Fragwürdige Angebote in Corona-Zeiten: „Unverantwortlich“: Das Kind zu Wildfremden geben

tk. Buxtehude. „Ich heiße XX komme aus Buxtehude und bin 17 Jahre alt. Mit Hinsicht auf die aktuelle Situation biete ich Kinderbetreuung an. Ich habe die nächsten Wochen frei und verstehe mich wirklich gut und schnell mit Kindern jeglicher Altersgruppen. Vielleicht kann ich Ihnen ja behilflich sein. Bei Interesse einfach melden.“ Dieses und ähnliche Angebote gibt es derzeit sehr viele – nicht nur in Buxtehude, sondern überall. „So etwas ist grob fahrlässig“, sagt Andrea Lange-Reichardt, die Fachgruppenleiterin Familie und Soziales in Buxtehude. Damit werde komplett ausgehebelt, was Grund für die Schließung von Kitas und Schulen sei: „Die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen.“ Zum Vergleich: In einer Notgruppe im Elementarbereich (Kinder zwischen drei und sechs Jahren) dürfen drei, in der Krippe-Notgruppe zwei Kinder betreut werden. „Wenn jetzt Privatpersonen eine Schar Kinder um sich versammeln, grenzt das schon an Körperverletzung“, so Lange-Reichardt. Denn das Infektionsrisiko steige. Nicht ohne Grund dürfen auch Tagesmütter und -väter derzeit keine Kinder betreuen. Die Fachfrau für Pädagogik hat viel Verständnis dafür, dass Eltern, die arbeiten, jetzt in der Bredouille stecken. Den eigenen Nachwuchs aber an Menschen zu geben, die man nicht kenne und die nicht zwingend über eine pädagogische Qualifikation verfügen, mache sie sprachlos. „Wer verantwortungsvoll handelt, gibt sein Kind doch nicht an Wildfremde.“ Das Ganze unterbinden könne die Stadt nicht. „Wir recherchieren nicht im Netz, um das zu verfolgen.“Angesichts dieser aus Infektionsschutzgründen und der Betreuungsqualität fragwürdiger Angebote zieht Andrea Lange-Reichardt als Fazit: „Den Ernst der Lage haben manche Menschen offenbar noch nicht erkannt.“  „Die meisten Eltern haben viel Verständnis, dass die Kitas geschlossen sind“, sagt Andrea Lange-Reichardt, die in der Buxtehuder Stadtverwaltung den Fachbereich Jugend und Soziales leitet. Es gebe aber Einzelfälle, „bei denen wir eine harte Auseinandersetzung führen müssen.“ Es sei erstaunlich, wie viele Menschen plötzlich in Berufen arbeiten, die der allgemeinen Daseinsfürsorge dienen. Buxtehude hat entschieden, dass die Prüfung aller Ausnahmegenehnigugnen für die Notbetreuung zentral übers Jugendamt läuft. „So werden die Kitaleitungen entlastet“, sagt Lange-Reichardt.Was die Fachgruppenleiterin – vorsichtig forumliert – „befremdlich“ findet: Es gibt Unternehmen, auch bundesweit aktive, die jedem Mitarbeiter und jeder Mitarbeiterin pauschal per Zettel bescheinigen, dass sie unabkömmlich und Teil der Daseinsfürsorge seien. Was in den meisten Fällen nicht zutreffe. Für das Jugendamt bedeutet das einen extremen Mehraufwand. „Jeder Einzelfall muss geprüft werden.“

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