Kommunales medizinisches Versorgungszentrum beschäftigt Kreis-Sozialausschuss: Die Amortisation ist nicht sicher

ce. Winsen. Die hausärztliche Versorgung im Landkreis Harburg und ein diesbezüglicher Antrag der SPD beschäftigt den Ausschuss für Soziales und Integration einmal mehr in seiner nächsten Sitzung, die am Donnerstag, 14. November, um 15 Uhr im Winsener Kreishaus (Schlossplatz 6, Gebäude B, Raum B-013) stattfindet. Bereits im Frühjahr hatten die Kreis-Sozialdemokraten den Aufbau eines kommunal getragenen, medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) beantragt, das einen allgemeinärztlichen Dienst und bis zu zwei Facharztpraxen umfassen solle (das WOCHENBLATT berichtete). Über ein Drittel aller Allgemeinärzte in der Region – so die Begründung – erreiche demnächst den Ruhestand, und schon heute werde über zu volle Wartezimmer und lange Wartezeiten geklagt. “Bis 2030 droht eine drastische Versorgungslücke, zumal der Anstieg älterer Jahrgänge eine drastisch wachsende Nachfrage nach Hausarztpraxen bedeutet”, so SPD-Fraktionschef Tobias Handtke und Fraktionsmitglied Klaus-Wilfried Kienert.Der Sozialausschuss hatte daraufhin vereinbart, dass die Kreisverwaltung für die nun anstehende Sitzung weitergehende Informatio­nen zur Einrichtung kommunaler MVZ einholt. In der Vorlage kommt die Verwaltung unter anderem zu dem Ergebnis, dass Ärzte, die nicht das wirtschaftliche Risiko einer Praxisgründung eingehen wollen, in einem MVZ als angestellte Mediziner mit festem Gehalt und geregelten Arbeitszeiten arbeiten könnten. Die Gründung eines MVZ könnte zudem als “strategische Entscheidung” gewertet werden, mit der Ärzte auf Veränderungen im Gesundheitswesen reagieren.Als Risiko eines kommunalen MVZ-Aufbaus räumt die Kreisverwaltung ein, dass eine Amortisation der hohen Investitionen “nicht zwingend gesichert” wäre. Zudem würde sich ein MVZ wirtschaftlich nicht rentieren, wenn es keine betriebswirtschaftlichen Synergieeffekte durch die Zusammenarbeit mehrerer Ärzte und anderer Leistungsanbieter gäbe. Auch wäre ein MVZ nur sinnvoll, wenn es für die Patienten spürbare Verbesserungen bei Behandlungsabläufen und Versorgungsqualität mit sich bringe. Für die Kommunen könnte ein Versorgungszentrum am Ende ein “dauerhaftes Zuschussgeschäft in nicht kalkulierbarer Höhe” werden.Die Kreisverwaltung weist schließlich darauf hin, dass alle bislang bekannten kommunalen MVZ aufgrund besonderer örtlicher Ausgangslagen von Gemeinden gegründet worden seien. “Ein durch einen Landkreis gegründetes MVZ ist nicht bekannt.” Aufgrund des großen wirtschaftlichen Risikos und der hohen rechtlichen Anforderungen empfiehlt die Verwaltung Kommunen schließlich, Ärzte auf andere Weise zu fördern.

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