverträge, die abgeschlossen werden. Der Trend, dass Schiffe nichts zu transportieren hätten, drehe sich zudem wieder.

Weltweiter Lockdown zeitverzögert in Europa

Die Geschäftsführung der NSB geht davon aus, dass sich der weltweite Lockdown zeitverzögert auf Europa und Deutschland auswirken werde. Wobei ein Vergleich mit der weltweiten Finanzkrise 2008 wenig aussagekräftig sei. „Es wurde damals weiterproduziert und auch konsumiert“, sagt Dominique Kreuzkam. Hingegen lag jetzt die Produktion wochenlang brach.

Experten gehen davon aus, dass die Fracht- und Charterraten im dritten Quartal auf dem Tiefpunkt angekommen seien. Danach werde sich voraussichtlich eine Trendwende anschließen. „Nachholeffekte werden wohl erst 2021 greifen“, meint der Kommunikations-Verantwortliche der Reederei.

Von Schwarzmalerei kann an der Harbuger Straße in Buxtehude aber nicht die Rede sein. Dominique Kreuzkam: „Wir beobachten die Lage sehr genau und bereiten uns auf ein Anziehen der Märkte vor.“

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