Gewerbegebiet Heidenau: Auf Grenze gebaut: “Der Bauer ist der Dumme”

bim. Heidenau. Jörg und Jorge Prigge sind sauer: Die Zuwegung für die vergrößerte Kühlhalle des benachbarten Molkerei-Konzerns im Heidenauer Gewerbegebiet wurde unmittelbar auf die Grenze zu ihren landwirtschaftlichen Flächen gebaut. Die abschüssige Böschung, die notwendig ist, damit das Regenwasser ortsnah abfließen kann, wurde sogar auf Prigges Ackerfläche angelegt. Damit, so beklagen die Landwirte, sei ihnen auf einer Länge von rund 150 Metern und einer Breite von einem Meter Ackerfläche verlorengegangen. “Man baut doch nicht einfach auf anderer Leute Land. Das ist eine Frechheit”, sagt Jorge Prigge. “Die Bauherren haben vom Grenzverlauf gewusst, sich aber wohl gedacht, der dumme Bauer merkt es nicht”, ist sich Jörg Prigge sicher.Hinzu komme, dass sie ihren Acker seit Baubeginn im Herbst vergangenen Jahres nicht mehr direkt, sondern nur über Umwege oder durchs Gewerbegebiet anfahren könnten. “Als die Halle erweitert wurde, hieß es, der Weg dorthin werde befestigt, damit die Lkw fahren können”, berichten die Prigges. “Doch stattdessen wurde ein 1,20 Meter hoch gelegener Weg gebaut. Mit Schlepper und 40-Tonnen-Gespann komme ich da nicht hoch”, erläutert Jorge Prigge.Mit der Ansiedlung des großen Logistikunternehmens im Jahr 2016 hatten die Heidenauer Politik und die Anwohner bisher keine Probleme, weil die Transporte zu 90 Prozent über die nahe liegende A1 führen und nicht durchs Dorf. Und auch bei Absprachen setzte man bisher auf gute Nachbarschaft, sodass der Rat im Juli vergangenen Jahres auch dem Bauantrag für die Erweiterung der 10.000-Quadratmeter-Halle um 6.000 Quadratmeter zustimmte.Baugenehmigungsbehörde ist der Landkreis Harburg, der von dem grenzüberschreitenden Bau vom WOCHENBLATT erfuhr und voraussichtlich in dieser Woche prüfen will, inwieweit sich der Bauträger an die Grenzen gehalten hat.”Die Gemeinde muss für den Bauantrag nur eine Stellungnahme abgeben, ob es einen Bebauungsplan gibt, die Erschließung geregelt ist und ob es Baulasten gibt”, erläutert Heidenaus Bürgermeister Reinhard Riepshoff, der dennoch eine Grenzvermessung veranlasst hatte. Und er weiß, was ausgemacht war. “Für Bau und Asphaltierung der Straßenfläche war eine Ausnahmegenehmigung beantragt und genehmigt. Aber die Straßenfläche ist dann die Grenze und nicht die Böschung und ein eventueller Pflanzstreifen neben dran. Mit einer solchen Aktion kann eine lange akzeptierte Baugenehmigung nach hinten losgehen!”, so Riepshoff.”Für den Verlust unserer Fläche machte der Bauträger uns ein Angebot von 4.000 Euro. Es geht uns aber nicht ums Geld, sondern ums Prinzip”, so Jörg Prigge.Wie die Grenzüberschreitung ausgeht, wird sich zeigen. Denn nun gibt es einen Termin für eine möglichst gütliche Einigung. Das sagt der Projektleiter DSVDer Transport- und Logistikdienstleister DSV übernahm bereits 2015/16 für den Molkereikonzern Arla Planung, Bau und Betrieb des Kühllagers, ist Mieter der Anlage, aber auch Projektleiter und damit Verantwortlicher für den Erweiterungsbau.Auf WOCHENBLATT-Anfrage teilte die DSV-Pressestelle mit: “Grundsätzlich möchten wir festhalten, dass DSV weder das Grundstück noch das Gebäude besitzt, sondern lediglich Projektleiter war und Mieter der Immobilie ist.” Eine weitergehende Anfrage, wem die Fläche und die Kühlhalle gehören, blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet.Und die DSV-Pressestelle teilt weiter mit: “Bei dem beschriebenen Fall handelt es sich um eine Abböschung der Straße, die sich auf einer Strecke von rund 150 m ca. 60 cm auf dem Acker des Landwirtes erstreckt. Ein Zugang zum Feld ist jederzeit möglich. DSV hat in seiner Funktion als Betreiber dem ansässigen Landwirt bereits angeboten, die Straße des Logistikzentrums zu nutzen, damit dieser problemlos auf sein Land gelangt, um dieses zu bewirtschaften. Als Projektleiter ist DSV im engen Austausch mit dem Besitzer des betroffenen Grundstücks und ist bemüht, einen Ausgleich zu schaffen. Darüber hinaus findet am Donnerstag ein gemeinsames Treffen mit dem Landwirt statt, um zusammen eine konstruktive Lösung zu erarbeiten, die für beide Seiten Sinn macht.”Die Volksbank, deren Baugrund- und Erschließungsgesellschaft (BEG) die Gewerbeflächen vermarktet, teilte auf WOCHENBLATT-Anfrage mit: “Die Halle wird vom Bauherrn auf seinem Grundstück erschlossen. Der von Ihnen angesprochene Weg gehört zum Teil der BEG. Hier wurde eine Wegebaulast für die Nutzung und Befestigung des Weges vereinbart, die aber sicherstellt, dass alle Berechtigten diesen weiterhin uneingeschränkt nutzen können. Letzteres ist derzeit leider nicht gegeben”, so die Volksbank.

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