Fachkräftemangel: Kita Bullenhausen kürzt den Regelbetrieb um zwei Stunden

ts. Bullenhausen/Buchholz. Der Fachkräftemangel an den Kindertagesstätten (Kitas) in Deutschland zeigt erstmals eine drastische Auswirkung im Landkreis Harburg: Weil Erzieher fehlen, hat die Kindertagesstätte in Bullenhausen den Regelbetrieb auf unbestimmte Zeit um zwei Stunden gekürzt.Betreiber ist das Deutsche Rote Kreuz (DRK). “Trotz aller Anstrengungen in der Mitarbeitergewinnung ist es uns leider nicht gelungen, für die Kita Bullenhausen ausreichend Fachkräfte zu gewinnen”, teilte DRK-Kreisgeschäftsführer Roger Grewe den betroffenen Eltern in einem Schreiben mit, das dem WOCHENBLATT vorliegt.Als Notfalllösung haben berufstätige Eltern in Bullenhausen die Möglichkeit, ihre Kinder in eine zusammengelegte, sogenannte “bunte Gruppe” mit 30 Plätzen zu geben. Das Angebot sichert eine Betreuungszeit bis 16 Uhr.In Deutschlands Kindertagesstätten herrscht Personalnot. Das zeigt eine Studie des Verbands Bildung und Forschung aus diesem Jahr. Annähernd 90 Prozent der 2.600 befragten Kitaleiterinnen gaben an, in den vergangenen zwölf Monaten mit zu wenig Personal gearbeitet zu haben. Der DRK-Kreisverband betreut nach eigenen Angaben 4.000 Kinder pro Tag mit 750 Fachkräften. Rund 30 Stellen davon seien zurzeit unbesetzt. Das Ausmaß des Fachkräftemangels zeigt sich auch in der Stadt Buchholz: Laut aktuellem Bedarfsplan fehlen bis 2024 rund 100 Erzieher.In den Kindertagesstätten im Landkreis Harburg herrscht Personalknappheit. “Nicht nur DRK-Kitas, sondern auch Kitas anderer Träger im Landkreis Harburg und andernorts sind davon betroffen”, teilt der Kreisverband Harburg-Land im Deutschen Roten Kreuz auf Nachfrage mit.Besonders drastisch wirkt sich der Mangel an Erziehern auf dem Arbeitsmarkt an der DRK-Kindertagesstätte Bullenhausen aus. Weil es dem Betreiber nicht gelungen ist, zusätzliche Fachkräfte einzustellen, sah er sich gezwungen, die Öffnungszeiten einzuschränken. Betroffen sind alle fünf Kindergartengruppen mit etwa 100 Kindern. Bis auf Weiteres endet die Regelbetriebszeit um 14 Uhr, zwei Stunden früher als vorgesehen. Als Notlösung sichert vorübergehend eine Gruppe mit 30 Plätzen eine Betreuungszeit bis 16 Uhr.Mit einem Schreiben informierte der DRK-Kreisverband die betroffenen Eltern. Von einem Tag auf den anderen waren die Mütter und Väter damit konfrontiert, ihre Kinder zwei Stunden früher aus dem Kindergarten abholen zu müssen. Erkranktes Personal sei der Grund dafür. Die Fehlzeiten seien nicht voraussehbar gewesen. “Es gibt in Krankheitsfällen zurzeit nicht genug Kräfte, die einspringen können”, erklärte DRK-Kreisverbandssprecherin Josefin Bültemann.”Leider mussten wir deswegen auch in Bullenhausen zu dieser Ultima Ratio greifen und die Betreuungszeiten vorübergehend einschränken – was wir sehr bedauern. Wir werden selbstverständlich alles tun, um diese Situation schnellstmöglich aufzulösen und den Regelbetrieb wieder aufzunehmen. Hinzu kommt, dass wir offene Stellen trotz aller Anstrengungen bislang nicht besetzen konnten”, antwortete die Sprecherin.Für berufstätige Eltern sind die verkürzten Öffnungszeiten ein Problem. Eltern, die damit nicht zurechtkommen, haben eine Online-Petition verfasst, die annähernd 600 Unterstützer gefunden hat. Betroffene Eltern werden mit Vertretern des DRK-Kreisverbands zu einem Gespräch zusammenkommen. Die Eltern möchten wissen, was das DRK unternimmt, damit die Kita in Bullenhausen wieder zu der Regelöffnungszeit bis 16 Uhr zurückkehren kann.Die Eltern fragen zudem nach den Gründen des Fachkräftemangels im Landkreis Harburg und Deutschland. Dazu erklärte der DRK-Kreisverband: Die steigende Zahl der Kinder in Deutschland und ein starker Trend zu ausgeweiteten Betreuungszeiten bis hin zur Ganztagsbetreuung seien ein Teil der Erklärung dafür.Politische Gründe kämen hinzu. So hätte der niedersächsische Kultusminister vor zwei Jahren einen Sechs-Punkte-Plan vorgelegt, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. “Leider befindet sich bislang keiner dieser Punkte in der Umsetzung. Vielmehr verfolgt die Ministerialverwaltung, entgegen den öffentlichen Äußerungen des Ministers, scheinbar eigene Interessen”, heißt es aus dem DRK-Kreisverband.Ein großes Problem sei außerdem, dass die schulische Ausbildung von vier Jahren nicht vergütet werde. Deshalb würden sich immer weniger junge Menschen für eine Erzieher-Ausbildung entscheiden.

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