Winsener Firma baut Lkw mit Wasserstoffantrieb

thl/jab. Winsen/Stade. Brennstoffzellenautos mit Wasserstoff gelten als saubere Alternative zu Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren: Lokal sind sie emissionsfrei. Doch wie funktionieren diese Autos? Für die Umrüstung auf Wasserstoffantrieb „entkernen“ die Mitarbeiter der Firma Clean Logistics aus Winsen gebrauchte Lkw mit Hybridantrieben nahezu komplett. Sogar eine neue Hinterachse wird eingebaut, die einen elektrischen Achsnabenantrieb erhält.
Nach Demontage der Diesel- und Nebenaggregate der Sattelzugmaschine und dem Versand der Altteile an Outsourcingpartner erfolgt die modulare Umrüstung auf Wasserstoff- und Brennstoffzellenbasis zu HyBat-Trucks. „Die Kombination von wasserstoffbetriebenen Brennstoffzellen und Lithium-Ionen-Akkusystemen zur Energiespeicherung bietet klimafreundliche Antriebstechnologie mit großem Potenzial für den schweren Güterverkehr“, so Geschäftsführer Dirk Lehmann.
Der Prototyp – eine 40-Tonnen-Lkw-Sattelzugmaschine – soll Ende dieses Jahres vom Band rollen. Der Truck wird eine Reichweite von rund 400 bis 500 km haben. Die Kosten für das erste Fahrzeug belaufen sich auf rund 400.000 Euro. „Wenn die Lkw später in Serie gehen, werden sie selbstverständlich auch preiswerter“, so Lehmann. Und auch die Reichweite werde deutlich größer – je nach Kundenwunsch.
Übrigens: Neben dem Wasserstoff verfügt jeder HyBat-Truck über ein leistungsfähiges Batteriesystem, das für sich allein eine Reichweite von über 100 km gewährleistet.
„Deutschland hat sich im Rahmen des Pariser Klimaschutzübereinkommens das Ziel gesetzt, seine Treibhausgasemissionen im Vergleich zu 1990 bis 2050 um 80 bis 95 Prozent zu reduzieren“, erklärt Geschäftsführer Dirk Graszt. „Eine besondere Herausforderung stellt der Straßengüterverkehr dar, der bis 2030 prognostiziert um 39 Prozent zunehmen wird.“ Insbesondere im Bereich des schweren Fernverkehrs gelte es deshalb, geeignete Lösungen zu finden, um die vereinbarten Klimaschutzziele zu erreichen. Aus diesem Grund habe man ein mittelständisches und stark unternehmerisch geprägtes Konzept für alternative Antriebe für den schweren Güterverkehr entwickelt. Hierbei wird auf den Einsatz von Wasserstoff-Brennstoffzelle in Verbindung mit einem elektrischen Achsnabenantrieb gesetzt, der in der Konsequenz zu den sogenannten „Zero-Emissionen“ führt.
Das Problem bei der „Antriebsart der Zukunft“ ist die schwache Infrakstruktur, denn noch ist das Netz an Wasserstofftankstellen dünn. Bundesweit gibt es derzeit laut ADAC 84 Tankstellen mit Wasserstoff-Zapfsäulen. In ganz Europa sind es nur 134. Damit dürften Fernverkehrsfahrten mit dem HyBat-Truck schwierig werden.
Den Ausbau des Tankstellennetzes haben die Macher der Clean Logistics jetzt Elisabeth Winkelmeier-Becker, Parlamentarische Staatssekretärin der CDU beim Bundesamt für Wirtschaft und Energie, und Oliver Grundmann, Bundestagsabgeordneter der CDU, mitgegeben, als diese das Unternehmen besichtigten (das WOCHENBLATT berichtete). „Nur so können wir unseren Gedanken ‚umweltgerecht denken, grün transportieren‘ auch umsetzen“, machte Graszt deutlich.
Auch im Landkreis Stade setzt man auf das Thema Wasserstoff. Aufgrund fehlender Infrastruktur ist hier zwar die Nutzung von Wasserstoff betriebenen Fahrzeugen derzeit noch nicht möglich. Das Know-how im Umgang mit dem Stoff ist aber bereits vorhanden: Beim ortsansässigen Chemieunternehmen Dow fällt Wasserstoff von rund 50.000 Tonnen als Nebenprodukt bei der Salzwasser-Elektrolyse an. Und mit dem Anleger für verflüssigte Gase im Rahmen der Erweiterung des Stader Industriehafens ist bereits ein weiterer Schritt zur Wasserstoff-Region Stade in Planung.
Hier ist man nun auch einen großen Schritt weiter in Richtung Hafenterminal gekommen. Das wirkt sich nicht nur positiv auf die Nutzung von Wasserstoff, sondern auch in Hinblick auf das verflüssigte Erdgas (auf Englisch gekürzt LNG = Liquified Natural Gas) aus, das wie Wasserstoff als Alternative zu Diesel und Benzin gilt. Neun potenzielle Anbieter für LNG aus Asien und Europa haben bereits eine Absichtserklärung, LNG nach Stade zu liefern, unterschrieben. Rund 800 Millionen Euro einer internationalen Fondsgesellschaft sollen das Projekt finanzieren. Geplant ist der Baubeginn für das Jahr 2022, nach drei Jahren könnte das Terminal in Betrieb gehen.

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