Harsefeld möchte NS-Opfern in Kriegerdenkmal gedenken: “Pläne sind unangemessen”

jab. Harsefeld. Die Gemeinde Harsefeld möchte ihrer lokalen Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft gedenken – ein sehr lobenswertes Vorhaben. Bei dem Ort, an dem die Gedenkstelen aufgestellt werden sollen, handelt es sich aber um das Kriegerdenkmal am Denkmalsweg nahe der Kirche. Diese Planung sorgte unter anderem für Unverständnis bei Geschichtsforscher und Beiratsmitglied der Stiftung niedersächsischer Gedenkstätten Michael Quelle (das WOCHENBLATT berichtete). Nun äußerte sich zu dem Vorhaben auch Dr. Jens-Christian Wagner, Geschäftsführer der Stiftung.”Die Pläne der Gemeinde Harsefeld halte ich für ethisch, wissenschaftlich und politisch unangemessen”, so Wagner. Dennoch hebt er auch hervor, dass es ein richtiges und löbliches Zeichen der Kommune ist, der NS-Opfer öffentlich zu gedenken. Dennoch müssten die Stelen räumlich deutlich vom Kriegerdenkmal getrennt werden, meint Wagner.Das Kriegerdenkmal stammt aus der Zwischenkriegszeit und wurde nach 1945 mit einer Tafel für die im Zweiten Weltkrieg gestorbenen deutschen Soldaten ergänzt. Würden die Stelen nun in das Denkmal integriert, könnte laut Wagner der Eindruck entstehen, dass die NS-Verbrechen relativiert werden könnten. Geehrt würden dann in einem Gesamtdenkmal deutsche Soldaten, unter denen sich auch Nationalsozialisten und möglicherweise auch Täter befunden haben, genauso wie die Opfer der NS-Verbrechen.Außerdem ist die Gedenkstätte ein Denkmal an die Zeit und aus der Zeit. “Es ist ein zeitgeschichtliches Dokument, eine historische Quelle für den Umgang mit der Vergangenheit durch die lokale Öffentlichkeit nach dem Ersten und nach dem Zweiten Weltkrieg.” Eine Integration der Stelen sei daher ahistorisch.

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