Der “streng geheime” Funkturm von Wesel

Bürger wollen 47 Meter hohen Mast im Ort verhindern / Polizei stellt Anlage auf.mum. Wesel. Isabella Stisch wohnt einfach idyllisch. Von ihrer Terrasse aus in Wesel (Samtgemeinde Hanstedt) schaut sie auf grüne Wiesen. Genau diese Szenerie könnte der Lehrerin jetzt einen 47 Meter hohen Funkturm als Nachbarn bescheren. Um eine “schnelle und verlässliche Hilfe im Notfall durch Feuerwehr, Polizei oder Rettungsdienst zu gewährleisten”, plant die “Autorisierte Stelle Digitalfunk Niedersachsen” (ASDN, eine Abteilung der niedersächsischen Polizei) den riesigen Mast am Ende des Meninger Wegs – nur einen Steinwurf von Isabella Stischs Haus entfernt. Zwar soll die Anlage den Einsatzkräften im Falle von Notlagen als Kommunikationshilfe dienen, doch die ASDN schließt nicht aus, dass private Funknetzanbieter ihre Antennen gegen eine Gebühr montieren dürfen. Das bestätigte Projektleiter Walter Füchsel auf Nachfrage.”Mit dem Gedanken kann ich mich nicht anfreunden”, sagt Stisch. Sie betont, nicht aus Prinzip gegen den Ausbau des Funknetzes zu sein. “Ich kann nur nicht verstehen, warum das ausgerechnet in der unmittelbaren Nähe eines Wohngebietes sein muss.” Stisch weist auf unzählige Studien hin, die belegen, dass die Strahlung, die von solchen Funkanlagen ausgeht, gesundheitsschädigend ist. Am meisten ärgert sich die Lehrerin aber darüber, dass in ihrer Gemeinde der Informationsfluss nicht funktioniert. Bereits 2015 gründete sich eine Gruppe in Wesel, die sich für den Ausbau des Funknetzes einsetzt. “Ich bat, in der Gruppe mitarbeiten zu dürfen”, so Stisch. Doch kritische Stimmen waren wohl nicht erwünscht. Der Weselerin wurde die Mitarbeit verweigert. Stattdessen erfuhr sie zufällig, dass der Mega-Turm nun in ihrer Nachbarschaft aufgestellt werden soll. Einwände seitens der Grundstückseigentümer sind kaum zu erwarten. Sie wohnen in München beziehungsweise in Frankfurt – weit weg von möglichen Strahlen.Anfangs wollten die Weseler – so der Eindruck von Stisch – nichts von den Bedenken hören. Ein Banner, das sie befestigte, wurde beschädigt und schließlich gestohlen. Langsam kippt die Stimmung. Gemeinsam mit weiteren Standort-Gegnern sammelte sie Unterschriften von mehr als 50 Parteien. “Das sind diejenigen, die direkt betroffen sind”, so Stisch.Der Polizei dürfte die Aufmerksamkeit gar nicht recht sein. Der Standort sollte geheim gehalten werden – “aufgrund des besonderen Schutzbedarfs”.Das gespaltene DorfIsabella Stisch möchte verhindern, dass direkt in ihrer Nachbarschaft ein 47 Meter hoher Funkturm aufgestellt wird. “Ich kann zwar verstehen, dass andere Weseler gern besseren Empfang haben möchten, aber warum kann der Mast dann nicht weiter außerhalb aufgestellt werden?”, fragt sie. Konkret denkt sie an Flächen zwischen den jeweiligen Ortschaften Schierhorn, Handeloh-Inzmühlen oder Undeloh auf der einen und Wesel auf der anderen Seite.Für Irritation sorgt zusätzlich der Betreiber. Die “Autorisierte Stelle Digitalfunk Niedersachsen” (ASDN) argumentiert, dass der Standort wichtig sei, um in einem Notfall die Kommunikation zwischen den Einsatzkräften zu koordinieren. Diese Aussage überrascht Isabella Stisch. Ihr liegt eine Aussage von den betreffenden Einsatzkräften vor. Demnach hätten unter anderem der Kreisbrandmeister und der Kreisbeauftragte für Funkangelegenheiten bestätigt, “dass die Feuerwehren im Landkreis Harburg kein Problem mit dem so genannten BOS-Funk haben”. Welchen Sinn macht es da also, dass in Wesel ein Mega-Mast aufgestellt wird?• Wie die Gemeinde Undeloh – Wesel ist ein Ortsteil – mit der Aufstellung des Funkturms umgeht, erinnert stark an die Gemeinde Jesteburg. Dort wollte man das Thema Anfang April nur im nicht-öffentlichen Verwaltungsausschuss (VA) diskutieren (das WOCHEnBLATT berichtete). Formal mag das richtig gewesen sein, denn es handelte sich um einen Pachtvertrag zwischen der Gemeinde und der Deutschen Funkturm GmbH und Verträge werden in der Regel nicht-öffentlich diskutiert. Nachdem Grüne und UWG Jes! die Abstimmung in den Gemeinderat verlegten, nutzen zahlreiche Betroffene die Einwohnerfragestunde, um ihren Unmut kundzutun.Inzwischen einigte man sich auf einen Kompromiss. Mindestens in den kommenden zwölf Monaten wird es keinen neuen Sendemast in der Gemeinde geben. Die Gemeinde wird durch ein Fachbüro ein Telekommunikations-Konzept erstellen lassen. Darin soll unter anderem festgehalten werden, wo künftig Sendemasten aufgestellt werden sollen und wo nicht. Außerdem sollen in diesem Papier nicht nur das Thema Mobilfunk, sondern sämtliche Alternativen – etwa Glasfaser – berücksichtigt werden.Info-Abend mit ExpertenIsabella Stisch orientiert sich bei ihrem Protest an Jesteburg. Sie hat sich dazu entschlossen, einen Info-Abend zu organisieren. Gast soll unter anderem Dr. Peter Nießen vom Fachinstitut für Elektromagnetische Verträglichkeit zur Umwelt (EMVU) in Köln sein. Der Diplom-Physiker und anerkannte Sachverständige im Bereich elektromagnetischer Strahlung vermittelte bereits in Jesteburg. Außerdem soll der Baubiologe Wolfgang Kessel seine Einschätzung abgeben. “Leider ist es sehr schwer, die beiden Experten unter einen Hut zu bringen”, sagt Stisch. Sie hofft, dass dies vielleicht am Montag, 17. Juni, gelingen kann. Die Heidehalle in Wesel sei bereis gebucht. Falls es nicht gelingt, die Experten nach Wesel zu bekommen, zeigt Stisch den Film “Faktencheck – Die gesundheitliche Wirkung der Mobilfunkstrahlung” von Lothar Moll und Klaus Scheidsteger. Der Film klärt über die Auswirkungen der Mobilfunkstrahlung auf die Gesundheit auf. Der Info-Abend beginnt um 19 Uhr.Lesen Sie auch:”Die Mitnutzung ist in Einzelfällen möglich”

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