Fußball in der Corona-Krise: Abbruch oder Fortsetzung der Saison? Niedersachsens Fußballer müssen sich noch bis zum 27. Juni gedulden

(mum). Nach massiver Kritik aus den Mitgliedsverbänden hat sich der Niedersächsische Fußballverband (NFV) am Mittwoch dazu durchgerungen, dem Votum seiner Mitglieder zu folgen. Die Präsidiumsmitglieder und Vorsitzenden der 33 Kreise einigten sich darauf, Variante 3 (Saisonabbruch nach Quotientenregelung mit Auf-, aber ohne Abstieg) als Antrag auf dem außerordentlichen Verbandstag einzureichen. Dieser soll – auch das wurde am Mittwoch beschlossen – am 27. Juni voraussichtlich als virtuelle Veranstaltung stattfinden. Der Antrag werde laut NFV-Präsident Günter Distelrath der Einzige sein, der von Seiten des NFV-Vorstands eingebracht wird. „Unabhängig davon kann jeder Verein einen Antrag im Rahmen der Antragsfrist stellen.“ Mit großer Mehrheit sprach sich der Vorstand zudem für die Variante „Regelaufsteiger plus Relegationsplatz“ aus.Wie berichtet, sah sich der Verband zuletzt massiver Kritik ausgesetzt, weil Distelrath zuletzt erneut über die Variante „Fortsetzung der Saison“ abstimmen lassen wollte. Frank Dohnke, stellvertretender Vorsitzender des Harburger Kreisverbands, hatte im WOCHENBLATT deutliche Worte gefunden: „Die Vereine haben sich bereits niedersachsenweit mit deutlicher Mehrheit für den Abbruch der Saison entschieden. Für uns entsteht der Eindruck, dass der NFV durch die Hintertür versucht, doch noch seinen zunächst einzigen ausgearbeiteten Vorschlag durchzubringen.“Vor diesem Hintergrund war es nicht überraschend, dass das Interesse an den Videokonferenzen am vergangenen Samstag, die als Vorbereitung für die Sitzung am Mittwoch diente, laut NFV-Sprecher Manfed Finger überwältigend war. Offensichtlich ist jetzt auch Distelrath zur richtigen Erkenntnis gekommen: „Der Chataustausch hat sehr deutlich gemacht, wo die Präferenz der Vereine liegt, nämlich beim Abbruch der Saison.“NFV-Justiziar Steffen Heyerhorst beantworte am Samstag auch die Frage, wie die Abstimmung auf dem Verbandstag gewertet wird. „Vorausgesetzt, dass diese Varianten als Anträge auf dem Verbandstag zur Vorlage kommen, sieht die Ordnung vor, dass über die Anträge nacheinander abgestimmt wird. Beginnen müsste man mit dem am weitreichendsten Eingriff, nämlich der Annullierung der Saison. Damit dieser Antrag wirksam würde, bräuchte es 50,1 Prozent. Erreicht man diese nicht, würden wir über die nächste Variante abstimmen lassen. Die Fortsetzungsvariante hätte den kleinsten Eingriff zur Folge, so dass sie erst dann zur Abstimmung kommen würde, wenn keine der drei anderen Varianten eine Mehrheit erhält.“Distelrath rechtfertigte sich am Samstag: „Es wurde behauptet, der NFV versuche um jeden Preis, die Variante einer Saisonfortsetzung im Rennen zu halten, was schlichtweg nicht richtig ist. Ich möchte daran erinnern, dass wir nach einem einstimmigen Beschluss im Verbandsvorstand zu einer möglichen Fortsetzung der Saison auf Kreisebene mit allen Vereinen in einen Dialog getreten sind und ein Meinungsbild erhoben haben. Dieses Meinungsbild hat ergeben, dass 70 Prozent keine Fortsetzung wollen.“ Er wies darauf hin, dass bei 30 Prozent Befürwortern der Fortsetzungsvariante die Wahrscheinlichkeit nicht klein sei, dass von Vereinsseite ein Antrag auf Fortsetzung kommen könnte.• In Schleswig-Holstein entschied sich die Mehrheit der Präsidiumsmitglieder (114 von 115 anwesenden Stimmen), die Saison zum 30. Juni auslaufen zu lassen. Im Hamburger Amateurfußball wird die Saison aller Voraussicht nach ebenfalls nicht fortgeführt. Das Präsidium des Hamburger Fußball-Verbands (HFV) will am 22. Juni auf einem außerordentlichen Verbandstag den Abbruch des Spielbetriebs vorschlagen. Wie der HFV mitteilte, hatten sich zuvor die Vereine in einer Umfrage mit großer Mehrheit (84 Prozent) dafür ausgesprochen. Die Saison soll per Quotienten-Regelung gewertet werden – mit Aufsteigern, aber ohne Absteiger. Allerdings soll es einen Abstieg „nach Wunsch“ geben. Auf ein WortDas Gebaren eines totalitären StaatesAngst lähmt, heißt es. Das mag aktuell in vielen Punkten auf den NFV-Vorstand zutreffen. Die Angst vor möglichen juristischen Konsequenzen sorgte dafür, dass der Verband lange an der Fortsetzung der Saison festhielt.Angst hat das Präsidium offensichtlich auch vor kritischer Berichterstattung. NFV-Sprecher Manfred Finger kündigte via E-Mail an, unsere Zeitung zu dem Webinar am Samstag einzuladen. Wir erhielten diese Einladung – trotz Nachfrage – nicht. Dieses Verhalten ist auch in Zeiten von Corona nicht zu akzeptieren. NFV-Präsident Distelrath und sein Sprachrohr Finger mögen die aktuelle Berichterstattung nicht gutheißen, sie sogar als ungerechtfertigt bezeichnen. Kritische Journalisten auszuschließen entspricht allerdings eher dem Gebaren eines totalitären Staates als dem eines modernen Verbandes. Offensichtlich gelingt es dem NFV nicht, die Kurve zu bekommen. Schade.Sascha MummenhoffLesen Sie auch:Kreisverband Harburg und Vereine üben Kritik am Niedersächsischen Fußballverband

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