Handwerksforum 2019: Meister soll wieder Pflicht werden

WOCHENBLATT-Interview mit Detlef Böckmannsb. Stade. Das Handwerk ist in Bewegung. Nicht nur der freie Markt und innovative Produkte, sondern auch neue Gesetze verlangen von den Unternehmen ständige Anpassung und Umstrukturierung. Das WOCHENBLATT sprach über einige Neuerungen mit Detlef Böckmann, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Stade. WOCHENBLATT: Für Anfang 2020 ist in vielen Gewerken die Wiedereinführung der Meisterpflicht geplant. Damit ist der Meisterbrief bei vielen Handwerksberufen wieder eine Grundvoraussetzung für Selbstständigkeit. Was steckt dahinter? Detlef Böckmann: Im Jahr 2004 wurde von der Bundesregierung die Zahl der meisterpflichtigen Handwerksberufe von 94 auf 41 reduziert. Ziel war damals, durch mehr Wettbewerb und Unternehmensgründungen die Zahl der Arbeitslosen zu reduzieren. Gleichzeitig sollte die Zahl der Auszubildenden steigen. WOCHENBLATT: Und hat das funktioniert?Detlef Böckmann: In vielen Fällen nicht. So ist die Zahl der Auszubildenden bundesweit nicht gestiegen, sondern gesunken. Zudem verschwanden viele Handwerksbetriebe, die unter den neuen Voraussetzungen gegründet wurden, schon nach kurzer Zeit wieder vom Markt. Eine Ursache war sicherlich, dass den Jungunternehmern fachliche Voraussetzungen fehlten. WOCHENBLATT: Macht die Rolle rückwärts in punkto Meisterpflicht also Sinn? Detlef Böckmann: In den Augen der Kreishandwerkerschaft Stade definitiv ja. Wir freuen uns und werten es als starkes Signal für Qualität und Qualifizierung im Handwerk, dass der Gesetzentwurf zur Wiedereinführung der Meisterpflicht auf den Weg gebracht ist. Denn der Meisterbrief schafft die Grundlage für ein nachhaltiges Unternehmertun, ist ein Garant für hohe Produktqualität und für eine gute Ausbildungsleistung. Den Meisterbrief stärken heißt, das Handwerk zukunftsfit zu machen.WOCHENBLATT: Weiteres aktuelles Thema ist die Einführung eines Mindestlohns für Auszubildende. Nach dem Willen der Bundesregierung soll zunächst eine Untergrenze von 515 Euro im Monat für neue Ausbildungsverträge ab Januar 2020 gelten. Ist das in Ihren Augen ein richtiger Schritt? Detlef Böckmann: Wenn der Mindestlohn für Auszubildende kommen sollte, betrifft das unsere Region praktisch nicht. Denn die meisten Gewerke in unserem Gebiet zahlen ein Gehalt über dem angestrebten Mindestlohn. Generell finde ich eine staatliche Regulierung nicht gut. Tarifvereinbarungen sollte man den Gewerkschaften überlassen.WOCHENBLATT: Seit Jahren kritisiert wird ja auch die wachsende Bürokratie, die die Handwerksbetriebe viel Zeit und Geld kostet. Wie ist da der aktuelle Stand?Detlef Böckmann: Die Bürokratiekosten sind weiterhin eine große Belastung. Sie schnüren vor allem kleineren Handwerksbetrieben immer mehr die Luft zum Atmen ab. Jüngstes Beispiel dafür ist die Einführung der Datenschutzgrundverordnung, kurz DSGVO. Allerdings ist hier jetzt Entlastung in Sicht. So hat der Bundesrat unter anderem der Anhebung des Schwellenwerts zur Bestellpflicht eines Datenschutzbeauftragten von zehn auf 20 Personen zugestimmt. WOCHENBLATT: Herr Böckmann, vielen Dank für das Gespräch.

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